Heimat-Diskussion in Unna: Mitgestalten als Forderung

dzInterkulturelle Wochen

Ob ein verbrannter Begriff oder ein Gefühl, das alle Menschen verbindet – das Wort Heimat bewegt die Gemüter. So auch bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Interkulturellen Wochen.

von Sebastian Pähler

Unna

, 26.09.2019, 17:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Heimat kann viel bedeuten. Das wurde bei einer Podiumsdiskussion klar, die im Rahmen der Interkulturellen Wochen im Säulenkeller des Lichtkunstzentrums veranstaltet wurde. „Altdeutsche und Neudeutsche (Unnaer) im Gespräch über alte und neue Heimat“ lautete der Titel der Veranstaltung, zu der auch NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach eingeladen war.

Heimat-Diskussion in Unna: Mitgestalten als Forderung

„Heimat gestaltet man von unten, das machen Menschen“, stellte die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, Ina Scharrenbach, bei der Podiumsdiskussion im Säulenkeller fest. © Sebastian Pähler

Ein umstrittener Begriff

„Oft ist es so, dass sich große politische Meinungsverschiedenheiten an Begriffen entzünden“, erläuterte Moderator Stefan Keim bei seiner Begrüßung der Teilnehmer im Säulenkeller. „So ein Begriff ist Heimat“, stellte er fest und bat die Gäste um eine Definition.

„Heimat ist da, wo man sich Wohlfühlt“, stellte Bürgermeister Werner Kolter (SPD) fest, der quasi als „Altdeutscher“ eingeladen war, obwohl er mit der Bezeichnung selbst nicht sehr viel anfangen kann. Schließlich sei es immer das Ziel der Stadtverwaltung gewesen, eine offene Gesellschaft zu leben, ganz gleich, in welcher Generation jemand hier lebe.

Sehr viel anders sah es NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach nicht. „Heimat gestaltet man von unten, das machen Menschen“, erläuterte die in Unna geborene CDU-Politikerin. Darum sei es ihr seit Schaffung des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen 2017 darum gegangen, die Menschen mitzunehmen. Denn Heimat sei etwas, das die Menschen verbindet.

Wo das funktioniert und wo nicht, erläuterten Teilnehmer wie Ksenija Sakelšek, Vorsitzende des Integrationsrats, oder Alexandra Khariakowa, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde. „Heimat ist da, wo ich eine Synagoge gebaut habe“, sagte Khariakowa. Für Erdal Koc von der Türkisch-Islamischen Gemeinde sei das Thema problematisch, berichtete er. Hier sei seine Heimat. Schließlich sei er hier geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen. Und doch werde ihm eine deutsche Staatsbürgerschaft verwehrt.

Heimat-Diskussion in Unna: Mitgestalten als Forderung

Sehr angeregt verlief die Podiumsdiskussion zum Thema Heimat. © Sebastian Pähler

Ein bewegtes Publikum

Die knapp 50 Zuschauer zeigten sich teils sehr emotional. „An dem Begriff Heimat klebt Blut“, stellte ein Zuschauer mit Verweis auf das Kaiserreich und die NS-Diktatur fest. Ein anderer lenkte ein und bemerkte, dass der Begriff kein statischer sei und immer wieder neu definiert werden müsse. Dazu hat die Unterhaltung ohne Zweifel beigetragen. „Der Begriff Heimat wird sich ständig verändern“, bemerkte abschließend Heimatführer Wolfgang Patzkowsky. Einig war man sich schließlich darüber, dass Heimat nichts Passives ist, sondern mitgestaltet werden kann und muss.

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