Grüne Bürgermeisterkandidatin für Unna schärft ihr Profil abseits grüner Kernthemen

dzNeujahrsempfang

Finanzpolitik gilt nicht als grüne Urkompetenz. Claudia Keuchel nutzt ihre Rede beim Neujahrsempfang, um hier Eckpfeiler zu setzen. Insgesamt zeigen sich die Grünen deutlich optimistisch.

von Dominik Pieper

Unna

, 26.01.2020, 14:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Claudia Keuchel ist keine Freundin des zu rasch angesetzten Rotstifts. „Die finanzielle Situation der Stadt Unna wird schlechter geredet als sie ist“, sagt die Kandidatin der Grünen für das höchste Amt der Stadt. Und mehr noch: Die sogenannten freiwilligen Leistungen von rund 10 Prozent des städtischen Haushalts zu Einsparzwecken zu streichen, sei kein Gewinn, sondern vielmehr ein Verlust von Lebensqualität für die Menschen.

Grüne Bürgermeisterkandidatin für Unna schärft ihr Profil abseits grüner Kernthemen

Claudia Keuchel will die erste grüne Bürgermeisterin von Unna werden. Den Neujahrsempfang nutzte sie, um ihr kommunalpolitisches Profil zu schärfen. © Pieper

Wer beim Neujahrsempfang der Grünen am Sonntag im Schalander ausschließlich ökologische und soziale Politikthesen erwartet hatte, wurde rasch eines besseren belehrt. Claudia Keuchel als Hauptrednerin machte abseits aller parteipolitischen Kernthemen vor allem Werbung für ihre Kompetenz als Verwaltungsfachfrau. Sie als Chefin im Rathaus wolle die finanziellen Prioritäten anders verteilen und letztlich dem Bürger zugute kommen lassen. Denn der soll mitbestimmen können, was mit freiwerdenden Haushaltsmitteln passieren soll – Bürgerhaushalt heiße das Stichwort.

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„Kultur ist der Kitt der Gesellschaft, die Hefe im Kuchen und nicht das Sahnehäubchen.“
Claudia Keuchel

Dass sie ausschließlich auf ihr kulturelles Fachwissen reduziert werde, habe sie bereits vernommen, räumte Keuchel ein – und fragte deutlich, was an kulturellem Fachwissen denn schlecht sein soll. Kultur sei mehr als Theater oder Musik, sondern Bestandteil der Gesellschaft. „Kultur ist der Kitt der Gesellschaft, die Hefe im Kuchen und nicht das Sahnehäubchen“, lautete ihre Antwort in Richtung der Kritiker, die ihr zu viel Einseitigkeit vorwerfen. Innerhalb von zwei Jahren soll der Kulturentwicklungsplan der Stadt umgesetzt werden, alsbald würden die Grünen zudem ein Verkehrskonzept für die Stadt vorstellen.

Kunert: Ergebnis des Bürgerentscheids zur Eissporthalle aus grüner Sicht ein Desaster

Mit im Sog allumfassener kommunalpolitischer Kompetenz schwamm auch Charlotte Kunert als Fraktionsvorsitzende. Die Entwicklung bei der Mühle Bremme sei eine Fehlentscheidung, das Ergebnis des Bürgerentscheids zur Eissporthalle bei allem Lob für direkte Bürgerbeteiligung aus grüner Sicht ein Desaster und die Möglichkeiten des digitalen und bürgernahen Rathauses einschließlich der städtischen Internetseite keineswegs zeitgemäß. Bei aller Kritik formulierte sie auch zwei Ideen für Neues, wenngleich diese wenig konkret blieben. Der Innenstadtring könnte zweispurig, die dritte Spur ausschließlich für Radfahrer ausgewiesen werden. Zweitens könnte Unna über eine neue Bildungseinrichtung nachdenken – eine weitere Gesamtschule etwa, oder ein Oberstufenzentrum.

Grüne Bürgermeisterkandidatin für Unna schärft ihr Profil abseits grüner Kernthemen

Dicht an dicht standen die Besucher im Schalander, als die Grünen am Sonntagmittag das neue Jahr begrüßten und den Kommunalwahlkampf indirekt eröffneten. © Pieper

Unterstützung bekamen Unnas Grüne übrigens von bundespolitischer Prominenz. Per Videobotschaft wünschten Robert Habeck als Bundesvorsitzender und Winfried Kretschmann als grüner Ministerpräsident den Unnaern, speziell Claudia Keuchel, viel Erfolg für die Kommunalwahl. Eingefangen wurden die Stimmen beim Bundesdelegiertentreff der Grünen durch Charlotte Kunert und ihre Handykamera.

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Ehrungen für Kunstort Unna und Projekt „Forst Reinheck“ in Billmerich

Der Neujahrsempfang der Grünen war abseits aller politischen Thesen auch in diesem Jahr eine Gelegenheit, bürgerschaftliches Engagement zu ehren. Mehr als 250 Besucher standen dicht an dicht im Schalander, als die Verantwortlichen des Projekts Kunstort Unna sowie Reinhard Heckmann für seinen „Forst Reinheck“ in Billmerich Dank und Anerkennung der Grünen erfuhren. Herz, Mut und Verstand würden beide Projekte einen, die das soziale Engagement und die Gemeinschaft sowie die ökologische Bilanz der Stadt enorm positiv beeinflussen würden.

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