Im Heilig-Geist-Hospiz legt Unna die Berührungsängste vor dem Tabuthema Sterben ab

dzTag der offenen Tür

Die große Bedeutung des Ehrenamts stand bei einer Veranstaltung des Heilig-Geist-Hospiz und des ambulanten paritätischen Hospizdienstes unter dem Titel „Buntes Ehrenamt Hospiz“ im Mittelpunkt.

von Sebastian Pähler

Unna

, 13.10.2019, 11:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anlass für die Einladung in das Hospiz und zum Hospizdienst war der „Welthospiztag“ am 12. Oktober. Unter der Überschrift „Buntes Ehrenamt Hospiz“ informierten Heilig-Geist-Hospiz und ambulanter Hospizdienst diesmal vor allem über das, was Ehrenamtliche in der Hospizarbeit leisten.

Viele Fragen zur Hospizarbeit

Das einstige Tabuthema Sterben verursacht zumindest in Unna immer weniger Berührungsängste. Das konnte man an dem großen Interesse ablesen, mit dem viele Bürgerinnen und Bürger dem Heilig-Geist-Hospiz an der Klosterstraße und dem Büro des ambulanten paritätischen Hospizdienstes an der Gerhardt-Hauptmann-Straße einen Besuch abstatteten.

„Die Menschen kommen mit vielen Fragen: Wie lang ist der Aufenthalt? Was für Anträge muss man stellen?“, berichtete Ina Schulz. „Jeder Arzt kann einen Antrag auf Hospiznotwendigkeit stellen“, erläuterte die stellvertretende Hospizleiterin. Wie lang der Aufenthalt ist, ist natürlich sehr individuell. Im Schnitt sind es aber rund 29 Tage. Insgesamt waren mittlerweile 190 Menschen Gäste im Unnaer Hospiz. Dass dieser Zahl 360 Anfragen gegenüber stehen, macht deutlich, wie groß der Bedarf ist, so Schulz.

Buntes Ehrenamt Hospiz

„Ohne Ehrenamt ist Hospizarbeit nicht möglich“, stellte Mareike Sorgatz fest. Die Sozialarbeiterin des Heilig-Geist-Hospizes sieht eine große Bedeutung in der Unterstützung durch Ehrenamtliche. Nicht nur können die freiwilligen Helfer den Hauptamtlichen unter die Arme greifen, sie erfüllen auch viele kleine Aufgaben, wie Vorlesen oder Besorgungen machen. Außerdem „ist es wichtig, dass unsere Gäste auch jemanden haben, mit dem sie reden können, der nicht von der Pflege ist“, schilderte Sorgatz.

Im Heilig-Geist-Hospiz legt Unna die Berührungsängste vor dem Tabuthema Sterben ab

Auch an der Geschäftsstelle des Ambulanten Hospizdienstes in Unna fanden Interessierte am Samstag Ansprechpartner: Die Mitarbeiterinnen Rosi Schlenkhoff, Ursula Gottbehüt und Uta Marx stellten ihre Arbeit vor. © Marcel Drawe

Wichtig für die Arbeit mit Hospiz-Patienten sind eine gute Vorbereitung und eine gute Vernetzung. „Hospizarbeit ist Gemeinschaftsarbeit“, erläuterte etwa Klaus Koppenberg. Für den Leiter des Ambulanten Hospizdienstes ist es wichtig, dass die Bereiche Medizin, Pflege und Soziales gemeinsam ein Netz bilden, das nicht nur die Betroffenen, sondern auch Angehörige und Ehrenamtliche tragen kann.

Die Menschen, die sich für die ehrenamtliche Arbeit beim Hospizdienst interessieren, sind häufig selbst einmal mit dem Thema in Berührung gekommen und haben gemerkt, dass es doch immer noch eine Grenze gibt, unter Freunden oder in der Familie darüber zu reden. Eine Voraussetzung ist das aber freilich nicht. Es sei gerade schön und wichtig, dass die Helfer sehr unterschiedliche Lebensgeschichten mitbringen. „Wir brauchen die Menschen als Menschen“, sagte Koppenberg.

Wichtig sei nur, dass man eine gewisse Freiheit mitbringt, um sich der Arbeit zu widmen, denn trotz aller Unterstützung kann die Beschäftigung mit Menschen in ihrer letzten Lebensphase an die Nieren gehen und erfordert viel Aufmerksamkeit.

Der Kurs ist schon das Ehrenamt

Wichtig ist neben der Bereitschaft, sich auf etwas Neues einzulassen, für Ehrenamtliche in der Hospizarbeit vor allem eine gute Vorbereitung. Zwischen Februar und November führt daher ein neuer Kurs Interessenten an das Thema heran. Themen wie Demenz, Pflege und der Umgang mit Krisen werden dabei vermittelt. Das klingt nach einem langen Zeitraum, aber der Kurs ist bereits Einstieg in das Ehrenamt und hilft herauszufinden, ob Hospizarbeit etwas für einen ist, erläutert Koppenberg.

Im Vorfeld findet für Interessenten am 21. November im Haus der Kirche an der Mozartstraße ab 19 Uhr ein Infoabend statt.

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