Paare, die sich trauen lassen, müssen das in Bergkamen in einem kleineren Rahmen als sonst planen. Die Stadt lässt zu Trauungen maximal 25 Personen zu. Der Standesbeamte zählt dabei schon mit. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Hochzeiten

Heiraten trotz Corona? Heiratswillige in Unna verschieben das Fest meist auf nächstes Jahr

Hochzeitsfeiern sind wieder mit bis zu 150 Personen möglich. Für viele Paare kommt diese Lockerung aber zu spät: Sie haben ihr Fest meist aufs nächste Jahr verschoben. Der Gastronomie brechen Umsätze weg.

Für Heiratswillige, die ihre Hochzeit für den August diesen Jahres geplant haben, dürfte es eigentlich eine freudige Nachricht sein: Seit dem 15. Juli sind laut Coronaschutzverordnung des Landes wieder Feste aus besonderem Anlass mit bis zu 150 Personen möglich. Große Feten könnten also wie geplant stattfinden. Aber: Das ist in den meisten Fällen nicht der Fall. Paare haben ihre große Feier ohnehin meist auf nächstes Jahr verschoben. Das berichten Menschen aus Unna, die beruflich viel mit Heiratswilligen zu tun haben.

Einer davon ist Ralf Bieri. Der Gastronom vermietet Locations wie das Herrenhaus „Villa Beo“, die „Neue Schmiede“ oder die „Neue Waschkaue“ in Unna. Normalerweise sind diese zum jetzigen Zeitpunkt ausgebucht, durch Corona habe es aber viele Absagen gegeben. „Es gibt wenig Leute, die sich auf die Auflagen und Hygienevorschiften einlassen wollen. Dann holen sie ihre Hochzeit lieber ohne Einschränkungen nach“, sagt er.

„Die Menschen wollen einfach mehr Planungssicherheit haben.“

Fotografin Sabrina Zeuge

85 Prozent Umsatzverlust für Gastronom

Deshalb sei Bieri auch schon für das nächste Jahr ausgebucht – allerdings mit Vorbehalt, wie er sagt. „Es weiß ja keiner, ob sich die Lage bis dahin weiter entspannt hat.“ Für ihn wäre es allerdings wünschenswert: Von März bis August habe er etwa 85 Prozent Umsatzverlust gemacht, seine Prognose für die kommenden Monate ist ähnlich: „Das zieht sich noch eine Weile lückenlos so weiter. Die Leute sind einfach verunsichert.“

Standesamt

Weniger Trauungen in der Corona-Zeit

  • Seit der Lockerung der Corona-Regelungen verzeichnet das Unnaer Standesamt wieder einiges mehr an Trauungen. Man sei wieder recht gut ausgelastet, es gebe aber für Heiratswillige noch Chancen, kurzfristig einen Termin zu bekommen, teilt die Stadt Unna mit.
  • Standesamtliche Trauungen sind in Unna immer von Dienstag bis Freitag möglich, einmal im Monat auch samstags. Kontakt: (02303) 103-342.
  • Allem Anschein nach hat Corona im Standesamt dieses Jahr aber für Ruhe gesorgt: 86 Trauungen hat es 2020 bis zum 31. Juli gegeben. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es 133.

Diesen Eindruck hat auch Hochzeitsfotografin Sabrina Zeuge aus Unna. Zwar rollten bei ihr „die Aufträge so langsam wieder an“, Buchungen für größere Hochzeiten blieben jedoch weiterhin aus: „Gerade die Menschen, die mit vielen Gästen feiern, investieren viel Zeit in die Vorbereitungen.“ Deshalb seien besonders die großen Hochzeiten vorzeitig abgesagt worden. „Die Menschen wollen einfach mehr Planungssicherheit haben“, vermutet sie. Allerdings gebe es auch Ausnahmen, etwa kleine Hochzeiten, die jetzt spontan stattfinden.

Einige Paare feiern Gartenpartys

Davon kann auch Eduard Pahl vom Party- und Eventverleih „Baloony“ berichten. Er werde nun vermehrt für Bierzeltgarnituren und Dekoartikel angefragt, die für Hochzeitspartys im Garten dienen sollen. Anfragen für große Festzelte, Stehtische und Hüpfburgen blieben hingegen aus, was sich auch an den Einnahmen bemerkbar macht: „Mehr als die Hälfte des Umsatzes von 2019 habe ich verloren“, sagt er. Pahl setzt nun auf das kommende Jahr – 2021 dürfte dann das Jahr der großen Hochzeitsfeiern werden.

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Geboren 1992 mitten im Ruhrgebiet (Bottrop) und aufgewachsen am Rande des Münsterlandes (Dorsten), hat es sie zum Studieren nach Bielefeld verschlagen (die Stadt gibt es wirklich ;-)). Nach beruflichen Zwischenstationen in Braunschweig, Berlin und Aachen ist sie froh, wieder zurück im Pott zu sein und Geschichten für Unna zu schreiben. Wenn sie nicht journalistisch unterwegs ist, hört sie gerne Musik, wandert im Grünen oder faulenzt mit einem guten Buch im Café.
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Vivien Nogaj
Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf
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