Bei Zweirad Höni in der Innenstadt profitiert Geschäftsführer Ralf Höni von einem gut gefüllten Materiallager. © Marcel Drawe
Radfahren in Unna

Gesprengte Lieferketten: Fahrradhändler müssen Aufklärungsarbeit leisten

Radfahren boomte auch durch Corona in 2020 und daran hat sich dieses Jahr nichts geändert. Die Pandemie sorgt bis heute aber auch für gesprengte Lieferketten. Das merken auch lokale Händler.

Ob bei Zweirad Höni an der Gerhart-Hauptmann-Straße oder bei Megabike am Massener Hellweg: Wer hier mit einem abgebrochenen Pedal oder einer gerissenen Kette auftaucht, dem kann in der Regel geholfen werden. Und auch in der Radstation der DasDies Service GmbH am Bahnhof ist das Materiallager für gängige Reparaturen noch gut gefüllt.

Aber: „Bei speziellen Teilen kann es Lieferengpässe geben. Da würde ich aber zwischen dem Kunden unterscheiden, der zu uns in die Werkstatt für eine Reparatur kommt und demjenigen, der ein ganz bestimmtes Ersatzteil will“, sagt etwa Ralf Höni, Chef des gleichnamigen Zweirad-Geschäfts.

Durch mehrere Lieferanten und vorausschauende Bestellungen habe man aber alle gängigen Verschleißteile vorrätig. Ähnlich äußert sich auch Andre Fischer, Geschäftsführer der Unnaer Megabike-Filiale: „Wir haben uns gut bevorratet und können nahezu jede Reparatur auch ausführen. Aber müsste ich jetzt bestimmte Teile bestellen, dann sind die Lieferzeiten jenseits von Gut und Böse.“ Meint: mehrere Wochen bis Monate.

Auch in der Radstation Unna kann bei Pannen mit dem Rad geholfen werden. Aber auch hier merken die Mitarbeiter aktuell die Lieferprobleme bei bestimmten Komponenten und Herstellern. © Claudia Pott © Claudia Pott

Auch das Lager der Radstation ist noch gut gefüllt, aber auch hier weiß Betriebsleiter Stefan Rose, dass es vor allem bei Komponenten wie Ketten oder Zahnkränzen mit Nachschub schwierig wird.

Produktionsstopps bei Marktführer Shimano wirken sich aus

Die Händler Höni und Fischer nennen das Beispiel Shimano, Marktführer bei vielen Anbauteilen. Das japanische Unternehmen produziert unter anderem in Malaysia. „Und wenn da wie aktuell eine komplette Produktionsstätte ruht, weil die Mitarbeiter in Quarantäne sind, dann merkt man das“, sagt Höni.

Zumal nicht nur Produktion sondern auch Logistik betroffen sind. „Da sind dann auch wieder Häfen in Asien dicht und es geht nichts raus“, sagt wiederum Megabike-Geschäftsführer Fischer. Bei vier bis sechs Wochen, die sowohl Teile als auch fertige Räder auf See in Containern gen Europa verbringen, wird so die komplette Lieferkette gesprengt.

Das führt dazu, dass etwa beim Kauf von Kompletträdern manche aktuellen Modelle aus 2021 durch die Hersteller gar nicht mehr nachgeschoben werden, oder aber Bestellungen für den Fachhandel erst jetzt mit Verzögerung eingehen. „Wir haben gut bestellt und mitunter treffen für März angekündigte Lieferungen erst jetzt ein“, sagt Ralf Höni.

Die Megabike Manasse GmbH unterhält je eine Filiale in Unna und Iserlohn. Der Filialchef in Unna, Andre Fischer, glaubt, dass die Radbranche noch bis 2023 mit unregelmäßigen Lieferungen aus Asien umgehen muss. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Nicht immer ist das Wunschrad noch zu haben

Grundsätzlich kommen Kunden also auch weiterhin an ein Neurad – unabhängig davon, ob dieses nun mit oder ohne elektrische Unterstützung fährt. Nur kann man sich eben nicht sicher sein, ob unter den geführten Marken der Fachhändler dann auch das eine spezielle Modell zu bekommen ist. „Das kommt wirklich sehr auf die Hersteller an, wie die produzieren konnten“, so Fischer.

Für Mitarbeiter in der Radbranche bedeutet die aktuelle Situation vor allem, dass Kunden die Umstände erklärt werden müssen. „Wir müssen schon öfter darstellen, warum wir eben manche Teile nicht bestellen können und in zwei, drei Tagen sind die auch da. So wie das etwa vor anderthalb Jahren noch der Fall war“, sagt Ralf Höni.

Andre Fischer meint dazu: „Gerade bei Kunden, die nicht so in der Materie stecken, ist Erklären nötig. Wer sich mit der Thematik regelmäßig befasst, der weiß eigentlich um die Umstände. Und es ist ja nicht so, dass andere Branchen nicht von der gleichen Problematik betroffen sind.“

Wann die Lieferketten wieder straffgezogen sind? „Ich persönlich glaube, dass das noch zwei Jahre dauern kann und sich die Lage erst 2023 wieder normalisiert“, sagt Andre Fischer.

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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Christian Greis

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