Der Fahrer dieses Lieferwagens hatte vergessen, die Feststellbremse zu betätigen. Unkontrolliert rollte es die Straße hinab. © Schmidt
Unfall in Unna-Massen

Handbremse vergessen: Amazon-Transporter rollt rückwärts Straße hinunter

Ob man in diesem Fall von Reporterglück sprechen kann, sei dahingestellt. Glücklich ausgegangen ist der Fall eines unkontrolliert rollenden Lieferwagens in Unna-Massen am Freitagnachmittag in jedem Fall.

Als Reporterglück bezeichnet man im Journalistenjargon einen Zufall, der dem Redakteur ohne viel zutun eine Geschichte frei Haus liefert, dafür sorgt, dass ihm ein Thema vor die Füße fällt oder die Nachricht ihn findet. Oder besser gesagt – wie in diesem Fall – glücklicherweise knapp verfehlt.

Es ist Freitagnachmittag und eigentlich bin ich auf dem Weg, Fotoaufnahmen für eine Geschichte über Lkw-Fahrer zu machen, die sich auf der Autobahn an die Vorschriften für den Sicherheitsabstand zum Vordermann halten – oder eben auch nicht. Da es freitagnachmittags in Unna verkehrsmäßig recht zäh ist, entscheide ich mich für einen Schleichweg durch Massen, über die Virchowstraße genauer gesagt.

Transporter fährt rückwärts, aber etwas stimmt nicht

Kurz vor der Einfahrt zum Kleingartenverein an der Ecke Otto-Holzapfel-Straße setzt ein weißer Amazon-Kleintransporter zurück. Zunächst macht es jedenfalls den Anschein. Ich halte in einiger Entfernung, um genug Platz zu lassen, doch irgendetwas stimmt nicht. Das Rückfahrlicht leuchtet nicht und der Lieferwagen wird immer schneller, kommt direkt auf mich zu. Sieht mich der Fahrer nicht?

Ich hupe. Keine Bremslichter. Blitzschnell gebe ich Gas und kann gerade noch nach rechts ausweichen. Mit ordentlichem Tempo rauscht der weiße Lieferwagen an mir vorbei, ehe er mit reichlich Getöse in das Gebüsch links neben der Straße eintaucht. Mit einem lauten „Klöng“ knickt ein Parkverbotsschild um und die Irrfahrt endet endgültig.

Hastig stelle ich mein Fahrzeug ab und laufe zu dem verunfallten Wagen. Vielleicht braucht der Fahrer Hilfe, vielleicht ist er am Steuer zusammengebrochen. Ich spähe in die Fahrgastzelle: leer. Ich schaue mich um, weit und breit kein Mensch in Sicht. Ich rufe: „Wem gehört der weiße Lieferwagen?!“ Keine Antwort. Ich alarmiere die Polizei. Jetzt heißt es warten und erst einmal durchatmen.

Fast noch das günstigste Szenario

Das hätte schlimmer ausgehen können, ist einer der ersten Gedanken, die mir durch den Kopf schießen. Während ich noch darüber nachdenke, dass die Virchowstraße ein ganzes Stück weiter bergab geht, was den zwei Tonnen unkontrolliert rollenden Stahls noch erheblich größere Zerstörungskraft verliehen hätte, kommt aus Richtung der Kleingartenanlage ein junger Mann gejoggt. Je näher er kommt, desto deutlicher ist der panische Ausdruck auf seinem Gesicht zu erkennen. Es ist der Fahrer des Lieferwagens.

Handbremse wohl nicht angezogen, stellt sich rasch als Unfallursache heraus. Während wir gemeinsam auf den Streifenwagen warten, begutachten wir auch den Schaden am Fahrzeug. Die linke Seite ist stark verkratzt, der Stoßfänger ist gerissen und die hintere Tür eingedrückt. Ärgerlich allemal, aber als dann auch die Beamten vor Ort eintreffen und sich den Hergang angehört haben, sind wir uns alle einig, dass der Vorfall auf diese Art noch am glimpflichsten abgelaufen ist.

Über den Autor
1982 in Dortmund geboren. Abi in Holzwickede, Journalistik-Studium wieder in Dortmund. Seit 2013 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Freut sich über die spannende Herausforderung, den Wandel eines Traditionsverlags hin zu einem modernen, familiengeführten Multimedia-Unternehmen zu begleiten.
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Christoph Schmidt

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