Hellweg Museum freut sich über besondere Porträts

dzKultur

Grüße aus der Vergangenheit senden seit Freitag zwei Gemälde aus dem frühen 18. Jahrhundert im Hellweg-Museum. Die beiden Porträts sind vor allem deswegen interessant, da sie Personen mit Bezug zu Unna zeigen.

von Sebastian Pähler

Unna

, 28.06.2019, 16:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Über den Neuzugang freute sich Dr. Beate Olmer bei der Übergabe sehr. Die beiden Bilder seien „zum einen vom künstlerischen Anspruch museal, vor allen Dingen, weil es auch Gemälde sind, aus einer Zeit, wo es wenig Porträts in der Sammlung des Hellweg-Museums gibt und besonders interessant, da es sich um Personen handelt, die einen Bezug zu Unna haben“, so die Museumsleiterin.

Die weitverzweigte Familie Davidis

Zu sehen ist zum einen ein David Davidis. Ein Name der historisch interessierten Unnaern vertraut vorkommen könnte, findet sich dieser Name doch auch in der Liste ehemaliger Bürgermeister. Um genau diesen handelt es sich allerdings nicht. „Leider gibt es bei der weit verzweigten Familie Davidis, die in Dortmund sehr stark vertreten war aber auch in Unna viele Mitglieder hatte, viele Personen dieses Namens“, erläuterte Dr. Olmer. Welcher davon auf dem 1721 angefertigten Gemälde zu sehen ist, meint sie nach langer Recherche ermittelt zu haben. Er muss 1685 in Unna geboren und 1769 in Dortmund verstorben sein. Dort ist er ab 1714 im Bürgerbuch zu finden.

Einen Bezug zum ehemaligen Bürgermeister gibt es aber dennoch, denn das zweite Porträt zeigt seinen Sohn Eberhard Georg Davidis. Von ihm ist wenig bekannt. Er muss am 13. Juli 1686 geboren worden sein. So geht es aus seiner Dissertationsschrift hervor, die er 1709 in Jena verfasste, wo er Medizin studierte. Eine Übersetzung aus dem Lateinischen steht aus, aber eine erste Sichtung deutet an, dass er sich mit „blutigem Auswurf“ befasst hat.

Wann der Bürgermeistersohn verstab, lässt sich hingegen nur indirekt erschließen. Bei ihren Recherchen fand Dr. Olmer heraus, dass er 1716 in Unna eine Gertrud Husemann heiratete. Bereits 1718 heiratete diese erneut und wird in den Büchern als Witwe von Eberhard Georg geführt.

Die Bilder sind nicht signiert, so dass man über den Maler nicht viel sagen kann. Obwohl das eine 1710 und das andere 1721 angefertigt wurde, kann man aber aufgrund des Formates und der Bildkomposition von einem gemeinsamen Urheber ausgehen, so Dr. Olmer.

Hellweg Museum freut sich über besondere Porträts

Zunächst ging Wolf-Dietrich Köster von Vater und Sohn aus, doch der ältere Herr auf dem linken Bild heißt zwar auch David Davidis (1685 bis 1769) ist aber nicht der ehemalige Unnaer Bürgermeister und Vater des Jüngeren auf dem rechten Bild, Eberhard Georg Davidis (geboren 1686). © Sebastian Pähler

Zurück zu den Wurzeln

Der Dortmunder Unternehmer und Kunstsammler Wolf-Dietrich Köster veräußerte die beiden Unnaer Herren an das Hellweg-Museum. Seit Anfang der 90er-Jahre hatten sich die Gemälde in seinem Besitz befunden. Tatsächlich hatten die Davidis in seine Familie eingeheiratet so dass, wenn auch keine direkte verwandtschaftliche, so doch ein familiäre Verbindung zwischen ihm und den beiden porträtierten Herren besteht. Köster erhielt sie von einer Verwandten in Hamburg, die er eigentlich um Bilder seiner direkten Vorfahren bat. Diese bekam er nicht, aber die Bilder der beiden Herren mit ihren, an Darstellungen von Johann Sebastian Bach erinnernden Perücken, durfte er haben. Vom Künstler Rolf Pallasch ließ er sie vorsichtig restaurieren und neu rahmen, so dass sie wieder in einem ansehnlichen Zustand kamen. „Die haben mich Jahrzehnte lang begleitet und immer freudig morgens früh angeguckt, wenn ich das Haus verließ“, so Köster.

Als er beschoss sie abzugeben, war ihm klar, „jetzt sollen sie wieder dahin, wo sie vielleicht schon gewesen sind, bevor sie in unsere Familie kamen“. Ermöglicht wurde der Ankauf durch den Förderverein des Hellweg-Museums, der sich für Kösters Bereitschaft bedankte, trotz eines wahrscheinlich höheren Wertes die Bilder nicht auf dem freien Markt anzubieten.

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