Unnas Exportschlager: Hans-Heinz Stecker brachte deutsche Braukunst nach China

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Gutes Bier - davon hat Unna Ahnung, auch wenn die Lindenbrauerei als Braustätte im großen Stil längst ihre Türen geschlossen hat. Ihr letzter Brauer war so gut, dass er sogar den Chinesen das richtige Bierbrauen beibrachte.

Unna

, 16.12.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sein leichter Dialekt ist nicht zu überhören. Seine wachen Augen, seine ruhige, ausgeglichene Art zu sprechen, seine Anteilnahme am Weltgeschehen, aber auch an den regionalen Ereignissen, seine Lebensweisheiten, all das verkörpert Hans-Heinz Stecker und lassen nicht vermuten, dass er am 16. Dezember seinen 90. Geburtstag feiern darf.

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Am 16. Dezember 1929 bei Halle (Saale) geboren, „nur mit einer Aktentasche unterm Arm“ kam er 1949 in den Westen, studierte von 1956 bis 1958 Brauereiwesen an der Landwirtschaftlich-Technischen Hochschule Weihenstephan und kam 1959 als Braumeister zur Lindenbrauerei in Unna. Er stieg dort bis zum Betriebsleiter auf. 1961 gründete er mit anderen Brauern der Lindenbrauerei den „Brauerstammtisch“, der auch heute noch existiert.

Mit Übernahme der Brauerei durch den Oetker-Konzern und Beendigung der Brautätigkeit 1972 in Unna wechselte Stecker wie einige andere seiner Kollegen zur Dortmunder Actien Brauerei. Doch damit begann seine zweite Karriere - im fernen China.

Unnas Exportschlager: Hans-Heinz Stecker brachte deutsche Braukunst nach China

Hans-Heinz Stecker (6. von rechts) Anfang der 1960er vor der Lindenbrauerei. © Archiv Patzkowsky

Blickpunkt

China als Biernation

  • China ist mittlerweile mit 400 Millionen Hektolitern jährlich größter Bierhersteller der Welt, gefolgt von den USA, Brasilien und Mexiko. Deutschland liegt mit rund 93 Millionen Hektolitern auf Platz 5.
  • Aber die Volksrepublik China hat mit der „China Resouces Breweries Ltd.“ immerhin den Platz 3 der größten Brauereien mit einem weltweiten Marktanteil von 6,4 Prozent. Hans Heinz Stecker hat dazu in der Vergangenheit mit Sicherheit seinen Teil beigetragen.

Kurz vor seinem Ruhestand war Hans-Heinz Stecker noch der „Aussteiger“, wie er einmal sagte. In einer Fachzeitschrift las er 1987, dass China Brauereiexperten suchte. Er kontaktierte die chinesischen Botschaft und wurde durch den Senioren-Experten-Service (SES), einen ehrenamtlichen Dienst der deutschen Wirtschaft, auf die Reise geschickt.

Erste Station war Xi`an, die alte Kaiserstadt in der Mitte Chinas. Dort, wo die berühmte Terrakotta-Armee ausgegraben worden war, setzte Stecker seinen ersten Sud an. Bier nach deutscher Brauart war zwar begehrt, aber der Geschmack der Chinesen war ein anderer. Herbes Bier kam nicht gut an. Er braute also mit weniger Hopfen und statt Gerste kam Reis in den Sudkessel, auch aus Kostengründen.

Unnas Exportschlager: Hans-Heinz Stecker brachte deutsche Braukunst nach China

Diese Bierflaschen aus China stammen aus der Brauerei, die mit dem Namen und teilweise auch dem Konterfei des Unnaers Hans-Heinz Stecker wirbt. Sie stehen bei Wolfgang Patzkowsky im Buhre-Haus. © Anna Gemünd

Dieses Bier trug dann auch den Namen „Hans-Beer“, denn in seinem Vornamen steckt die Silbe „Han“ und die „Han-Chinesen“ bilden auch heute noch die größte Bevölkerungsgruppe in China. Und nicht nur das Bier trug Steckers Namen, die ganze Brauerei in Xi`an wurde nach ihm benannt. Doch damit nicht genug. Insgesamt 30 Brauereien hat Hans-Heinz Stecker in China kennengelernt und im Marketing, Vertrieb und Controlling beraten.

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Fast dreißig Mal ist Stecker, oftmals gemeinsam mit seiner Frau Ilsetraut, nach China gereist. Vom damaligen Ministerpräsidenten Li Pang bekam Stecker 1992 die Freundschaftsmedaille verliehen, sechs Jahre später das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik. Der Kontakt mit China bleibt für Stecker weiterhin bestehen, auch wenn er nicht mehr hinfliegt. Erst kürzlich wurde er in die Außenstelle der chinesischen Botschaft in Bad Godesberg zum Neujahrsempfang eingeladen.

In seiner Heimatstadt Unna war er manches Mal gern gesehener kompetenter Referent und trug kurzweilig und humorvoll seine Gedanken zum Bier vor. Hans-Heinz Stecker bleibt bescheiden, macht nicht viel Aufhebens um seine Person. Aber er ist immer noch Ansprechpartner für viele Menschen, gibt sein Wissen an Jüngere weiter.

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Selbstverständlich studiert er nach wie vor Fachzeitschriften, hält sich auf dem Laufenden und gibt sein Wissen „Rund ums Bier“ weiter. Und wenn Unnas Stadtheimatpfleger Wolfgang Patzkowsky, auch als Vorsitzender des Unnaer Biervereins, in seinen Briefkasten schaut und wieder einmal Druckwerke aus der Welt der Brauereien und Biere vorfindet, weiß er: Hans-Heinz Stecker war wieder da.

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