Staatsanwaltschaft und Polizei haben dem früheren Aluwerk-Chef Thomas Wiese einen Besuch abgestattet. Bei der Hausdurchsuchung konnten die Ermittler die drei vermissten Sportwagen sichern.

Unna

, 30.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Zum zweiten Mal seit seinem Ausscheiden aus dem Aluwerk hat der frühere Hauptaktionär und Vorstand Thomas Wiese unerwarteten und ungewöhnlichen Besuch an seinem privaten Anwesen erhalten. Anders als den Mitarbeitern seiner Leiharbeitsfirma, die im Dezember 2018 offene Lohnforderungen persönlich übermitteln wollten, musste Wiese nun aber die Tür öffnen: Davor standen zwei Hauptkommissare der Kreispolizeibehörde Unna und ein Staatsanwalt aus Dortmund.

Die Hausdurchsuchung diente dem Ermittlungsverfahren, in dem die Staatsanwaltschaft einen Anfangsverdacht der Veruntreuung und Unterschlagung prüft. Die Anklagebehörde hat mit diesem Verfahren die Vorwürfe aufgegriffen, die bei einer außerordentlichen Versammlung der Aluwerk-Aktionäre im Januar laut geworden waren.

Der Aufsichtsrat des Unternehmens hatte dem früheren Vorstand Unregelmäßigkeiten vorgeworfen. Unter anderem ging es dabei um Leasing-Verträge für drei Supersportwagen, die Wiese in seiner Zeit als Vorstand über das Werk abgeschlossen hat. Der Verbleib dieser Fahrzeuge galt zuletzt als unbekannt, obwohl Wieses Firma W.B. sie im Internet zum Verkauf anbietet.

Fahrzeugschlüssel und Papiere musste Thomas Wiese abgeben

Nach der Durchsuchung wissen die Ermittler, wo die Wagen stehen. Zudem haben sie Wiese Fahrzeugpapiere und Schlüssel abgenommen. Ein Veräußerungsverbot, das der Staatsanwalt bei seinem Besuch persönlich zugestellt hat, sei von Wiese direkt abgezeichnet worden.

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„Thomas Wiese hat sich sehr kooperativ gezeigt“, gibt Henner Kruse, Sprecher der Staatsanwaltschaft Dortmund, die Eindrücke seines Kollegen vor Ort wieder. Zu Fragen habe sich der Unternehmer offen geäußert, ohne den Beistand eines Anwalts zu verlangen. Schließlich führte er seine Besucher sogar zu den Autos.

Die drei Wagen – ein Mercedes-Benz SL 63 AMG Black Series, ein Gumpert Apollo und ein Mosler – standen nicht bei Wieses daheim, sondern in einer Halle an einer anderen Adresse. Wiese habe den Beamten das Tor aufgeschlossen und ihnen danach Schlüssel und Dokumente der Wagen ohne Diskussion ausgehändigt.

Wiese sieht sich im Recht

Wiese sieht sich nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft als rechtmäßiger Besitzer der Fahrzeuge. Aber auch das Aluwerk hat in mindestens zwei Schreiben bereits die Herausgabe der Wagen gefordert.

Das Vertragskonstrukt im Hintergrund ist komplex. Einst gehörten die Autos Wieses Firma W.B. Metallverarbeitung. Dann allerdings schloss die W.B. mit einem Leasing-Experten aus München einen Vertrag über ein „Lease and lease back“-Geschäft ab, was faktisch einer Verpfändung entspricht.

W.B. verkaufte die Autos an den Leasing-Partner, um gleichzeitig einen Leasing-Vertrag darüber abzuschließen. Die laufenden Raten für den Vertrag zahlte aber nicht die W.B., sondern das Aluwerk. Grund dafür: W.B. habe offenbar nicht die nötigen Sicherheiten vorweisen können, gibt die Staatsanwaltschaft Wieses Einlassungen wieder.

Leasing-Verträge liefen über das Aluwerk

Ursprünglich sah das Modell vor, dass das Aluwerk von Wieses Firma W.B. entsprechende Erstattungen bekommen sollte. Irgendwann blieben diese aber aus, was Wiese gegenüber den Ermittlern damit rechtfertigt, dass auch er noch offene Forderungen an sein früheres Unternehmen habe.

Viele der Probleme, die bei dem Besuch des Staatsanwaltes in Wieses „Vogelpark“ zur Sprache kamen, dürften eher dem Bereich des Zivilrechts zuzuordnen sein, erklärt Staatsanwalt Henner Kruse. Die Aktiengesellschaft und ihr früherer Hauptaktionär müssten sich in diesen Belangen entweder einig werden oder den Klageweg beschreiten, was durchaus bereits geschieht.

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Welche strafrechtliche Bedeutung das ungewöhnliche Finanzierungsmodell für die Fahrzeuge haben könnte, ist noch nicht geklärt. Wieses Einlassungen sind zu Protokoll genommen worden, und zudem werde es nun wohl auch noch einen Schriftwechsel dazu geben, so Kruse. Am Ende dieses Verfahrens werde die Wirtschaftskammer der Staatsanwaltschaft den Fall dann aus ihrer Sicht bewerten.

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