Simone Lategahn zeigt den neuen Verkaufsautomaten am Milchhof. Er gibt unter anderem Milchprodukte und Hausmannskost im Glas ab. © Raulf
Milchhof

Hausmannskost und frisch gezapfte Milch auch mitten in der Nacht

Die landwirtschaftliche Direktvermarktung in Mühlhausen geht einen weiteren Schritt: Jetzt gibt es Frischmilch, Eintopf und Pudding zu jeder Tages- und Nachtzeit. Die neue Technik hat Sinn - auch wegen Corona.

Verlegung der Bushaltestelle? Ein Kaninchenstall oder ein Glühweinstand? Ein kleiner Anbau am Milchhof hat in Mühlhausen zunächst Spekulationen ausgelöst. Inzwischen ist bekannt, was dahinter- beziehungsweise darin steckt.

Die Familie Lategahn hat in neue Verkaufstechnik investiert. An der Straße neben dem Markt summen seit November zwei Selbstbedienungsautomaten. Den einen kennt man vom Prinzip her von Bahnhöfen oder aus Schwimmbädern: Der Kunde wirft Geld ein, drückt die entsprechenden Tasten, und der Automat befördert die gewünschte Ware behutsam ins Ausgabefach. Das Besondere: Was die Maschine verkauft, ist eine Auswahl der Mühlhausener Lebensmittel, die viele schätzen. Die Bandbreite reicht von Joghurt und anderen Milchprodukten über Eier bis hin zu verschiedenen Eintöpfen aus der Lategahn-Küche.

Bezahlung mit Karte oder Smartphone möglich

All das ist verfügbar an sieben Tagen die Woche, rund um die Uhr. Wer etwa nachts Heißhunger auf Currywurst hat, könnte sich bedienen. Im Sommer soll es auch ausreichend Grillfleisch im Automaten geben. Die Bezahlung ist auch mit Karte oder mit dem Smartphone möglich.

Im Zuge der Corona-Krise sei die Nachfrage im Hofmarkt sehr hoch geworden, berichtet Simone Lategahn. Was freilich gut für den Umsatz ist, führt aber mitunter auch dazu, dass zu bestimmten Zeiten viele Menschen vor Ort sind. Das neue Automatik-Angebot draußen soll das Geschehen ein wenig entzerren.

Gunther Lategahn „melkt“ den Automaten: Auf Knopfdruck können Kunden so viel Frischmilch selbst in Gefäße zapfen, wie sie brauchen.
Gunther Lategahn „melkt“ den Automaten: Auf Knopfdruck können Kunden so viel Frischmilch selbst in Gefäße zapfen, wie sie brauchen. © Raulf © Raulf

Der Clou ist die Milchtanke: Automat Nummer 2. Kunden können daran selbst Frischmilch in Gefäße zapfen. Nach dem Geldeinwurf – hier geht nur „Bares“ – läuft auf Knopfdruck so viel pasteurisierte, gekühlte Milch aus der Zapfanlage, wie der Kunde bezahlt hat. Die Milchtanke funktioniert ab 10 Cent. Sie kann also mehrere Liter für die Großfamilie ebenso abgeben wie eine Miniportion für den Kaffee im Single-Haushalt.

Und so sieht die Milchtanke von innen aus: Der Apparat bedient sich aus vier 50-Liter-Kannen.
Und so sieht die Milchtanke von innen aus: Der Apparat bedient sich aus vier 50-Liter-Kannen. © Raulf © Raulf

Die „Milchtanke“ hat ein Fassungsvermögen von 200 Litern

Auch dieser Apparat entzerrt die Abläufe im Hofladen: Der Milchautomat, den bisher die Verkäuferinnen bedienten, wurde aus dem Thekenraum entfernt. Die neue Außen-Milchtanke hat ein Fassungsvermögen von 200 Litern: Der Automat bedient sich aus vier großen Milchkannen im Inneren.

Bei Frischmilch kommt es auf Hygiene an: Das System im Inneren wird nach jedem Zapfvorgang automatisch mit Wasser durchgespült. Täglich erfolgt zudem eine Grundreinigung. Gerade jüngere Kunden fänden schnell Gefallen an der neuen Technik, berichtet Simone Lategahn nach den ersten drei Wochen Automatenbetrieb. Und manch Älterer, dem das Personal die Bedienung vielleicht kurz erklären muss, sei dann stolz, es selbst zu schaffen.

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Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf

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