Alltag im Hospiz: Im Abschiedsbuch werden Erinnerungen festgehalten

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Seit etwas über zwei Jahren gibt das Heilig-Geist-Hospiz an der Klosterstraße Sterbenden ein Zuhause. Mit einem besonderen Abschiedsbuch bleibt die Erinnerung an jeden einzelnen Gast erhalten.

Unna

, 04.02.2020, 15:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind Zeilen, die jeder kennt: „Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als leuchteten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne.“ 77 Jahre ist es her, dass Antoine de Saint-Exupéry diese berühmten Zeilen schrieb. In schöner Handschrift stehen sie auch auf einer Seite des Abschiedsbuches im Heilig-Geist-Hospiz.

Eine Angehörige eines Hospiz-Gastes hat diese zeitlosen Worte gewählt, um hier, an dem Ort, an dem ein geliebter Mensch starb, etwas Bleibendes zu hinterlassen. Es sind Worte, die im Hospiz eine ganz besondere Bedeutung haben.

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„Es gibt den Angehörigen und uns als Mitarbeitern eine schöne Gelegenheit, sich an unsere Gäste zu erinnern.“
Marion Eichhorn, Leiterin des Heilig-Geist-Hospizes

Für Marion Eichhorn ist das schlichte Buch, das auf einem Holzständer im Eingangsbereich des Hospizes steht, eine Herzensangelegenheit. „Es gibt den Angehörigen und uns als Mitarbeitern eine schöne Gelegenheit, sich an unsere Gäste zu erinnern.“

Für jeden Gast, also jenen Menschen, die im Hospiz ihre letzten Tage und Wochen verbringen, legen die Hospiz-Mitarbeiter zwei Seiten in dem Buch an. Ist der Gast verstorben, können die Angehörigen dort ihre Gedanken aufschreiben, vielleicht ein Zitat oder einen Bibelspruch oder einfach auch nur ein „Danke“ – wonach ihnen gerade ist.

Auch mit Bildern und Fotos lassen sich die zwei Seiten gestalten

„Das alles ist kein Muss. Wir sagen den Angehörigen, dass es dieses Buch gibt und dass sie herzlich eingeladen sind, dort etwas hineinzuschreiben, aber das muss niemand“, betont Eichhorn. Seit das Hospiz im Dezember 2017 seine Arbeit aufgenommen hat, gibt es das Buch, doch erst seit Januar wird es im Hospiz-Alltag richtig präsent.

Das liegt auch daran, dass der Freund einer Pflegeschülerin, die im Hospiz arbeitete, einen Holzständer für das Buch gefertigt hat. Auf diese Weise liegt das Buch nun unübersehbar im Eingangsbereich unter der Erinnerungswand und direkt neben der Erinnerungskerze.

„Wir befinden uns hier ständig auf einem schmalen Grat zwischen Nähe und Distanz. Da ist das Abschiedsbuch eine schöne Form des Erinnerns.“
Marion Eichhorn

„Diese Erinnerungen sind für uns als Personal auch ganz wichtig. Wir befinden uns hier ständig auf einem schmalen Grat zwischen Nähe und Distanz. Da ist das Abschiedsbuch eine schöne Form des Erinnerns“, erklärt Marion Eichhorn. Binnen weniger Wochen bauen die Mitarbeiter des Hospiz eine sehr enge Bindung zu Menschen auf, die bald sterben werden – eine emotional belastende Situation.

Das Abschiedsbuch kann da helfen, sich bewusst an Gäste zu erinnern. „Ich habe das früher oft im Nachtdienst gemacht, dass ich mir Abschiedsbücher aus dem Regal genommen und mich an die Menschen erinnert habe“, sagt Eichhorn.

Über 200 Gäste haben im Heilig-Geist-Hospiz bereits gewohnt – sie alle bleiben in Erinnerung, auch dank eines kleinen Buches.

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