Stadtwerke Unna wollen ab Sommer 2020 selbst Verträge für schnelles Internet anbieten

dzGlasfasernetz

Der Wirbel um den Wechsel von SPD-Mann Klaus Tibbe zu den Stadtwerken Unna lässt eine Wirtschaftsnachricht in den Hintergrund treten. Wenn alles klappt, kann der Versorger viel Geld damit verdienen.

Unna

, 15.11.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Klaus Tibbe ist für die Vertriebsposition bei den Stadtwerken vor allem deshalb der richtige Mann, weil er schon in seinem heutigen Job eine Arbeit vollbringt, mit der die Stadtwerke künftig gutes Geld verdienen wollen. Vom Netzanbieter wollen die Stadtwerke zum Kommunikationsdienstleister werden und ein Geschäftsfeld bearbeiten, das sie bislang Kooperationspartnern wie Tibbes Noch-Arbeitgeber Helinet oder Dokom21 überlassen haben.

Gut unterrichtete Kreise sehen ein Gewinnpotenzial, das nach einer Anlaufphase von fünf bis sechs Jahren bis zu 700.000 Euro jährlich zum Ertrag der Stadtwerke beitragen könne. Das wäre nicht nur ein Beitrag zur Absicherung der Stadtwerke, sondern auch zur Finanzierung der Holdinggesellschaft WBU, die in Unna auch Parkhäuser, die Schwimmsporthalle und die Sanierung der Eishalle finanziert.

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Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Schäpermeier mag die Zahlen aus einem internen Papier seines Unternehmens zwar nicht bestätigen, auf Nachfrage aber ebenso wenig bestreiten. „Wie jedes Unternehmen haben wir Business Cases durchgerechnet, und im besten Fall kann die Telekommunikation tatsächlich eine neue, vierte Säule für die Stadtwerke werden neben Strom, Gas und Wärme“, erklärt Schäpermeier.

Etwa ab Mitte 2020 wollen die Stadtwerke mit Endkundenverträgen an Privatleute und Firmen in Unna herantreten, um ihnen Telefon- und Datenverbindungen anzubieten. Denkbar seien dabei auch Paketlösungen, durch die die Abnehmer Energieversorgung und Datennetzzugang aus einer Hand beziehen könnten.

Stadtwerke wollen Unnas Glasfasernetz selbst vermarkten

Grundlage dafür ist das Engagement, das die Stadtwerke in den zurückliegenden Jahren beim Ausbau der Infrastruktur geleistet haben. In mehreren Gebieten der Stadt haben sie Glasfaserkabel für den Transport großer Datenmengen verlegt.

Die Stadtwerke konnten dabei kostengünstig Leerrohre nutzen, die bei der Erneuerung anderer Leitungen weitsichtig mitverlegt worden waren. Dadurch hat der Kommunalversorger selbst dörfliche Gebiete mit Glasfaserkabeln erschlossen, in denen die Telekom nicht investieren wollte.

Genutzt wurden diese Netze bislang von Telekommunikationsanbietern. Die Stadtwerke als Netzanbieter haben auch daran verdient, weil sie ein Netzentgelt erheben können. Offensichtlich erzielen aber auch Firmen wie Helinet noch eine Marge, mit der sich Geld verdienen lässt. Und von diesem Kuchen wollen die Stadtwerke nun ein Stück abbekommen.

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