Bernd Kunde und Rainer Ernzer von der Deutsche Post DHL Group statten der Baustelle am Habbesweg einen Besuch ab. Auf einem Grundstück von rund 7100 Quadratmetern errichtet das Unternehmen einen Zustellstützpunkt für Unna und Holzwickede. © Udo Hennes
Deutsche Post

Hier geht bald die Post ab: Ein neuer Umschlagplatz für Briefe und kleine Pakete in Unna

Die „Post“, das ist für viele Unnaer ein historisches Gebäude im Norden der Innenstadt. Im Sommer mag sich das ändern: Briefe und kleine Pakete gehen dann in einem Gewerbegebiet in die Verteilung.

Die Post gehört zu den ältesten Unternehmen überhaupt. Und in Unna zählt sie auch zu den bekanntesten Baudenkmälern der Stadt. Für eine zeitgemäße Brief- und Paketlogistik aber ist ein attraktives Haus in bester Innenstadtlage weder notwendig, noch sinnvoll. Allein der Betrieb auf mehreren Etagen ist angesichts der bewegten Mengen eher eine Hürde.

Im Sommer beginnt für die Post in Unna eine neue Zeit, und das gilt sowohl für das Unternehmen als auch für das Gebäude in der Innenstadt. Bis Ende Juli soll am Habbesweg, dem noch jungen Gewerbegebiet neben der Hansastraße, ein neuer Zustellstützpunkt fertiggestellt sein.

Die Post als Unternehmen wechselt dann in ein ebenerdiges Gebäude auf 1350 Quadratmetern Grundrissfläche. Die Post als Gebäude wird von der privaten Eigentümerin umgebaut. Nur für Kunden ändert sich eher wenig: Was am Schalter als Post wahrgenommen wird, ist eigentlich die Postbank, die als Unternehmen eine Tochter der Deutschen Bank ist, aber als Dienstleisterin im Auftrag der Post wirkt.

Im neuen Zustellstützpunkt, dessen Bau jetzt am Habbesweg begonnen hat, werden Funktionen aus dem für Kunden verschlossenen Teil der alten Hauptpost und aus einem Übergabepunkt in Holzwickede zusammengelegt. Dementspechend sind es dann auch Sendungen für Unna und Holzwickede, die hier für die letzte Etappe ihrer Reise vorbereitet werden.

Briefträger sind zunehmend auch Paketboten

In erster Linie sind es Briefe, doch zunehmend auch kleinere Pakete, die die Postboten von hier aus mitnehmen. Pakete mit handhabbaren Abmessungen lasten die Lücken aus, die durch die sukzessive Abnahme des Briefaufkommens entstehen. Grundsätzlich solle diese „Verbundzustellung“ von Briefen und Paketen durch nur jeweils eine Vertriebskraft ausgebaut werden, erklärt Rainer Ernzer, Pressesprecher der Deutsche Post DHL Group. „Sie ist ökologisch, aber auch ökonomisch die beste Lösung.“

Eine Baufirma mit Sitz in Dinslaken ist mit dem Bau des Umschlagplatzes beauftragt. Bis Ende Juli soll er fertig sein.
Eine Baufirma mit Sitz in Dinslaken ist mit dem Bau des Umschlagplatzes beauftragt. Bis Ende Juli soll er fertig sein. © Udo Hennes © Udo Hennes

Zunächst werden 35 Zustellerinnen und Zusteller ihren Dienstsitz an den Habbesweg verlegen. Perspektivisch sollen 58 daraus werden. Für die „kleinen Pakete“ in der Verbundzustellung erwartet die Post beziehungsweise DHL eine Verdreifachung des Aufkommens am Standort. Aktuell werden in Unna wöchentlich 4500 solcher Kleinpakete über die Postboten verteilt, aber für den neuen Zustellstützpunkt rechnet das Unternehmen mit 15.000 pro Woche.

Im Durchschnitt 50.000 Briefe pro Tag

Die Zahl der Briefe liegt aktuell deutlich höher: 50.000 pro Tag sind es durchschnittlich, mit starken Schwankungen innerhalb des Jahresverlaufs, aber auch zwischen den einzelnen Wochentagen. Grundsätzlich nimmt die Zahl der verschickten Briefe aber ab, zuletzt um rund zwei Prozent im Jahr.

Was in Unna auf die letzte Etappe geschickt wird, kommt entweder aus dem Briefzentrum der Post in Werl oder aus dem Paketzentrum von DHL in Hagen. Über 90 Prozent der Briefe sind bereits in „Gangfolge“ vorsortiert. Das heißt: Die Briefe liegen so im Korb, wie sie beim Weg durch den Zustellbezirk liegen sollten. Nur Briefe mit ungewöhnlichen Abmessungen, die nicht in die Sortieranlage gepasst haben, und bisweilen auch Sendungen mit unklarer Adresse erfordern ein Nacharbeiten vor Ort.

Verändern werden sich nach dem Umzug an den Habbesweg auch die Verkehrsmittel der Postbotinnen und -boten. Längere Wege bis nach Holzwickede und der Trend zur Verbundzustellung erfordern, dass einige der zurzeit 22 Postfahrräder doch durch ein kleines Kraftfahrzeug ersetzt werden. Und: Der letzte Bezirk in „Zu-Fuß-Zustellung“ wird ab August ebenfalls „abgefahren“.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka
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