Handwerker finden Flaschenpost früherer Kollegen in der Mauer des Kirchturms

dzBaustelle Stadtkirche

Maurer haben ihre eigene Art, Zeitkapseln in historischen Gebäuden zu hinterlassen. Die Steinmetze an der Stadtkirche haben schon wieder Kurioses zutage gefördert: Prost...

Unna

, 16.05.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon wieder hat es auf der Stadtkirchen-Baustelle einen spannenden Zufallsfund gegeben. In einem Hohlraum in Höhe der Turmuhr haben die Handwerker eine Nachricht früherer Kollegen gefunden: eine nette Flaschenpost.

In der leeren Flasche mit Bügelverschluss in einem Mauerloch war das Papier gut aufgehoben.

In der leeren Flasche mit Bügelverschluss in einem Mauerloch war das Papier gut aufgehoben. © Raulf

Ausbesserung von Kriegsschäden im Jahr 1954

Es ging um die Beseitigung von Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg, als diese ungewöhnliche Zeitkapsel in der Turmmauer hinterlassen wurde. Den eindeutigen Beweis haben die Handwerker aus jener Zeit selbst hinterlassen. „Im Jahre 1954, neun Jahre nach dem Kriege, haben wir die durch Artilleriebeschuss verursachten Schäden ausgebessert.“ So steht es auf einer Seite, die aus einem kleinen Notizbuch herausgerissen wurde. Die Unterzeichner sind Heinz Schwark (vermutlich), Bildhauer, und Erwin Schubert, Maurer.

Diese Bildmontage zeigt die Vorder- und Rückseite eines Blatts aus einem Notizbuch, das in der Flasche steckte.

Diese Bildmontage zeigt die Vorder- und Rückseite eines Blatts aus einem Notizbuch, das in der Flasche steckte. © Raulf

Notiz und Zeichnung

Auf der Rückseite hat einer der beiden sich oder seinen Kollegen gezeichnet, offenbar in einer typischen Pausenhaltung: Eine Hand ruht lässig in der Tasche, während die andere ein Glas zum Mund führt. Was damals gern getrunken wurde auf der Stadtkirchen-Baustelle, kann nur gemutmaßt werden. Womöglich gibt die Auswahl der Zeitkapsel einen Hinweis: Der Zettel steckte zusammengerollt in einer leeren Bierflasche aus Grünglas. Laut Aufdruck auf dem Bügelverschluss wurde das Getränk abgefüllt bei „Johann Helfrich, Marburg/Lahn“.

Steinmetz Thomas Salinger liest den Brief früherer Handwerker-Kollegen aus dem Jahr 1954.

Steinmetz Thomas Salinger liest den Brief früherer Handwerker-Kollegen aus dem Jahr 1954.

Bisher nicht geklärt ist, ob die Flasche den gleichen Ursprung hat wie der Maurer und der Bildhauer von 1954. Kamen sie aus Hessen oder aus dem Raum Unna?

Das Briefchen hatten die beiden übrigens ganz interessant verpackt. Der Zettel war eingerollt in zwei Seiten aus einem gedruckten Büchlein oder Heft.

Zeitzeugen gesucht

Wer weiß mehr über die „Flaschenpost“?

  • Wer waren die Handwerker, die sich 1954 im Turm der Stadtkirche verewigt haben? Woher könnten die bedruckten Seiten stammen, die mit in der Flasche steckten?
  • Wir freuen uns über Ihre Hinweise an die Redaktion: raulf@hellwegeranzeiger.de, Tel. (02303) 202-138

Auch dessen Hintergrund ist bisher nicht geklärt. Es handelt sich offenbar um einen Bericht eines christlichen Missionars, der auf Sumatra tätig war und seine Heimatgemeinde informierte, mit einem Foto vom Volk der Batak und der Zeichnung eines „gefürchteten Tigers“.

In diese Seiten aus einem Heft oder Büchlein war die handgeschriebene Notiz eingerollt. Beide Dokumente sind nach 66 Jahren in der Flasche noch perfekt erhalten.

In diese Seiten aus einem Heft oder Büchlein war die handgeschriebene Notiz eingerollt. Beide Dokumente sind nach 66 Jahren in der Flasche noch perfekt erhalten. © Raulf

Für die Steinmetze, die seit November am Turm der Stadtkirche arbeiten, ist es nicht ungewöhnlich, dass sie Hinterlassenschaften früherer Kollegen finden. Aber dabei handele es sich eher um Steinmetzzeichen, die früher üblicherweise in Steinklötze geritzt worden seien. Eine Flaschenpost hingegen - „das hatten wir noch nicht“, erklärte Steinmetz Heinz Herger schmunzelnd. Er hat die Flasche entdeckt, als er lose Steinbrocken aus der Ostwand entfernen wollte.

Erst kürzlich war ein Stück einer Zeitung gefunden worden, die bei Arbeiten 1927 in der Mauer hinterlassen worden war.

Ein Blick in die Wand an der Fundstelle zeigt, was 1954 gemacht wurde: Mit Mörtel und Steinbrocken besserten die Handweker Schäden aus, die Artilleriebeschuss während des Zweiten Weltkriegs in der Ostwand des Kirchturms verursacht hatte.

Ein Blick in die Wand an der Fundstelle zeigt, was 1954 gemacht wurde: Mit Mörtel und Steinbrocken besserten die Handweker Schäden aus, die Artilleriebeschuss während des Zweiten Weltkriegs in der Ostwand des Kirchturms verursacht hatte. © Raulf

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