Musikunterricht besteht nur aus Notenlesen? Von wegen: An der Hellweg-Realschule dürfte der Musikunterricht in diesem Schuljahr ziemlich spannend werden. Die Realschule ist Partnerschule der Neuen Philharmonie Westfalen.

Massen

, 10.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nein, an der Hellweg-Realschule gibt es keine Big Band und kein Kammerorchester. Auch eine Musikklasse gibt es an Unnas mittlerweile einziger Realschule nicht. Und doch ist es die Hellweg-Realschule, die jetzt als einzige Schule Unnas in den Genuss einer Kooperation mit Profimusikern kommt: Die Hellweg-Realschule ist in diesem Schuljahr Partnerschule der Neuen Philharmonie Westfalen.

Jetzt lesen

Schulleiterin Sabine Terwort ist sichtlich stolz. „Wir sind die einzige Realschule, die in dieser Saison dabei ist“, sagt sie, „das ist etwas Besonderes, keine Frage.“ Konzertbesuche, Probenbesuche und Workshops mit den Musikern des Landesorchesters Nordrhein-Westfalens stehen nun ein Schuljahr lang für die Realschüler auf dem Stundenplan – eine Riesen-Chance, findet nicht nur die Schulleiterin.

Die NPW-Kids-Partnerschule

Ein Sinfonieorchester „hautnah“

  • Was macht der Dirigent mit dem Taktstock? Wie wird man Triangel-Spieler? Wie verbringt der Pauker im Konzert die Zeit bis zum nächsten Einsatz? – Antworten auf diese und weitere Fragen bekommen die Partnerschulen der Neuen Philharmonie Westfalen (NPW).
  • Jeweils ein Schuljahr lang profitieren die ausgewählten Partnerschulen von verschiedenen Angeboten, zum Beispiel altersgerechte Einführungen mit anschließendem Konzertbesuch, Proben-Coachings von Nachwuchs-Schulensembles durch NPW-Profis, persönliche Fragestunden mit dem Generalmusikdirektor Rasmus Baumann oder Solisten.
  • Auch gemeinsame Projekte sind möglich, so zum Beispiel der Besuch eines Trucks mit verschiedenen Instrumenten auf dem Schulhof oder aber ein Besuch des Orchesters auf dem Schulfest. Ähnliches ist auch an der Hellweg-Realschule für das Schuljahresende geplant; Details dazu werden noch ausgearbeitet.

Klaus Görgner ist der Mann, der die Hellweg-Realschule ins Rennen um die Partnerschaft mit der Neuen Phiharmonie Westfalen geschickt hat. Der Musiklehrer kann es selbst noch immer nicht ganz glauben, dass es wirklich geklappt hat. „So ein Angebot bekommt man nun wirklich nicht alle Tage“, sagt Görgner. Das Angebot kam im November 2017, ein allgemeines Anschreiben des Orchesters, ob sich die Schule nicht um eine Partnerschaft bewerben wolle. Klaus Görgner und sein Musik-Kollege Philipp Lüke bereiteten die Bewerbung vor, doch es klappte nicht; Partnerschulen der Neuen Philharmonie Westfalen wurden andere Schulen.

„Doch dann kam Anfang des Jahres dieser Brief mit der Frage, ob wir noch Interesse hätten, dann bestehe da durchaus die Möglichkeit, die Partnerschaft vielleicht im neuen Schuljahr einzugehen“, erzählt Görgner. Dass die Realschule – anders als die meisten Gymnasien – keine Big Band und kein musisches Profil hat, mag auf den ersten Blick die Chancen einer Partnerschaft mit einem so renommierten Orchester schmälern – doch Klaus Görgner setzte genau darauf.

„Es ist wichtig, dass wir mit Musik gerade die erreichen, die damit vielleicht erstmal nicht zu viel zu tun haben“, ist er überzeugt und betonte dies auch in der Bewerbung um die Partnerschaft - ebenso wie die gute Arbeit der Schulband.

Schüler, die ein Instrument lernen, werden immer seltener, das stellt Görgner immer wieder fest. „Wenn man in der fünften Klasse mal nachfragt, wer ein Instrument spielt, bekommt man ganz oft zu hören: In der Grundschule haben wir Jekits gemacht, aber jetzt mache ich nichts mehr.“ Ihn, der selbst lange Jahre an einer Musikschule unterrichtet, ärgert das. „Es ist schade, dass so eine Musikförderung nach der Grundschule endet. Umso spannender ist da die Kooperation mit der Neuen Philharmonie für uns.“

Hellweg-Realschule ist jetzt Partnerschule der Neuen Philharmonie Westfalen

Einmal pro Monat bekommen die Hellweg-Realschüler ein Kartenkontingent für ein Konzert der Neuen Philharmonie Westfalen - auch das ist Teil der Kooperation. © Pedro Malinowski

„Wenn man in der fünften Klasse mal nachfragt, wer ein Instrument spielt, bekommt man ganz oft zu hören: In der Grundschule haben wir Jekits gemacht, aber jetzt mache ich nichts mehr.“
Klaus Görgner, Musiklehrer an der Hellweg-Realschule

Denn die Partnerschaft bedeutet nicht nur, dass die Hellweg-Realschule nun ein Schuljahr lang jeden Monat jeweils 30 Karten für ein Konzert der Neuen Philharmonie Westfalen bekommt, sondern zum Beispiel auch, dass die Orchestermitglieder mit ihren Instrumenten in den Musikunterricht kommen. „Eine Oboe oder ein Fagott kennen viele Schüler gar nicht. Durch die Kooperation können sie es nicht nur kennenlernen, sondern es sich auch direkt von den Profis erklären lassen“, freut sich Klaus Görgner.

Bisher waren es vor allem die zehnten Klassen der Hellweg-Realschule, die mit einem Besuch einer Oper im Konzerthaus Dortmund Kontakt zu klassischer Musik auch außerhalb des Musikunterrichts bekamen. Von der Partnerschaft mit der Neuen Philharmonie Westfalen sollen nun alle Jahrgänge profitieren. Und wer weiß, vielleicht entwickelt sich daraus ja sogar ein Musikprofil. Das Potenzial dafür ist an der Hellweg-Realschule definitiv vorhanden.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Gerichtsprozess

Casino-Überfall mit Pistole in Unna: Nach sieben Jahren erinnern sich Zeugen kaum

Meistgelesen