Goldgravur auf historischer Tasse lässt Unnaerin rätseln

dzStadtgeschichte

Beim „Entrümpeln“ ist eine Unnaerin auf eine Tasse gestoßen, die ihr Rätsel aufgibt: Ein Stempel deutet auf eine „Porzellanmanufaktur“ in Unna hin – doch über die ist kaum etwas bekannt.

Unna

, 14.11.2018, 13:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Filigran mutet sie an, der Rand ist mit Blattgold verziert, die Wände sind zerbrechlich dünn: Die Tasse, die eine Unnaerin jetzt in ihren Schränken gefunden hat, zeugt von einer hohen Qualität. Das Motiv, eine Szene aus dem asiatischen Raum, ist fein gezeichnet – ganz offensichtlich waren Profis am Werk.

Eigentlich wollte die Unnaerin die Tasse samt Unterteller mit zum Trödel geben – bis ihr der Goldstempel unter dem Tassenboden auffiel: „Westdeutsche Porzellan-Manufaktur Unna i/W.“ steht dort gedruckt. „Eine Porzellanmanufaktur in Unna? Davon habe ich noch nie etwas gehört“, wundert sich die Unnaerin. Sie hofft nun, dass sich möglicherweise Menschen melden, die mehr über eine solche Firma und damit auch ihre Tasse wissen.

„Die Tatsache, dass dort von einer westdeutschen Manufaktur die Rede ist, deutet daraufhin, dass die Tasse zu Zeiten der deutschen Teilung hergestellt sein muss.“
Dr. Beate Olmer, Leiterin des Hellweg-Museums

Der Leiterin des Hellweg-Museums, Dr. Beate Olmer, fällt im ersten Moment auch nicht ein, wo und wann es eine solche Porzellan-Manufaktur in Unna gegeben haben könnte. „Wir haben in unserem Bestand nichts, was einen Hinweis darauf geben könnte“, sagt die Historikerin im Gespräch mit unserer Redaktion.

Doch Olmer ist sich sicher, dass die Tasse aus der Nachkriegszeit stammen muss. „Die Tatsache, dass dort von einer westdeutschen Manufaktur die Rede ist, deutet ja daraufhin, dass die Tasse zu Zeiten der deutschen Teilung hergestellt sein muss, also im Zeitraum von Beginn der 1950er- bis Ende der 1980er-Jahre.“

Damit würde der einzige Hinweis auf eine Porzellanherstellung in Unna wegfallen, der sich sonst finden lässt: Um 1800 wurde die „Töpferfabrik für Fayencen und englisches Steinzeug“ gegründet. Von 1806 bis 1817 besaß Johann Diedrich Mark die Pachtrechte an der Ziegelei am heutigen Hibbingser Weg und stellte dort auch Porzellan her. Mangels Erfolg wurde diese Produktion jedoch bald eingestellt. 1892 wurde die „Töpferfabrik für Fayencen“ geschlossen.

Goldgravur auf historischer Tasse lässt Unnaerin rätseln

Die Goldgravur auf dem Boden der Tasse lautet: „Westdeutsche Porzellan-Manufaktur Unna i/W.“ © Anna Gemünd

Nicht nur der Goldstempel auf dem Tassenboden, der explizit von einer „westdeutschen“ Porzellanmanufaktur spricht, wirft Fragen auf, auch das Motiv ist außergewöhnlich: Die abgebildeten Personen, eine junge Frau und ein kleiner Junge, sind in Kimonos gekleidet – ein Hinweis auf den asiatischen Raum.

Während die junge Frau einen Schirm hält, hält der Junge mehrere Blumen in den Händen und scheint sie der Frau reichen zu wollen. Auch die Untertasse und der Teller, die zu der Tasse gehören, zeigen ähnliche Szenen.

Die Unnaerin, die die Tasse gefunden hat, hofft auf Hinweise, von wann und vor allem woher die Tasse stammen könnte. „Zum Trödel kommt sie jetzt definitiv nicht. Ich werde sie wahrscheinlich an das Museum geben, wenn ich mehr darüber weiß“, kündigt sie an.

Wer etwas über die „Westdeutsche Porzellan-Manufaktur“ weiß, die sich laut der Goldgravur auf der Tasse in „Unna in Westfalen“ befunden haben soll, kann sich gerne in der Redaktion unter (02303) 202143 melden.
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