Gewalt gegen Frauen soll durch Tanzen aus der Dunkelheit in die Öffentlichkeit rücken

dzTanzaktion in Unna

Rund 100 Mal im Jahr muss die Polizei in Unna ausrücken, um Frauen vor häuslicher Gewalt zu schützen. Das Thema soll nun noch mehr in die Öffentlichkeit rücken: durch Tanzen.

Unna

, 03.02.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

420 Fälle häuslicher Gewalt zählte die Polizei im Jahr 2018 für den Kreis Unna ohne Lünen. Diese alarmierende Zahl ist für die Frauen- und Mädchenberatungsstelle Kreis Unna und das Gleichstellungsbüro im Rathaus sowie den Zonta-Club Anlass für verschiedene Kampagnen und Initiativen. Sie wollen aufklären und betroffenen Frauen zeigen, dass sie nicht allein sind. Ein Tanz soll dieser Arbeit jetzt Rückenwind geben.

Jede dritte Frau von Gewalt betroffen

Es ist eine heitere Aktion, die mit dem sehr ernsten Thema verbunden wird: „One Billion Rising“ heißt eine weltweite Kampagne, gestartet von der New Yorker Künstlerin Eve Ensler. Übersetzt würde das Motto lauten „Eine Milliarde erhebt sich“. Die Zahl verweist auf eine UN-Statistik, wonach eine von drei Frauen in ihrem Leben sexuelle oder körperliche Gewalt erlebt hat.

Fallzahlen

Mindestens 100 Mal Gewalt in Unna

  • Im Unnaer Stadtgebiet gab es im Jahr 2018 genau 100 Einsätze der Polizei wegen häuslicher Gewalt gegen Frauen. 18 mal wurden Täter der Wohnung verwiesen. Die Daten für 2019 sind laut der Unnaer Gleichstellungsbeauftragten Josefa Redzepi noch nicht komplett ausgewertet, sie nennt aber bereits ein Teilergebnis: 85 Einsätze mit 22 Verweisungen gab es bis Ende Oktober.
  • Die Zahlen steigen nach Angaben von Redzepi von Jahr zu Jahr. Das könnte darauf hindeuten, dass es mehr solcher Fälle gibt. Experten aber halten es für wahrscheinlicher, dass nach und nach mehr Fälle gemeldet werden.
  • Dunkelziffer: Nach wie vor unbekannt ist, wie viele Gewalttaten nicht zur Anzeige gebracht werden.

Jedes Jahr werden Frauen in rund 200 Städten der Welt aufgerufen, am 14. Februar gemeinsam öffentlich zu tanzen. Unna ist zum ersten Mal dabei.

So funktioniert die Aktion: Alle Interessierten - Männer sind auch willkommen - treffen sich am Freitag, 14. Februar, um 15.30 Uhr am Unnaer Rathaus. Gemeinsam marschieren sie über die Bahnhofstraße zum Markt. Um 16 Uhr beginnt die Tanzaktion. Zu einem Lied der US-Musikerin Tena Clark tanzen alle gemeinsam. Der Titel lautet „Break the Chain“, auf Deutsch etwa „Zerbrich die Ketten“.

Mittanzen erwünscht, Zuschauer willkommen

Wer nicht mittanzen möchte, dürfe sich trotzdem solidarisch zeigen und die Aktion besuchen, um vielleicht mitzuklatschen oder nur zuzuschauen, erklärte die Gleichstellungsbeauftragte Josefa Redzepi.

Kann mit einem Tanz auf dem Markt der Gewalt gegen Frauen ein Ende gesetzt werden? Sicher nicht. Die Initiatorinnen sind aber sicher, mit der Aktion mindestens Aufmerksamkeit zu erzielen. Die Frauenberatung und das Gleichstellungsbüro wollen am 14. Februar auf dem Markt aufklären, unter anderem über Beratungs- und Hilfsangebote. Die Aktion soll Frauen auch ermutigen, sich zusammenzutun und sich auch dann nicht zu verstecken, sollten sie Gewalt erleben.

Üben

Probe vor der Tanzaktion

Die Tanzschritte sollen einfach nachzuvollziehen sein. Wer möchte, kann sich aber auf die Aktion am 14. Februar vorbereiten. Es gibt noch eine Tanzprobe, zu der die Initiatorinnen Frauen und Mädchen einladen: am Donnerstag, 6. Februar, um 18 Uhr im Familienforum Katharina, Mozartstraße 26.

Für den Zonta-Club Hamm-Unna ist es selbstverständlich, mitzumarschieren und zu -tanzen. Die Arbeit gegen Gewalt an Frauen sei eines der wichtigsten Themen des Serviceclubs, sagt Edith Weerd von Zonta. Der Club ist unter anderem dafür bekannt, einmal im Jahr Gebäude auch im Raum Unna orange anstrahlen zu lassen - als Zeichen gegen Gewalt an Frauen.

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