Wo ist es passiert? Bei einem Notruf zählt das zu den wichtigsten Informationen für die Retter. In abgeschiedenen Gebieten kann nun das Handy helfen, Einsatzkräften den Weg zu weisen.

Unna

, 02.09.2019, 14:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wem was wo zugestoßen ist, all das muss ein Disponent am Leitstellentelefon in Erfahrung bringen, um Rettungsaktionen starten zu können. Oft können Anrufer auf der Notrufleitung 112 schnell Antworten geben.

Manchmal aber ist es die Frage nach dem Ort, die selbst nervenstarke Ersthelfer überfordert – nämlich in den Fällen, in denen sie selbst nicht ganz genau wissen, wo sie sich befinden.

Derlei „abgeschiedene“ Orte finden sich auch im dicht besiedelten Kreis Unna. In der Kreisstadt gelten etwa der Kurpark und der Alleen-Radweg von Königsborn nach Welver als potenzielle Problemfälle: „Im Kurpark“ ist eine reichtlich unpräzise Ortsangabe, wenn ein Anrufer von dort aus einen Notfall meldet. Zudem liegen zwischen Travados und Monopteros weite Flächen, die keine markanten Orientierungspunkte bieten.

Die Ortung von Einsatzpunkten in solchen Bereichen beschäftigt Unna und die Leitstelle des Kreises schon seit einigen Jahren. 2012 regte die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) die Aufstellung von Positionsschildern an, deren Standorte in der Datenbank der Leitstelle verankert werden sollten. Zehn solcher Schilder wurden danach aufgestellt, um auch dort eine Ortsangabe zu ermöglichen, wo sonst keine greifbare Landmarke zu finden ist.

Bei Notrufen führt auch das Smartphone die Retter zu den Einsatzorten im Kreis Unna

Schilder wie dieses im Kurpark sollen bei Notrufen dazu beitragen, dass der Melder auch in abgelegenen Gebieten eine Position mitteilen kann. Zehn solcher Schilder gibt es im Unnaer Stadtgebiet. © Archiv

Das System funktioniert. Zwar selten, aber dann entsprechend präzise gehen in der Leitstelle auch Notrufe ein, bei denen eines der numerierten Schilder als Ortsangabe dienen lann. Ein Antrag der SPD-Ratsfraktion, die Beschilderung weiter auszubauen, findet im Rathaus der Stadt aber keine Unterstützung: Möglicherweise sei das Schildersystem bereits überholt. Denn der Kreis habe in seiner Leitstelle inzwischen die Möglichkeit, direkt das Mobiltelefon eines Anrufers zu orten.

Die Handy-Ortung funktioniert, hat aber auch Tücken

Das System ist bereits seit einigen Monaten im Einsatz und funktioniere technisch einwandfrei, erklärt dort Oliver Kortmann, der stellvertretende Leiter der Leitstelle. Und richtig angwandt könne es die Hinführung der Rettungskräfte zum Einsatzort deutlich unterstützen. Dennoch warnt er davor, die Handy-Ortung als alleiniges Instrument anzusehen: „Es ist eher eine Ergänzung“, sagt er. Denn auch sie erfordert einige Grundlagen: Der Melder braucht ein Smartphone mit GPS-Sensor und ein ausreichend stabiles Datennetz, zudem auch die Souveränität, seinen Apparat auch in der Stresssituation eines Notfalles richtig zu bedienen.

Wer im Kreis Unna von seinem Smartphone aus die 112 anruft, landet bei einem der Disponenten in der Leitstelle an der Florianstraße. Die Frage nach dem Ort des Geschehens zählt dabei zu den wichtigen Informationen.

In über 95 Prozent der Fälle wissen die Anrufer auch ohne Hilfestellung, wo sie sich befinden. Viele Unfälle und gesundheitliche Zusammenbrüche ereignen sich zu Hause oder am Arbeitsplatz. Im öffentlichen Raum bieten Gebäude und Straßenschilder Orientierungshilfe, oder es hilft ein ortskundiger Passant. Ist all dies nicht gegeben, bietet die Ortung des Mobiltelefons eine Lösung.

Bei Notrufen führt auch das Smartphone die Retter zu den Einsatzorten im Kreis Unna

In einem Testlauf ortet das System unseren Redakteur Thomas Raulf korrekt am Arbeitsplatz im Pressehaus am Ostring. Das per Foto-Handy übermittelte Selbstporträt macht klar: Es geht ihm gut! © Kreis Unna

Zurzeit ist sie noch ein relativ komplexer Vorgang. Der Disponent bekommt die Nummer des Anrufers angezeigt und schickt ihm eine SMS-Nachricht mit einem Internet-Link. Der Anrufer muss die Nachricht öffnen, auf den Link drücken, dann gegebenenfalls noch den Satelliten-Sensor seines Gerätes aktivieren und die Datenleitung anschalten. Dann sendet das Telefon die Koordinaten in die Leitstelle, wo die Position des Anrufers auf einer Karte oder einem Luftbild angezeigt werden. Wenn es sinnvoll ist, kann der Anrufer auch Fotos übermitteln, um den Disponenten dabei zu helfen, ein Lagebild zu gewinnen.

Bei Notrufen führt auch das Smartphone die Retter zu den Einsatzorten im Kreis Unna

Über diese Schnittstelle im Web-Browser überträgt das Mobiltelefon des Anrufers seinen Standort. © Sebastian Smulka

Möglicherweise ist dieses Prinzip eine Übergangstechnik. Die meisten neuen Handys sind schon dafür vorbereitet, bei Notrufen automatisch Positionsdaten abzuschicken. Aber es fehlt in Deutschland noch an einer einheitlichen Regelung dafür, wie diese dann in den Leitstellen landen. Die in Unna ist technisch schon ziemlich weit vorn. Andere behelfen sich damit, dass sie Anrufern eine WhatsApp-Nachricht schicken und um Zusendung der Position aus Google-Maps bitten.

Das Schildersystem ist zuverlässig, aber nicht flächendeckend

Gemessen daran wirkt das Schildersystem simpel und zuverlässig. Grenzen hat es aber auch: „Flächendeckend ist eine Beschilderung nicht, und es soll ja auch nicht alle hundert Meter ein Schild stehen“, so Kortmann. Wer zum Beispiel auf dem Alleenradweg einen gestürzten Radler findet, müsste ihn vielleicht erst einmal wieder verlassen, um bis zum nächsten Schild zurückzufahren. Eine Berechtigung habe das Schildersystem aber ebenfalls. Denn am Ende kommt es darauf an, dass Rettungskräfte auf kürzestem Weg dorthin geführt werden, wo ihre Hilfe nötig ist.

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