Gesungene Gedanken und Gefühle über die Gesellschaft, das Leben und das Miteinander.

dzStefan Jürgens

Was ihm im Leben wirklich wichtig ist, und wie man dahinter kommt, was wirklich zählt, besang Stefan Jürgens beim Tourstart zu seinem Album „Was zählt“ in der Lindenbrauerei am Donnerstag.

von Sebastian Pähler

Unna

, 07.03.2019, 23:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist vielleicht sein persönlichstes Album, das Stefan Jürgens im Kühlschiff der Lindenbrauerei vorstellte. Einen Hinweis darauf bot schon der Titel, der über dem Album und dem gesamten Abend stand. „Als ich vor anderthalb Jahren anfing, das Album zu schreiben, war mir schon klar, was der rote Faden sein würde“, erzählte Jürgens zu Beginn seines Auftrittes. Ihm sei es um die Frage gegangen, „was ist für mich das Wichtigste“? Unter der Überschrift „Was zählt“ fasste der Entertainer seine Gedanken und Gefühle zu den wirklich wichtigen Dingen im Leben zusammen.

Ein bisschen Sting, ein bisschen Rio Raiser

Gerne tobt sich Jürgens aus in seiner Musik, kombiniert Rock mit Jazz oder Geigen und am Klavier sitzt er für gewöhnlich selbst. Für „Was zählt“ haben er und seine Band einen sehr rockigen Ansatz gewählt, der mit sieben Musikern auf der Bühne keine Nuance vermissen ließ. Hier und da konnte man vielleicht ein wenig Sting oder etwas Udo Lindenberg durchhören. Vor einem Einfluss verbeugte sich Jürgens aber ganz deutlich, vor Rio Reiser, dem er das Lied „Blinder Passagier“ widmete. Inhaltlich gewährte Stefan Jürgens einen Blick in sein Innenleben. So verarbeitete er etwa in „Vater“, eine nächtliche Fahrt zu seinem erkrankten Vater oder beschreibt in „Dialog mit einem alten Freund“ den Drahtseilakt zwischen Beziehung und der Notwendigkeit sich selbst treu zu bleiben.

Das Publikum als Versuchskaninchen

In seiner alten Heimat startete Stefan Jürgens die Tour zu seinem neuen Album, die ihn durch Deutschland und Österreich führen wird. „Der Vorteil ist, dass ihr uns heute so frisch sehr wie sonst niemand mehr“, stellte er fest. „Der Nachteil ist, ihr seid Versuchskaninchen“. Hier und da könnte vielleicht noch das eine oder andere klappern, oder vielleicht auch gar nicht klappen. Weitestgehend unfallfrei spielten sich schließlich Jürgens und seine musikalischen Mitstreiter durch den Auftritt. Dabei begeisterten sie das zahlreich erschienene Publikum im teils bestuhlten, teils als Tanzfläche frei gelassenen Kühlschiff. Die Zuschauerinnen und Zuschauer freuten sich auf das Wiedersehen mit dem Sohn der Stadt, den sie zumeist nur im Fernsehen zu Gesicht bekommen, der aber alle Zwei Jahre auf seiner Tour auch in Unna vorbeischaut. Dieser dankte es nicht nur mit unterhaltsamer Musik, sondern auch mit Lebensbetrachtungen des mittlerweile 56-jährigen über immer oberflächlicher werdende Menschen und eine offene Gesellschaft wie er sie sich wünscht.

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