Marita Eichhorn und Hildegard Hagemann-Caspari hat die Liebe nach Unna gebracht. Bei beiden Frauen ist daraus eine Liebe zu Unna entstanden, die bis heute anhält – auch wenn sie einiges mittlerweile stört.

Unna

, 27.08.2019, 13:07 Uhr / Lesedauer: 4 min

Mal ist es der Beruf, der einen in eine Stadt „verschlägt“, mal aber auch die Liebe. Auf unsere Frage, warum Menschen nach Unna gezogen sind, haben sich zwei Frauen gemeldet, die der Liebe wegen in Unna gelandet sind.

»Wohl gefühlt habe ich mich hier immer, das vielfältige Kulturangebot, die vielfältigen Geschäfte, die Möglichkeit, alles mit dem Rad oder zu Fuß zu erreichen – das ist ideal.«
Marita Eichhorn

Bei Marita Eichhorn war es ganz offensichtlich Liebe auf den ersten Blick, denn sie hielt stets den Kontakt zu Unna, selbst als sie zwischenzeitlich woanders wohnte. Mittlerweile ist sie wieder in Unna angekommen – und fühlt sich „pudelwohl“, wie sie an unsere Redaktion schreibt:

„Inspiriert von dem Artikel der Eheleute Hofmann, möchte ich Ihnen meine Unna (Liebes-)Geschichte vorstellen: Ich bin 1990 mit meiner damals 16 Monate alten Tochter von Bönen in die Parkstraße direkt gegenüber dem Kurpark gezogen. Unna kannte und mochte ich damals schon seit Jahren.

Ich habe zwei Jahre lang für die heute nicht mehr bestehende Döbeln-Gesellschaft gearbeitet und dadurch vielfache Kontakte zum Beispiel zum mittlerweile abgerissenen Gästehaus der Stadt Unna gehabt und auch die Campingaktion im Kurpark für die Camper der Partnerstädte mitbetreut. Wohl gefühlt habe ich mich hier immer, das vielfältige Kulturangebot, die vielfältigen Geschäfte, die Möglichkeit, alles mit dem Rad oder zu Fuß zu erreichen – das ist ideal.

Wie aus zwei Liebesgeschichten in Unna eine Liebe zu Unna wurde

2010 wurde der Kurpark zum Campingplatz für acht Familien aus der Partnerstadt Waalwijk. Lange Zeit betreute Marita Eichhorn die Camper. © Udo Hennes

Ich habe dann geheiratet und bin mit Mann und Kind in ein eigenes Haus in eine ländliche Gegend im Kreis Recklinghausen gezogen. Immer wieder hat es mich auf unerklärliche Weise nach Unna gezogen, in den Ferien haben meine Tochter und ich regelmäßig Unna zum Bummeln besucht.

Meinen 60. Geburtstag habe ich mit Freunden und Verwandten in der Lindenbrauerei gefeiert, an diese Location bin ich zufällig bei meiner Suche nach einem Feierort geraten. Ich bin immer wieder gefragt worden, warum ausgerechnet Unna, weder ich noch einer meiner Gäste wohnte damals hier. »Hat sich so ergeben« konnte ich nur schulterzuckend antworten.

Wie aus zwei Liebesgeschichten in Unna eine Liebe zu Unna wurde

In der Lindenbrauerei feierte Marita Eichhorn ihren 60. Geburtstag – obwohl sie zu dem Zeitpunkt gar nicht in Unna lebte. © Udo Hennes

Nachdem mein Mann gestorben war und ich eine neue Beziehung eingegangen bin, stellte sich die Frage, ob und wohin wir gemeinsam ziehen wollen. Irgendwann kam mir die Idee, nach Unna zurückzuziehen, und mein Partner war einverstanden. Da ich in Haltern am See arbeite, sollte es erst nach meinem Renteneintritt im Jahre 2021 sein. Zwischenzeitlich wollten wir nur den Wohnungsmarkt beobachten und siehe da, es ergab sich 2017 sofort ein Mietobjekt in der Platanenallee, das zu hundert Prozent unsere Wünsche erfüllte. Was tun? Diese einmalige Gelegenheit sausen lassen, weil die Zeit dafür nicht reif ist oder zugreifen? Immerhin bedeutet es für mich drei Stunden Pendelzeiten und für meinen Partner, einem „alten“ Dortmunder Jungen, nach 65 Jahren und früher als geplant, seine vertraute Stadt zu verlassen.

Wie aus zwei Liebesgeschichten in Unna eine Liebe zu Unna wurde

An Jonny Krause, der als Puppenspieler jedes Jahr auf dem Weihnachtsmarkt auftritt, konnte sich die Tochter von Marita Eichhorn sofort wieder erinnern – und jedes Wort des Kaspars nachsprechen. © Udo Hennes

»Wir fühlen uns pudelwohl in Unna, selbst der „Dortmunder Junge“ möchte nicht mehr weg von hier.«
Marita Eichhorn

Wir sind dieses Risiko eingegangen. Ich bin an vielen Stellen in mein altes Leben zurückgekehrt; so gibt es zum Beispiel noch immer den Kaspar auf dem Weihnachtsmarkt. Meiner in Berlin wohnenden Tochter habe ich ein Video geschickt: Sie konnte alles Wort für Wort nachsprechen. Mein Nachbar kam mir irgenwie bekannt vor; mittlerweile hat sich herausgestellt, dass er mein ehemaliger Vorgesetzter war.

Auf dem Wochenmarkt gibt es immer noch den Stand mit dem Vollkornbutterspritzgebäck und dem Ziegenkäse. Ich gehe sogar wieder zu meinem ehemaligen Zahnarzt in der Schäferstraße.

Wir fühlen uns pudelwohl in Unna, selbst der „Dortmunder Junge“ möchte nicht mehr weg von hier. Das durchaus kräftezehrende Pendeln wird mit dieser schönen Stadt und dem damit verbundenen Lebensgefühl kompensiert. Wir haben uns gerne an der Blumenaktion in der Stadt beteiligt.

Wie aus zwei Liebesgeschichten in Unna eine Liebe zu Unna wurde

Die farbenprächtig blühenden Blumenampeln in der Innenstadt gefallen Marita Eichhorn sehr gut – so sehr, dass sie auch „Blumenpatin“ geworden ist. © UDO HENNES

Ebenfalls kaufen wir überwiegend in Unna ein, damit der florierende und vielfältige Einzelhandel bestehen und die Stadt lebenswert bleibt. Mit Sorge schaue ich jedoch auf den Weggang diverser Geschäfte. Schön finde ich, dass es mit der Peek-und-Cloppenburg-Immobilie weitergeht.

Bereitschaft, sich im Alter ehrenamtlich für Unna einzusetzen

Selbst die Elektroladestation an der neu gebauten Turnhalle in der Platanenallee kommt unserer Planung der Anschaffung eines E-Autos entgegen, perfekt! Gerne werde ich mich, wenn ich im Ruhestand bin, ehrenamtlich in und für meine Stadt einsetzen.

Wie aus zwei Liebesgeschichten in Unna eine Liebe zu Unna wurde

Der Bahnhof Königsborn hat noch viel Potenzial, davon ist Marita Eichhorn überzeugt. © Udo Hennes

Verbesserungsmöglichkeiten gibt es jedoch auch, insbesondere für Radfahrer. Ich wünsche mir, dass die Anbindung an den Fernradweg in Königsborn zügig angegangen wird. Außerdem kann aus dem wunderschönem Königsborner Bahnhofsgebäude sicherlich mehr als eine Stehpizzeria und eine Dampferlounge gemacht werden.“

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Aus dem kleinen Sauerland-Dorf ins „große“ Unna

Auch Hildegard Hagemann-Caspari sieht viel Verbesserungspotenzial in Unna – und das nicht erst heute. Sie zog vor über 30 Jahren nach Unna – der Liebe wegen. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten fand sie „ein nettes Häuschen in Mühlhausen in einer Sackgasse mit unglaublich tollen Nachbarn – alles war perfekt! Bis auf Unna!“ Ihr Entsetzen galt vor allem der Massener Straße.

„Mit einer Kamera habe ich alles festgehalten und der Stadt einen Brief geschrieben und meine Bilder mitgeschickt, alles mit der Überschrift „Hilfe, wir versiffen“.

»Fahren Sie einfach mal durch die Dörfer im Sauerland: Die sind so sauber. Die Bürger sind anders erzogen worden.«
Hildegard Hagemann-Caspari

Zwei Tage später stand der damalige Bürgermeister Wilhelm Dördelmann mit anderen Stadtvertretern bei ihrem Lebensgefährten im Büro; nur zwei Wochen später waren alle Hausbesitzer eingeladen. „Eine unglaublich schnelle Reaktion der Politik“, freut sich Hildegard Hagemann-Caspari noch heute, „die Massener Straße hat sich damals sehr schnell positiv verändert.“

Das Bemühen um das eigene Stadtbild kannte Hildegard Hagemann-Caspari noch zu gut aus ihrer Heimat: Sie stammt aus dem kleinen Dorf Siedlinghausen, gut zehn Kilometer von Winterberg im Sauerland gelegen. „Jedes Jahr hat das ganze Dorf um die Gold-Medaille »Unser Dorf soll schöner werden« gekämpft. Fahren Sie einfach mal durch die Dörfer im Sauerland: Die sind so sauber. Die Bürger sind anders erzogen worden.“

Doch auch in Unnas Dörfern erlebte sie dieses Engagement für das Ortsbild: „Als mein Kind in Mühlhausen in die Grundschule ging, beklagte sich die Klassenlehrerin, dass die Klassenräume mal gestrichen werden müssen – dies war für die Eltern meiner Straße überhaupt kein Problem“, erinnert sich Hildegard Hagemann-Caspari. Die Liebe zu Unna – sie hält auch bei ihr noch immer an.

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