Girolamo Schiraldi schließt die Kult-Eisdiele „Rialto“ in Unna

dzAbschied aus der Gastronomie

Zahlreiche Anrufe und Nachrichten hat Girolamo Schiraldi bereits bekommen. Dass er das Eiscafé „Rialto“ zum Jahresende schließt, bedauern viele Unnaer. Tatsächlich hat es in Unna inzwischen so etwas wie Kult-Charakter.

Unna

, 02.08.2018, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es reicht einfach. 28 Jahre Gastronomie sind genug. Girolamo Schiraldi wird das Eiscafé „Rialto“ im Rathaus zum 31. Dezember aufgeben. Er hat sehr persönliche Gründe, das gut laufende Geschäft aufzugeben. Bis zum Schluss aber will er seine Gäste glücklich machen – und die gibt es im „Rialto“ nicht nur bei 30 Grad zuhauf.

Frisches Eis jeden Tag selbst gemacht

„Es waren viele tolle Jahre – und es ist auch noch ein tolles Jahr“, sagt der Italiener, der die Eisdiele im Jahr 2000 übernommen hat. Doch auch davor war er schon zehn Jahre tagtäglich im „Rialto“, wo er das Eis bis heute selbst zubereitet. „Das wird immer frisch gemacht“, sagt Schiraldi. Weil er jeden Tag jede Sorte neu herstellt, muss er früh in der Küche stehen. „Um 6 Uhr morgens bin ich da“, sagt der Gastronom. Drei Stunden später öffnet die Eisdiele – und damit beginnt ein langer Tag. „Ich weiß jeden Tag, wann ich aufstehe, aber nie, wann ich schlafen gehe“, sagt Schiraldi. Vor allem bei großen Festen ist das Eiscafé lange geöffnet. Und danach muss auch noch aufgeräumt werden. Ruhetage gibt es nicht.

Tragisches Ereignis stimmt nachdenklich

Ein Alltag, der schlaucht. Das spürt Girolamo Schiraldi. Den Schalter in Richtung Ausstieg aus der Gastronomie hat aber ein ebenso persönliches wie trauriges Ereignis umgelegt. Vor drei Jahren starb der Vater von Girolamo Schiraldi. „Ich habe es so gerade noch geschafft, zu ihm zu kommen, ehe er in meinen Armen gestorben ist“, erinnert sich der Eismacher an den Tag, der sein Leben verändert hat. „Ich spürte, dass es auch noch andere Dinge gibt als die Gastronomie.“ Mit Anfang 40 will Schiraldi auch noch eine Familie gründen. Daran war bisher schon wegen seines Geschäftes kaum zu denken. Und so wird er mit einem weinenden, aber auch einem lachenden Augen das „Rialto“ schließen, für das die Stadt Unna als Vermieter der Räume einen Nachfolger sucht.

„Verrückte“ Eissorten

In den fast 28 Jahren im „Rialto“ hat Schiraldi viel erlebt. Davon zeugen auch Fotos und Karten von Kunden, die eine Wand in den Geschäftsräumen hinter der Theke zieren. Und natürlich haben sich auch die Kundenwünsche verändert. Waren Anfang der 90er-Jahre noch die Klassiker wie Vanille, Schokolade, Erdbeere und Stracciatella besonders gefragt, so gibt es längst unzählige andere Eis-Sorten. Schiraldi hat etwa Prosecco-Eis erfunden und später Cola-Eis für die Kinder kreiert. Heute gibt es auch Marshmallows in gefrosteter Form. Gefragt sind gerade bei den heißen Temperaturen aber auch tropische Früchte und Aloe vera. Für die nächste Woche verspricht Schiraldi seinen Gästen eine ganz neue „verrückte“ Eissorte. Verraten will er aber noch nicht, worum es sich dabei handelt.

Mit oder ohne Laktose: Hauptsache Qualität

Verändert hat sich aber nicht nur die Eis-Vielfalt. Auch das Gesundheitsbewusstsein ist immer größer geworden – und so stellt Schiraldi längst auch laktosefreies Eis vor aber auch eifreies und veganes. Dass sich auch die Hygieneauflagen verschärft haben, findet Schiraldi gut. „Es kommt auf die Qualität an, und die ist mir wichtig.“ Was den Italiener allerdings ärgert, ist die Tatsache, dass es Eiscafés gibt, die mit den Fahnen seines Heimatlandes werben, zu Italien aber gar keinen Bezug haben. Schiraldi selbst ist jedes Jahr in Italien – schon, um dort die Eis-Messe MIG in Longarone zu besuchen. Dort hat er immer wieder auch an Schulungen und Kursen teilzunehmen. Was er dort gelernt hat und was im gefiel, brachte er mit nach Unna.

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