Nostalgie: Als man sonntags zum Kaffee ins Haus Kissenkamp ging

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15 Jahre ist der Abriss von „Haus Kissenkamp“ her, doch viele Unnaer erinnern sich noch gut an die Gastlichkeit von Peter Janert. Jetzt ist der Gastronom im Alter von 86 Jahren verstorben.

Königsborn

, 07.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind Zahlen, von denen heutige Gastronomen nur träumen können: Über 200 Jahre war das Haus Kissenkamp eine Gaststätte, 131 Jahre davon wurde sie von derselben Familie betrieben. Mit Peter Janert ist Anfang September der letzte Gastwirt dieser Familie, die Haus Kissenkamp geprägt hat, verstorben. Noch zu Lebzeiten hat er Unnas Stadtheimatpfleger Wolfgang Patzkowsky sein umfangreiches Bilderarchiv überlassen. Es sind Bilder aus Zeiten, in denen Sonntagsausflüge in den Kaffeegarten und gediegene Feste in rustikalen Sälen zum Alltag gehörten.

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Die Geschichte Peter Janerts ist untrennbar mit der Geschichte des Hauses Kissenkamp verbunden. Als Sohn eines Pommerschen Großbauern war seine berufliche Zukunft ursprünglich anders geplant. Nach Besuch der höheren Landwirtschaftsschule begann durch die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges für ihn ein anderes Leben. Er ging in die Gastronomie und begann eine Kochlehre im „Essener Hof“.

Nostalgie: Als man sonntags zum Kaffee ins Haus Kissenkamp ging

Peter Janert als Koch in seinem Element. © Archiv Patzkowsky

Nach bestandener Prüfung 1956 absolvierte er eine weitere Ausbildung als Konditor bei „Finnes“ in Dortmund. Auf dem Schlachthof in Castrop-Rauxel sammelte er die noch fehlenden Kenntnisse der Fleischbeurteilung, bevor seine Karriere Fahrt aufnahm: Über Baden-Baden und Stockholm, wo er seine Frau Luise kennenlernte, landete er schließlich in Unna, wo seine Tante Martha Reimann seit 1943 den Familienbetrieb auf Haus Kissenkamp führte.

Nostalgie: Als man sonntags zum Kaffee ins Haus Kissenkamp ging

Der Clubraum des Hauses Kissenkamp, wie ihn viele Unnaer in Erinnerung haben dürften. © Archiv Patzkowsky

Peter Janert übernahm als Geschäftsführer das Kissenkamp; 1966 wurde er auch Eigentümer des historischen Gebäudes. „Zusammen mit seiner Frau Luise hat er den Kissenkamp zu einem der angesehensten und vornehmsten Häuser der Region geführt“, sagt Wolfgang Patzkowsky.

Nostalgie: Als man sonntags zum Kaffee ins Haus Kissenkamp ging

Heute kaum mehr vorstellbar: Auch ein kleiner See gehörte zum Haus Kissenkamp und war ein beliebtes Ausflugsziel. © Archiv Patzkowsky

Das Erfolgsrezept der Janerts und ihrem Team: „Alte Tradition in neuem Gewande“. Die Bilder aus diese Zeit zeugen von einer gemütlichen Atmosphäre und reichhaltigem Essen - allein die Büffetplatten dürfte man heute kaum mehr irgendwo so finden.

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Der Kaffeegarten von Haus Kissenkamp um die Jahrhundertwende. © Archiv Patzkowsky

Wirklich losgelassen hat die Gastronomie Peter Janert nie: 1994 kehrte Janert ins Restaurant zurück, nachdem die Übergabe an einen Nachfolger vier Jahre zuvor gescheitert war. 1995 wurde Haus Kissenkamp dann endgültig verkauft, 2004 dann abgerissen, um Platz für den Bau eines Seniorenheimes zu machen. Geblieben sind Postkarten, Bilder und Erinnerungen an die Kaffeenachmittage und Festabende im Haus Kissenkamp - Königsborns wohl ältester Gastronomie.

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