General aus Unna enthüllte Hitlers frühe Kriegspläne

dzHoßbach-Protokoll

Sein Name ist in Vergessenheit geraten, unter Historikern sind die Hoßbach-Protokolle jedoch eine der wichtigsten Quellen aus der NS-Zeit. Der Mann, der Hitlers frühe Kriegspläne enthüllte, stammt aus Unna.

Unna

, 21.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Friedrich Hoßbach ist es zu verdanken, dass die Nachwelt von den frühzeitigen Kriegsplänen Hitlers erfuhr. Der Wehrmachtsoffizier schrieb nach einem Vortrag des Diktators heimlich ein Gedächtnisprotokoll, das in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen ein wichtiges Beweismittel wurde.

Noch weniger als der General selbst dürfte heute der Umstand bekannt sein, dass Friedrich Hoßbach am 21. November 1894, also vor 125 Jahren, in Unna geboren worden ist.

Dürre Akte über Hoßbach im Stadtarchiv Unna

Im Stadtarchiv Unna findet sich eine dürre Akte über den hohen Militär, der 1980 hochbetagt in Göttingen verstarb. Margret Siegrist, Mitarbeiterin des Archivs, fand bei einer ersten Suche lediglich einige Zeitungsausschnitte mit Berichten über die weltberühmt gewordene Hoßbach-Niederschrift.

General aus Unna enthüllte Hitlers frühe Kriegspläne

Friedrich Hoßbach wurde als Sohn eines Oberlehrers am 21. November 1894 in Unna geboren. Als hoher Offizier der Wehrmacht widersetzte er sich im Januar 1945 in Ostpreußen einem Befehl seiner Vorgesetzten und trat mit seiner Armee den Rückzug an. Hitler entließ Hoßbach daraufhin persönlich. © Stadtarchiv Unna

Als Sohn eines Oberlehrers schlug Hoßbach eine militärische Laufbahn ein. Einer seiner Lehrer in der Reichswehr war übrigens Ludwig Beck, einer der Verschwörer des 20. Juli 1944, der als Staatsoberhaupt nach Hitler vorgesehen war, aber nach seiner Entdeckung in den Freitod getrieben und letztlich erschossen wurde.

Hoßbach selbst stieg 1934 zum „Adjutant der Wehrmacht beim Führer und Reichskanzler“ auf. In dieser hohen Position war er am 5. November 1937 zugegen, als Hitler in einem stundenlangen Monolog vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht, darunter Göring, seine Absicht eines Angriffskriegs in Europa offenbarte.

General aus Unna enthüllte Hitlers frühe Kriegspläne

Friedrich Hoßbach, geboren am 21. November 1894 in Unna, verfasste das berühmte Hoßbach-Protokoll, das die Kriegspläne Hitlers bewies. © Stadtarchiv Unna

Wenige Tage später schrieb der damalige Oberst Hoßbach stichpunktartig seine Erinnerungen an die von Hitler geschilderten Expansionspläne nieder. Es handelte sich also um alles andere als ein amtlich angeordnetes Protokoll, sondern eine privat und heimlich angefertigte Niederschrift.

Beweis für Hitlers Ziel eines Angriffskrieges

Die Alliierten legten in Nürnberg nicht zuletzt dieses Dokument als untrüglichen Beweis für das Ziel eines Angriffskrieges durch das Deutsche Reich vor.

Im Januar 1945, mittlerweile General, entließ Hitler persönlich Hoßbach, nachdem dieser sich einem Befehl widersetzt hatte und mit seiner Armee den Rückzug aus Ostpreußen antrat und die Zivilbevölkerung evakuieren ließ.

Überliefert ist, dass sich Friedrich Hoßbach kurz vor Kriegsende in Göttingen einen Schusswechsel mit Gestapo-Beamten lieferte, die ihn verhaften sollten. Die Schergen nahmen schließlich Reißaus. Später veröffentlichte Hoßbach seine Lebenserinnerungen „Zwischen Wehrmacht und Hitler“.

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