Eine Hauptstadt im Kreis ist Unna auch für das Verbrechen

dzKriminalstatistik

In der Kriminalstatistik erscheint Unna als ein etwas heißeres Pflaster. Die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden, ist größer als in Nachbarstädten. Gut ist, dass die Lage schon einmal schlimmer war.

Unna

, 03.03.2020, 12:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Raubüberfälle, Gewaltakte und Nepp an Senioren war Unna im vergangenen Jahr ein kreisweites Zentrum. Und wer ein Auto besitzt, darf als Kreisstadtbewohner besonders dankbar für eine abschließbare Garage sein.

Zahlen zur Kriminalität, wie sie die Polizei nun für das vergangene Jahr vorgelegt hat, deuten auf Handlungsbedarf gerade in der Hauptstadt des Kreises Unna hin. Zwar hat sich im Jahresvergleich gegenüber 2018 auch in Unna die Lage deutlich verbessert. Aber im Vergleich zu Nachbarstädten und -gemeinden weist Unna erhöhte Risiken auf. Und das liegt nicht allein an der Größe.

Gut jede vierte Straftat im Kreis ereignet sich in Unna

Dass in einer Stadt mit über 58.000 Einwohnern mehr Kriminelle unterwegs sind als in einem kleineren Ort, sollte nicht überraschen – weshalb die Polizei die Einwohnerzahlen in ihrer Auswertung berücksichtigt. Ergebnis für Unna: Die Kreisstadt macht 19 Prozent der Bevölkerung im Zuständigkeitsbereich der Kreispolizeibehörde Unna aus, liefert aber 27 Prozent aller Straftaten.

Ein Erklärungsansatz der Polizei stützt sich auf Unnas „Zentralität“. Schulen, Sportstätten und Freizeiteinrichtungen ziehen viele Menschen aus dem Umland an. Einige Delikte bekommen durch diese Angebote ein Mehr an Gelegenheiten. Dass eine Schlägerei vor der Kneipe nur dort möglich ist, wo es noch Kneipen gibt, leuchtet ein. Und auch Ladendiebstähle dürften in einer Einkaufsstadt wie Unna wahrscheinlicher sein.

Autos und Senioren sind in Unna stärker gefährdet

Andere Häufungen bleiben aber auch mit diesem Ansatz unerklärt. So werden in Unna auch überdurchschnittlich viele Autos aufgebrochen oder gleich ganz gestohlen. Und auch Fälle, in denen Betrüger ältere Menschen um ihr Erspartes bringen konnten, häufen sich in der Kreisstadt.

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Hinsichtlich der Kriminalitätsentwicklung scheint Unna also hinter anderen Kommunen hinterherzuhängen. Doch auf dem richtigen Weg ist die Kreisstadt durchaus. Insgesamt nämlich sind die Fallzahlen 2019 auch in Unna deutlich zurückgegangen – über alle Delikte um rund 12,5 Prozent.

Im Durchschnitt jeden Tag zwölf Straftaten

4347 Straftaten sind im vergangenen Jahr in Unna geschehen und zur Anzeige gebracht worden. Im Jahr davor waren es 4893. Als die drei häufigsten Delikte finden sich in der Statistik Diebstahl (1600), Straßenkriminalität (1235) und die Vermögens- und Fälschungsdelikte (535) einschließlich Betrug, Unterschlagung, Veruntreuung und Erschleichen von Leistungen. Die Aufklärungsquote aller Delikte betrug im vergangenen Jahr 51,9 Prozent.

Besserung bei den „Massendelikten“

Die Zahl der Diebstähle ist um gut 17 Prozent gesunken, die Fallzahl der Straßenkriminalität um fast 14 Prozent. Ein fast 30-prozentiger Rückgang bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten steht im Einklang mit einem Sonderfall: 2018 waren die Zahlen extrem hoch, weil eine schließlich gefasste Post-Mitarbeiterin gleich serienmäßig Briefe entwendet hatte.

Raub und Gewalt nehmen zu

Einen Anstieg verzeichnet Unna bei der Gewaltkriminalität. 183 Delikte sind 2019 erfasst worden. Das sind elf mehr als im Vorjahr. Einen besonders schweren Fall häuslicher Gewalt stuften die Behörden sogar als versuchten Totschlag ein. Es war eine von drei „Straftaten gegen das Leben“ – neben einem illegalen Schwangerschaftsabbruch und dem Brand im Lebenszentrum, mit dem eine Frau nicht nur sich selbst, sondern ihr Kind getötet hatte.

Die Zahl der Körperverletzungen lag 2019 mit 443 Fällen um einen unter dem Vorjahreswert. 127 dieser Fälle wurden als gefährlich und/oder schwer eingestuft. 48 Raubüberfälle bedeuten eine Zunahme um acht Fälle.

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