Auf die Frage, wieso man nach Unna gezogen ist, gibt es mehr als eine Antwort. Wir haben viele verschiedene Antworten bekommen - die alle zeigen: Unna ist ganz schön lebenswert.

Unna

, 25.08.2019, 13:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Renate Mättig wollte sichergehen: Mit einem Tuch wischte sie über Bänke und die Blätter der Büsche im Kurpark. Würde es dreckig werden, so wie in ihrer bisherigen Heimat Oberhausen? Das Tuch blieb weiß. Sie wischte nochmal über ein anderes Blatt. Wieder kein Dreck. Keine Frage: Die Luft in Unna war eindeutig sauberer als im Herzen des Ruhrpotts. Für Mättigs stand damit fest: Wir ziehen nach Unna.

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Das war 1968. Renate und Dieter Mättig wohnen noch immer in Unna. 85 und 90 Jahre sind die beiden mittlerweile alt und sagen: „Unna ist uns zur Heimat geworden.“ Und das liegt nicht nur an der sauberen Luft. Wobei die für die junge Mutter Renate Mättig damals das Wichtigste war. „In Oberhausen hatte ich zwar meinen ersten eigenen Garten, aber da waren die Kinder schwarz im Gesicht, wenn sie eine halbe Stunde draußen gewesen waren.“

Der Kurpark, der Wochenmarkt, die freundlichen Menschen: Wieso Unna zur Heimat wurde

Dieter und Renate Mättig sind vor über 50 Jahren nach Unna gezogen. Der Kurpark sei der Hauptgrund gewesen, wieso sie sich für Unna entschieden, sagen die beiden. © Anna Gemünd

Die dreckige Luft in der Ruhrgebietsstadt machte ihr sehr zu schaffen - kam sie doch von der Küste, genau wie ihr Mann. Von Wilhelmshaven waren die beiden 1960 ins Ruhrgebiet gezogen - aus beruflichen Gründen: „Von der sauberen Luft in Wilhelmshaven konnten wir ja nicht leben“, sagt Dieter Mättig schmunzelnd. Also ging der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann dorthin, wo es Arbeit gab - und die gab es im Ruhrgebiet.

„Unna wirkte auf mich sofort heimelig.“
Renate Mättig

Acht Jahre nach dem Umzug machte Dieter Mättig sich selbstständig - und damit bot sich die Chance, die dreckige Luft in Oberhausen hinter sich zu lassen. Unna kannte Dieter Mättig bereits von seinen Dienstfahrten - nun fuhr er mit seiner Frau hin, um zu schauen, wie es sich dort leben ließe. „Unna wirkte auf mich sofort heimelig“, erinnert sich Renate Mättig, dass sie sofort von der Stadt angetan war, „ich bin in einem Ort mit 20.000 Einwohner groß geworden, da lagen mir Großstädte sowieso nicht so. Und Unna hat diese schönen Fachwerkhäuser in der Innenstadt.“

Der Kurpark, der Wochenmarkt, die freundlichen Menschen: Wieso Unna zur Heimat wurde

Der Kurpark in den 1980er-Jahren: Die Blumenbeete begeisterten Mättigs besonders. © Renate Mättig

Dann kam der ultimative Test: Im Kurpark wollte sich Renate Mättig von der sauberen Luft Unnas überzeugen - daher der Blätter-Wisch-Test. Und den bestand Unna mit Bravour. „Da war überhaupt nichts dreckig.“ Überhaupt gefiel dem Ehepaar Mättig der Kurpark besonders: „Damals waren überall Blumenbeete angelegt, das sah wunderschön aus“, erinnert sich Dieter Mättig. Mättigs zogen nach Unna - und Renate Mättig hielt die Entwicklung ihrer neuen Heimat und insbesondere des Kurparks in den folgenden Jahren mit der Kamera fest.

Der Kurpark, der Wochenmarkt, die freundlichen Menschen: Wieso Unna zur Heimat wurde

Renate Mättig hielt alle Jahreszeiten im Kurpark mit ihrer Kamera fest. © Renate Mättig

Blühende Tulpen, herbstlich gefärbte Bäume und gepflegte Wiesen zeigen ihre Fotografien. „Es war herrlich, dort spazierenzugehen“, schwärmt Renate Mättig. Ihre Bilder sprechen von einer großen Zuneigung zu ihrem neuen Heimatort. Die entwickelte sich rasch; Mättigs fanden Anschluss an den Sparclub „Esel Kupfer Pfennig“ in ihrer damaligen Nachbarschaft - noch heute halten die Kontakte. „Wir haben uns in Unna sehr schnell wohlgefühlt und Freunde gefunden“, sagen beide.

Ein bisschen schade finden sie es, dass der Kurpark heute ganz anders aussieht, als sie ihn vor über 50 Jahren kennengelernt haben. „Auch, dass das Bistro nicht mehr da ist, ist ärgerlich. Das war eine schöne Anlaufstelle.“

Der Kurpark, der Wochenmarkt, die freundlichen Menschen: Wieso Unna zur Heimat wurde

Die Eissporthalle Unna um 1984: Diesen Blick hatten Mättigs von ihrer Wohnung im Bergenkamp. Heute sind die damals noch jungen Bäume längst viel zu hoch, als dass sich die Eishalle noch erkennen ließe. © Renate Mättig

Von ihrer Wohnung im Bergenkamp sind sie noch heute relativ schnell im Kurpark. „Wenn wir gut drauf sind, gehen wir auch heute noch dadurch, auch wenn sich vieles verändert hat“, sagt Dieter Mättig. Denn die Luft, die ist immer noch gut in Unna.

Nach Unna versetzt - und hier heimisch geworden: Rüdiger Happe

Anders als die Mättigs hat sich Rüdiger Happe nicht gezielt für Unna entschieden; vielmehr wurde die Entscheidung, nach Unna zu ziehen, für ihn getroffen. „Ich wurde im März 1975 als Soldat nach Unna versetzt“, erzählt Happe. Zuvor hatte er seine Kindheit im sauerländischen Marsberg verbracht und ab 1962 in Augustdorf zunächst als Zeit-, später als Berufssoldat gedient. Und dann plötzlich Unna. „Ich wurde nicht gefragt, ich musste einfach hin - und meine Frau und drei Kinder auch.“

„Unna ist seit 1975 der Mittelpunkt unserer Familie. Wir fühlen uns hier sehr wohl.“
Rüdiger Happe

Tatsächlich gefiel es den Happes in Unna aber so gut, dass die Familie hier blieb - auch nach der Pensionierung Rüdiger Happes vor elf Jahren. „Meine Kinder wohnen auch im Kreis Unna, man kann also sagen, dass Unna seit 1975 der Mittelpunkt unserer Familie ist“, lacht Happe, „wir fühlen uns hier sehr wohl.“ Besonders gut gefalle ihm, dass eine vergleichsweise kleine Stadt wie Unna zwei gute Krankenhäuser habe. „Und in der Innenstadt ist alles fußläufig erreichbar, das ist sehr angenehm.“ Für Rüdiger Happe steht fest: „Ich will hier bis zum letzten Tage bleiben.“

Horst Weckelmann: „Mit den Unnaern kommt man gut aus“

Ähnlich sieht das auch Horst Weckelmann. Der 85-Jährige sagt: „Ich würde wieder nach Unna ziehen.“ Dabei wohnt Weckelmann in Massen - wo man sich ja tendeziell lieber von Unna etwas abgrenzt, selbst wenn man offiziell dazugehört. Für Host Weckelmann war die Frage, wie sehr man Massener sein kann, ohne Unnaer zu sein, nie ein Thema. Viel entscheidender für ihn: „Die Unnaer, das sind noch so richtige Kameraden. Mit denen kam man sofort gut aus. Das waren freundliche, hilfsbereite Leute vom ersten Tag an.“

Der Kurpark, der Wochenmarkt, die freundlichen Menschen: Wieso Unna zur Heimat wurde

Horst Weckelmann hat es nie bereut, nach Unna gezogen zu sein. © Anna Gemünd

Über seine Arbeit bei der IG Bergbau kam Weckelmann früh in Kontakt mit den Unnaern; er arbeitete den Sozialplan für die Zeche Alter Hellweg aus und lernte dabei viele Unnaer kennen. Dazu zählte auch Massens letzter Bürgermeister, Otto Holzapfel. „Der gab mir den Tipp, dass im Kamp neue Reihenhäuser gebaut würden.“

Der Kurpark, der Wochenmarkt, die freundlichen Menschen: Wieso Unna zur Heimat wurde

Am Kamp in Massen baute Horst Weckelmann sein Haus - den Tipp zu dem Baugebiet bekam er von Massens damaligem Bürgermeister Otto Holzapfel. © Anna Gemünd

Also zog Horst Weckelmann nach Massen - und lebt bis heute dort. „Wir haben es nicht bereut, nach Unna gezogen zu sein“, sagt er heute. Allerdings gibt es da schon etwsa, das ihn heute stört: „Als der Fluglärm kam, haben wir gedacht: Ohje, war das richtig, hier hin zu ziehen?“ Die tief fliegenden Flugzeuge über Massen belasten das Leben dort - doch deswegen wegzuziehen, daran hat Horst Weckelmann nie gedacht. „Ich komme gebürtig aus Gelsenkirchen. Da könnte ich mir nicht vorstellen, heute zu leben. Meine Heimat ist Unna.“

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