Grünfläche oder Parkplätze: Streit um 300 Quadratmeter Billmerich

dzPolitik

Viele reagieren sensibel auf den Verlust von Grünflächen in ihrem Umfeld. Parkplätze brauchen die Menschen aber auch. In Billmerich stoßen die beiden Interessen jetzt aufeinander.

Billmerich

, 11.05.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Billmerich beginnt eine Auseinandersetzung um einen aufgegebenen Spielplatz. Die Politik wird vermitteln müssen zwischen zwei Interessen: Grünfläche oder Parkfläche? Ob sich beides auf diesem schmalen Streifen Land verbinden lässt, ist fraglich.

Diskussion um ehemaligen Spielplatz

„Zu den Brüchen“ heißt die Straße, in deren Mitte ein spitz zulaufender Grünstreifen liegt. Er ist etwa 60 Meter lang und misst an seiner breitesten Stelle rund zwölf Meter. Die Fläche ist ein ehemaliger Spielplatz, für dessen Umgestaltung die CDU-Ortsunion einen Vorschlag macht. Anwohner hätten den Wunsch geäußert, die Fläche zu nutzen, um die Parkmöglichkeiten an der Straße zu verbessern, heißt es in einem Antrag der Ortsunion.

Parkende Autos behindern Verkehr

Die Idee: Die bisher genutzten Parkstreifen am Straßenrand werden eingezogen. Dafür werden Parkmöglichkeiten auf der Grüninsel eingerichtet. Laut CDU sorgt die jetzige Parksituation für Verkehrsbehinderungen. Es gebe Probleme mit Müllfahrzeugen, auch Grundstückseinfahrten würden behindert.

Nach einer Skizze der Ortsunion würden 16 Stellplätze im „Fischgrätenmuster“ auf etwa drei Vierteln der Grüninsel eingerichtet. Die Fläche soll dafür nicht versiegelt, sondern nur mit Schotter oder Dolomitsand befestigt werden. Der Rest der Grünfläche inklusive eines größeren Baums soll erhalten bleiben, Anwohner würden sich zur Pflege bereit erklären, schreibt die Ortsunion.

Kritiker: Charakter der Straße wird zerstört

Diese 300 Quadratmeter Billmerich werden das erste Thema sein, mit dem sich der Stadtrat in seiner Sitzung in der Stadthalle beschäftigen muss. Und auf der Tagesordnung steht direkt nach dem Vorschlag der Ortsunion ein Schreiben von Anwohnern. Diese sprechen sich entschieden gegen die Parkplatzpläne aus. Die vorgeschlagene Umgestaltung würde „den gesamten Charakter der Straße ,Zu den Brüchen‘ zerstören“, schreiben die Billmericher.

Privates Parken soll nicht das Gemeinwohl belasten

Offenbar gibt es in dieser Siedlung ein Grundproblem wie in vielen anderen: zu viele Autos. Wenn Anwohner bei einem Vier-Personen-Haushalt Parkraum für fünf bis sechs Fahrzeuge benötigen, aber keinen Stellplatz auf dem eigenen Grundstück schaffen, so schreiben es die Antragsteller, sollten andere Möglichkeiten gesucht werden, „die nicht dem Steuerzahler, nicht der Natur und nicht dem Gemeinwohl zur Last fallen“. Parkraum sei vorhanden, meinen sie, es sei aber auch „zumutbar, mehr als drei Schritte vom geparkten Kfz bis zur eigenen Haustür zu gehen“.

An dieser Stelle läuft die Grünfläche spitz zu. Dort könnte eine Wildblumenfläche für Insekten eingesät werden, meinen Kritiker des CDU-Vorschlags.

An dieser Stelle läuft die Grünfläche spitz zu. Dort könnte eine Wildblumenfläche für Insekten eingesät werden, meinen Kritiker des CDU-Vorschlags. © Udo Hennes

Würde die Parkdisziplin eingehalten, kämen Müllwagen gut durch, dies habe in der Vergangenheit auch funktioniert. Es seien meist auswärtige Besucher, die Grundstückseinfahrten behinderten. Park- und Halteverbote gegenüber den betroffenen Einfahrten würden die Probleme lösen. Eine Verbesserung des Verkehrsflusses sei für diese Siedlung überhaupt nicht erwünscht, schreiben die Antragsteller. Es bestünde dann die Gefahr, „dass noch mehr gerast wird als ohnehin schon“. Die Kritiker halten zudem den CDU-Vorschlag, dass Autos schräg auf der Noch-Grüninsel parken, mit dem Heck teils auf der Straße, für nicht umsetzbar.

Platz für Insekten und Kinder statt für Autos

Sie schlagen alternativ vor, ein Drittel der Grünfläche zu einer Wildwiese für Insekten umzugestalten. Der Rest solle eine Spielwiese für Kinder – es gebe mindestens 15 unter zwölf Jahren in der Nachbarschaft – umgewandelt werden. Die Grünpflege würden Anwohner auch hier übernehmen, versprechen die Antragsteller.

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