Hellweg-Museum Unna lädt zur Spurensuche

dz90 Jahre Museum

Eine Chemietoilette, ein fossiler Seeigel und ein Bergmannsschuh – was das Hellweg-Museum in seiner neuen Sonderausstellung zeigt, sind keine gewöhnlichen Objekte. „Bergmannsschuh trifft Krokodil“ heißt die Ausstellung – und der Name ist Programm.

Unna

, 06.10.2018, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie schafft 14.000 Umdrehungen in der Minute. Ihre sechs Klingen führen 5600 Schnitte pro Sekunde aus. Alles, was oben in die „Starmix“ gefüllt wird, kommt unten winzig heraus. „Winzig“ ist eines der neun Adjektive, unter denen das Hellweg-Museum ab diesem Wochenende 90 Exponate aus seiner Sammlung zeigt – und die Küchenmaschine „Starmix“ aus dem Jahr 1958 hat es ohne Umschweife in die Sonderausstellung geschafft.

Hellweg-Museum Unna lädt zur Spurensuche

Diese Chemie-Toilette stammt aus dem ehemaligen Atombunker am Bahnhof in Unna. Gebraucht wurde sie zum Glück nie. © Borys Sarad

„Bergmannsschuh trifft Krokodil“ – schon der Titel der Sonderausstellung lässt aufhorchen: Was haben ein ausgestopftes Krokodil und ein Bergmannsschuh gemeinsam, dass sie zusammen in einer Ausstellung gezeigt werden? Und wieso steht eine Küchenmaschine neben einer Chemietoilette und einem fossilen Seeigel? Dr. Tina Ebbing schmunzelt: „Wir wollten ganz bewusst erreichen, dass die Besucher um die Ecke denken müssen, wenn sie die Objekte betrachten.“

Gemeinsam mit Museumsleiterin Dr. Beate Olmer und Kathrin Göttker vom Büro „KulturWissenSchaffen“ hat sie 90 Objekte ausgesucht, die einen Einblick in die 90 Jahre währende Geschichte des Hellweg-Museums geben. „Wir haben zunächst versucht, Objekte zu finden, die zeigen, was in den einzelnen Jahrzehnten der Museumsgeschichte jeweils gesammelt wurde. So wissen vermutlich die wenigsten Menschen, dass es eine große Tierpräparate-Ausstellung im Museum gibt“, erklärt Ebbing.

Ein Beispiel der Kategorie „spritzig“

Zapfarmatur aus dem „Treppchen“

Hellweg-Museum Unna lädt zur Spurensuche

Die Zapfarmatur fällt unter die Kategorie „spritzig“. © Borys Sarad

Diese Zapfarmatur aus der Ein-Zimmer-Kneipe „Treppchen“ an der Klosterstraße ist der Grund, wieso es über die Kneipe auch hieß, „wo das Bier aus der Wand läuft“. Die Marmorplatte mit den drei Hähnen war in das Rückbuffet integriert. Die Hähne stammen aus unterschiedlichen Zeiten. Der obere Hahn soll zuletzt ein Wasserhahn gewesen sein. Aus den beiden unteren spritzte Bier in die Gläser. Ab 1921 betrieb der für die Lindenbrauerei tätige LKW-Fahrer Johannes Kröger das Lokal und bewirtete seine Gäste 1956 noch als 88-Jähriger. Seine Nachfolgerin Josefa Lindemann führte das „Treppchen“ bis in die 1960er-Jahre. Als das Haus abgerissen wurde, kam die Zapfarmatur in das Hellweg-Museum.

So wie das Krokodil werden auch viele andere Objekte der Museumssammlung erstmals präsentiert. „Wir geben mit dieser Ausstellung einen Einblick in das Museum“, erklärt Museumsleiterin Dr. Beate Olmer. „Das ist kein repräsentativer Querschnitt, vielmehr eine Art Kaleidoskop.“ Und „einfach so“ 90 Objekte zu präsentieren – das war den drei Historikerinnen zu langweilig. Stattdessen haben sie den Geburtstag „neunzig“ wörtlich genommen. „Wir haben die Objekte unter Adjektiven zusammengefasst, die genau wie Neunzig auf das Suffix -zig enden“, erklärt Tina Ebbing die Idee.

„Einzig“, „fetzig“, „herzig“, „hitzig“, „holzig“, „putzig“, „salzig“, „spritzig“ und „winzig“ sind die Objekte in der Sonderausstellung. „Auf diese Weise bekommen die vielen unterschiedlichen Objekte eine gemeinsame Klammer“, so Olmer, „und auch auf den ersten Blick banal erscheinende Objekte rücken so in einen neuen Fokus.“ Das kleine Schnapsfass aus dem 18. Jahrhundert ist natürlich „spritzig“, auch die 100 Jahre alte Badepuppe aus Porzellan ordnet sich in diese Gruppe ein – ebenso wie eine von einst über 50 Chemietoiletten aus Unnas ehemaligem Atombunker.

Hellweg-Museum Unna lädt zur Spurensuche

Diese beiden Eheringe stammen aus dem Jahr 1900: Geschlossen wurde die Ehe am 30. Oktober 1900. © Borys Sarad

Herzig

Unter den 90 Objekten der Sonderausstellung sind auch viele mit einer sehr persönlichen Geschichte. So wie die der beiden Eheringe vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Gravur der filigranen Schmuckstücke verrät, dass die mit ihnen besiegelte Ehe am 30. Oktober 1900 geschlossen wurde. Vermutlich stammte das Brautpaar aus der Familie von Christa oder Theodor Heimann, die in den 1950er-Jahren ein Vermessungsbüro an der Massener Straße eröffneten und bis 1993 betrieben. 2014 erhielt die Bürgerstiftung Unna das Vermögen und persönliche Gegenstände aus dem Erbe des Ehepaares, darunter die Eheringe in ihrer Originalschachtel. Die Bürgerstiftung übergab die Ringe als kulturgeschichtliche Zeugnisse an das Museum. Natürlich sind sie in der Ausstellung unter „herzig“ eingruppiert.

Salzig

Das Lieblingsobjekt der Museumsleiterin zählt dagegen zu der Kategorie „salzig“. Genau genommen sind es drei Objekte: Drei teilweise bunte Fenster aus dem Verwaltungsgebäude der Königsborn AG hängen an zentraler Stelle in der Ausstellung. Beate Olmer schwärmt: „Die Fenster stammen aus dem Jahr 1907 und sie zeigen wunderbar die Verbindung von Salinenwesen und Kurbadbetrieb. Sie sollten meiner Meinung nach dringend in die Dauerausstellung.“ 2017 wurden die Fenster, von denen eines die Windpumpe Friedrichsborn zeigt, umfassend restauriert – gezeigt wurden sie bisher noch nie.

Das gilt auch für das Krokodil – das sich übrigens mit dem Bergmannsschuh eine Vitrine teilt.

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Die Sonderausstellung wird am Sonntag, 7. Oktober, um 14 Uhr in Anwesenheit von Bürgermeister Werner Kolter eröffnet. Bis zum 19. Mai ist sie zu den Öffnungszeiten des Museums zu sehen: Mittwoch und Freitag, jeweils 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr, Donnerstag 15 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen 14 bis 17 Uhr. Ausstellungsgespräche finden a 25. November, 3. Februar, 10. März und 7. April, jeweils von 15 bis 16 Uhr statt. Die Teilnahme ist kostenlos.
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