Grenzenloser Filmabend im Circus Travados in Unna

dzStummfilmprojekt

Grenzen überwinden, eine universelle Sprache sprechen und immer in Bewegung bleiben: Seit Jahrhunderten sind dies wesentliche Elemente des Zirkuslebens. Und wo besser als in einem Zirkuszelt könnte man dieses Denken künstlerisch darstellen? Im Travados kommt es Ende Oktober zu einer ganz besonderen Vorstellung.

Unna

, 11.10.2018, 16:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Spannendste sind wohl die Elefanten: Als die italienische Zirkusfamilie Togno in den 1960er-Jahren mit ihren Zirkuselefanten die Alpen überquerte, lief ihre Super-8-Kamera mit. Die Bilder, wie alle Elefanten gemeinsam das schaffen, was einer von ihnen alleine wohl kaum überlebt hätte, sind Szenen aus dem Film, den das Projekt „Der Zirkus kennt keine Grenzen“ am 27. Oktober in Unna zeigt.

„Das ganze Projekt ist eine Metapher“, erklärt Geremia Carrara, der das Konzept entwickelt hat. „Es geht um das Überschreiten von Grenzen, das Einwandern von Menschen und Ideen und das Gemeinsame, das daraus entsteht.“ Und die Symbolik fängt schon beim Veranstaltungsort an: „Das Zelt ist ein Symbol für einen Ort, der in Bewegung ist“, erklärt Carrara.

„Zirkus ist immer ein Ort gewesen, wo viele Nationalitäten zusammen leben und arbeiten.“
Geremia Carrara

Und so wird der Circus Travados am 27. Oktober zu einem bewegten Ort: Auf einer Leinwand wird ein rund 50-minütiger Film gezeigt, der aus Filmaufnahmen der Zirkusfamilie Togni in mehr als 30 Jahren ihres Leben unter dem Zirkuszelt besteht. „Zirkus ist immer ein Ort gewesen, wo viele Nationalitäten zusammen leben und arbeiten; der Zirkus hat schon immer geografische Grenzen überschritten“, sagt Carrara. Die Alltagsszenen aus dem Leben der Zirkusfamilie zeigen dies deutlich: Immer sind sie unterwegs, reisen in ferne Länder, überqueren Grenzen oder eben auch die Alpen mit ihren Kamelen und Elefanten.

Der Film zeigt: Grenzen sind keine Schranken, man kann sie überwinden – und das am besten gemeinsam. Livemusik begleitet diese filmische Zirkusreise, denn der Film selbst ist ein Stummfilm. Das mag für den heutigen Betrachter ungewohnt erscheinen, bietet aber ungeahnte Möglichkeiten der Interaktion. „Wir haben die Musik passend zu den einzelnen Szenen komponiert“, erklärt Alessandro Palmitessa, der unter anderem Klarinette und Saxofon während des Films spielen wird. „Dazu brauchen wir aber stellenweise auch die Hilfe der Zuschauer, beispielsweise, wenn im Film ein Tiger sein Maul aufreißt. Das Brüllen übernehmen die Zuschauer.“ Wieder ist es der Gedanken des Zusammenarbeitens, der hier mitschwingt.

Eingewandertes Instrument

Auch die Musiker überwinden im wahrsten Sinne des Wortes Grenzen: Während Alessandro Palmitessa ebenso wie der Gitarrist Cosimo Erario aus Italien stammt, kommt Bassem Hawar ursprünglich aus dem Irak. Er spielt ein ganz besonderes Instrument, wie sein Musikerkollege Palmitessa erklärt: „Das ist eine so genannte Kniegeige, die aus der Schale einer Kokosnuss besteht. Das Instrument hat er selbst gebaut.“ Auch hier findet sich die Symbolik des Einwanderns: Das natürliche Vorkommen der Kokosnuss im Irak liegt weit zurück: Vor 3000 Jahren muss die Frucht aus Indien „eingewandert“ sein. „Und dadurch haben die Menschen im Irak heute die Chance, dieses tolle Instrument zu bauen“, freut sich Palmitessa.

Bilder und Musik funktionieren in jeder Sprache

Den Blick auf das zu richten, was durch Einwanderung Positives entstehen kann, das wünscht sich VHS-Leiterin Rita Weißenberg:„Das wird viel zu selten gefragt, wenn Menschen hierher kommen: was bringen sie mit, wovon alle profitieren können?“ Mit der Veranstaltung im Circus Travados könne dieser andere Blick auf das Überwinden von Grenzen geschärft werden. Die Teilnehmer der Deutsch-Sprachkurse der VHS sind bereits zu dem Film- und Musikabend eingeladen worden. „Das ist ja das Schöne, dass Bilder und Musik in jeder Sprache funktionieren“, so Weißenberg. Aber sie hofft ebenso wie Simone Melenk von der Deutsch-Italienischen Gesellschaft, über die der Kontakt zu den Projektleitern entstand, dass noch viel mehr Menschen ins Zirkuszelt kommen – auch wenn es die Elefanten nur im Film zu sehen gibt.

Der Film- und Musikabend „Der Zirkus kennt keine Grenzen“ findet am Samstag, 27. Oktober, um 19 Uhr im Circus Travados im Kurpark 10 in Unna statt. Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung dauert insgesamt etwa eine Stunde.
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