Wenn ab dem Sommer die „Brücke“ zu einem Begegnungszentrum umgebaut wird, müssen sich Gruppen und Kurse übergangsweise neue Räume suchen. Für einen Sprachkurs wird das schwierig.

Königsborn

, 15.01.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Posaunenchor, zwei Frauenhilfen, der Kirchenchor und der Seniorenkreis: Das Gemeindezentrum „Brücke“ der Evangelischen Kirchengemeinde ist Dreh- und Angelpunkt für viele Gruppen der Gemeinde. Sie alle werden ab dem Sommer übergangsweise in andere Räume ausweichen müssen: Dann soll der Umbau der „Brücke“ zu einem Begegnungszentrum im Rahmen des Projektes „Soziale Stadt Königsborn Süd-Ost“ umgebaut werden. Wie Stadtsprecher Christoph Ueberfeld im Gespräch mit unserer Redaktion sagt, werde man jetzt die Architektenleistung für den Umbau ausschreiben.

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„Wir werden wohl alle Gruppen verteilen können“, sagt die Königsborner Pfarrerin Susanne Stock auf Anfrage unserer Redaktion. Mit dem Kauf des Gemeindezentrums durch die Stadt Unna war klar, dass sich die Gemeindegruppen für die Dauer der Umbauarbeiten Übergangsquartiere werden suchen müssen. Die sind nun größtenteils gefunden; so werden beispielsweise der Posaunenchor und der Kirchenchor in der Kirche proben, wenn die „Brücke“ umgebaut wird.

„Wir werden wohl alle Gruppen verteilen können.“
Susanne Stock, Pfarrerin

Nach dem Umbau soll die „Brücke“ das Herzstück des Quartiersprojektes im Königsborner Südosten sein und als vielfältig nutzbares Begegnungszentrum zu einem offenen Treffpunkt werden. 988.000 Euro erhält die Stadt Unna dafür vom Land NRW als Förderung. Die kirchlichen Gruppen sollen die umgebaute „Brücke“ auch weiterhin nutzen können – diese Sicherheit hat die Gemeinde schon früh von der Stadt erhalten.

Für eine andere Nutzergruppe bedeutet der Umbau der Brücke allerdings ein echtes Problem: Der Deutschkurs mit Kinderbetreuung, den „In Via“ seit einem Jahr für Frauen anbietet, ist auf die Räumlichkeiten in der „Brücke“ angewiesen. Denn für den Kurs, der in seiner ersten Runde von 19 Frauen besucht wurde, braucht es zwei Räume, die möglichst nah beieinander sind: Während die Frauen in einem Unterrichtsraum Deutsch lernen, werden ihre Kinder im zweiten Raum pädagogisch betreut.

Große Nachfrage für Deutschkurs mit Kinderbetreuung

„Das Interesse an dem Kurs ist sehr groß“, sagt Johanna Wittling von In Via, „wenn ich wüsste, dass wir geeignete Räume hätten, dann würde ich sofort einen zweiten Kurs aufmachen können. Das Personal dafür haben wir.“ Doch da der Kurs über ein Jahr läuft, kann nun kein neuer in der „Brücke“ starten – in den Sommerferien müssen alle Gruppen aus der „Brücke“ raus, damit der Umbau starten kann.

In Via freut sich über Raumangebote

Sprachkurs mit Kinderbetreuung

  • Wer für das Konzept des Deutschkurses für Frauen mit Kinderbetreuung Räume zur Verfügung stellen kann, kann sich an Johanna Wittling von In Via wenden.
  • Zwingende Voraussetzung sind zwei Räume in nicht zu großer räumlicher Distanz zueinander, idealerweise in der Nähe des Unnaer Bahnhofes oder mit dem Bus gut erreichbar.
  • In Via zahlt für die Räume natürlich eine Miete. Johanna Wittling ist erreichbar unter (02303) 9861216 oder per Mail an jwittling@inviaunna.de.

„Ein Umzug mitten im Kurs wäre ungünstig, vor allem für die Kinder. Und dazu müssten wir überhaupt erstmal andere Räume haben, die genauso geeignet sind wie die hier in der Brücke“, so Wittling.

Ideal für den Kurs wären Räume in der Nähe des Unnaer Bahnhofs oder zumindest mit einer guten Erreichbarkeit per Bus. „Die Frauen müssen die Räume gut erreichen können, das ist genauso wichtig wie die Raumaufteilung mit einem Unterrichts- und einem Kinderbetreuungsraum“, erklärt Wittling. Über Angebote für solche Räume freut sie sich – dann könnte ein weitere Kurs bald starten.

Nicht nur der Bedarf dafür ist da, auch der Erfolg eines solchen Kurses hat sich mittlerweile gezeigt: In dieser Woche beenden 19 Frauen den ersten Kurs, 13 von ihnen haben in der abschließenden Prüfung das Sprachniveau B1 erreicht – dies gilt als nach dem europäischen Referenzrahmen für Sprachen als „selbständige Sprachanwendung“.

Der erste Deutschkurs für Frauen mit Kinderbetreuung von In Via ist beendet. Alle Frauen haben bestanden und teilweise sogar das Sprachniveau B1 erreicht.

Der erste Deutschkurs für Frauen mit Kinderbetreuung von In Via ist beendet. Alle Frauen haben bestanden und teilweise sogar das Sprachniveau B1 erreicht. © Anna Gemünd

„Das ist ein toller Erfolg, zumal viele der Frauen gerade mal ein halbes Jahr in Deutschland waren, als sie in den Kurs gekommen sind.“
Johanna Wittling von In Via freut sich über die bestandenen Sprachprüfungen der Frauen

„Das ist ein toller Erfolg, zumal viele der Frauen gerade mal ein halbes Jahr in Deutschland waren, als sie in den Kurs gekommen sind“, freut sich Johanna Witttling. Aus zwölf verschiedenen Ländern stammen die Frauen und jungen Mütter; ihre Kinder waren teilweise gerade mal wenige Monate alt, als ihre Mütter den Kurs begannen. „Meine Tochter ist hier groß geworden“, sagte eine Teilnehmerin über das Projekt, während sich alle vor allem darin einig waren, dass ein Kurs nur für Frauen eine sehr gute Idee sei.

Genau das war für Hilma Bischoff, eine der Lehrkräfte in dem Kurs, zunächst ein Grund, sehr skeptisch zu sein. „Ein Kurs nur mit Frauen? Ich hielt das erst für keine gute Idee, denn unsere Gesellschaft ist ja genau das Gegenteil: Hier machen Frauen und Männer viel mehr gemeinsam als in den meisten Ländern, aus denen die Frauen stammen“, sagt Bischoff.

Doch sie wurde schnell eines Besseren belehrt, wie sie rückblickend feststellt: „Das war ein richtig schöner Kurs, vor allem, weil man beobachten konnte, wie die Frauen es richtig genossen haben, unter sich zu sein und ihre Kinder gut versorgt zu wissen. In den Pausen haben sie sich viel untereinander unterhalten – auf Deutsch.“

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