Der Großeinsatz in Königsborn ist beendet, und auch in diesem Fall steht jetzt fest: Die gefundene Substanz war harmlos. Es handelt sich um Pulver, das offenbar aus einer herkömmlichen Küche stammen kann.

Königsborn

, 20.11.2019, 10:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein verdächtiges Pulver in einem Briefumschlag hat am Mittwochmorgen einen ABC-Einsatz in Königsborn ausgelöst. Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma fanden das Kuvert im Briefkasten und alarmierten die Polizei, die wiederum einen Großeinsatz auslöste.

Salz und Lebensmittelzusatzstoff

Es gab schon mehrere solcher Einsätze in Unna und Umgebung. In jedem Fall erwies sich die gefundene Substanz letztlich als harmlos. Auch im aktuellen Fall aus Königsborn: Die Analyse habe ergeben, dass es sich um eine Mischung aus zwei Substanzen handelt, einen Lebensmittelzusatzstoff und einen Stoff auf Salzbasis, erklärte Stadtsprecher Oliver Böer nach Rücksprache mit der Feuerwehr.

Verdächtiger Umschlag in der Tagespost

So entspannt diese Entwarnung am Nachmittag gegeben wurde, so aufgeregt lief der Vormittag in Königsborn zunächst ab. „Wir bekommen nie Pulver zugeschickt“, sagte ein Mitarbeiter von Merkur Zeitarbeit. Der Umschlag sei sofort verdächtig erschienen. Von außen habe man erkennen können, dass Pulver darin war. Deswegen hätten er und die anderen beiden Mitarbeiter das Kuvert auch erst gar nicht geöffnet. Sie riefen umgehend die Polizei.

Entwarnung nach ABC-Einsatz in Unna - Pulver in Briefumschlag war harmlos

Die Polizei sperrte den Einsatzort aus allen Richtung für den Verkehr ab. © Neumann

ABC-Einsatz an der Friedrich-Ebert-Straße

Mit mehreren Fahrzeugen rückten die Polizei, die Feuerwehr und der Rettungsdienst an. Es ist die übliche Einsatzstärke in solchen Fällen: ABC-Einsatz. Die Verantwortlichen gehen zunächst davon aus, dass es sich um eine gefährliche Substanz handeln könnte und dass dadurch Menschen verletzt werden könnten. Entsprechend war auch die Einsatzstärke der Feuerwehr mit 33 Kräften. Der Einsatzort ist abseits der Hauptachse der Friedrich-Ebert-Straße, auf der Ecke Gabelsbergerstraße/Hubert-Biernat-Straße, schräg gegenüber der Herz-Jesu-Kirche.

Bürogebäude wurde abgeriegelt

Das Bürogebäude an der Ecke Gabelsbergerstraße wurde abgeriegelt. Die Polizei sperrte die Zufahrt sowohl von der Friedrich-Ebert-Straße als auch von der Hubert-Biernat-Straße. Feuerwehrleute tüteten den Briefumschlag im Gebäude der Zeitarbeitsfirma ein. Sie gingen mit Schutzanzügen und mit Atemschutz vor. Dann warteten sie auf die Analytische Task Force (ATF) aus Dortmund. Mitarbeiter dieser Feuerwehr-Spezialeinheit rückten an und überprüften den Umschlag.

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Eine Mitarbeiterin durfte direkt gehen, zwei mussten bleiben

Unterdessen konnte eine Merkur-Mitarbeiterin die Obhut der Feuerwehr- und Rettungskräfte schon wieder verlassen. Für sie stand schnell fest, dass sie mit dem Umschlag überhaupt nicht in Kontakt gekommen war. Zwei Mitarbeiter allerdings mussten in dem Bürogebäude ausharren. Die Einsatzkräfte wollen in einem solchen Fall sichergehen, dass niemandem etwas passiert. Wer möglicherweise durch Kontakt mit einer giftigen Substanz erkranken könnte, soll möglichst schnell behandelt werden können und die Gefahr nicht unabsichtlich weiter verbreiten.

Einsatz nach zwei Stunden beendet

In dem bisher jüngsten Fall, einem ABC-Einsatz bei Antenne Unna im Juli, hatte es mehrere Stunden gedauert, bis den Betroffenen Entwarnung gegeben werden konnte. Seinerzeit hatte verdächtiges Pulver aber auch offen an einem Briefkasten gelegen. In diesem Fall war die Substanz verschlossen im Umschlag.

Nach zwei Stunden wurde der Einsatz vor Ort beendet. Der Betrieb in dem betroffenen Bürogebäude konnte weiterlaufen.

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Untersuchung in Labor in Dortmund

Die ATF nahm das Pulver mit nach Dortmund, um es in einem Labor zu untersuchen. Am Nachmittag gaben die Experten dann ihr Untersuchungsergebnis bekannt: Die gefundenen Stoffe sind harmlos.

Entwarnung nach ABC-Einsatz in Unna - Pulver in Briefumschlag war harmlos

Die Analytische Task Force aus Dortmund wurde nach Unna gerufen, um die Substanz zu untersuchen. © Neumann

Absender des Briefs muss sich Mühe gegeben haben

„Da wird einem schon ganz schön mulmig“, sagte ein Merkur-Mitarbeiter vor Ort, als er sich an den Umschlag-Fund am Morgen und den darauf folgenden Großeinsatz erinnerte. Er und seine Kollegen seien umso erleichterter gewesen, als der Einsatz beendet war und für sie feststand, dass sie nicht in Gefahr waren.

Woher der Brief stammte, sei völlig unklar. Er habe keine Absenderadresse gehabt, so der Merkur-Mitarbeiter. „Es hat sich jemand Mühe damit gegeben.“ Der Umschlag habe einen Adressaufkleber gehabt.

Ist es denkbar, dass irgendjemand Groll gegen das Unternehmen hegt und deswegen diesen „Anschlag“ verübte? Das könne er sich eigentlich nicht vorstellen, sagte der Merkur-Mann. Ihm sei von etwaigen Feindseligkeiten nichts bekannt. Die Hintergründe des Vorfalls sind also zunächst unklar. Die Polizei erklärte, die Ermittlungen dauerten an.

Es war nicht das erste Mal, dass in Unna Großalarm ausgelöst wird wegen einer Substanz, die sich letztlich als harmlos herausstellt. Im Juli beim ABC-Einsatz am Ostring erwies sich die Substanz letztlich als Waschpulver. Im April dieses Jahres hatten sich ABC-Einsätze wegen Pulverfunden in der Region gehäuft. Verdächtige Post war unter anderem im Katharinen-Hospital, bei Ikea in Kamen sowie im Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg und in der Polizeiwache Fröndenberg eingegangen.

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