Achtung, Seitenlader: Jeder zweite Unnaer stellt seine Gelbe Tonne falsch heraus

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Jahrzehnte lang war es in Unna keine große Herausforderung, die Mülltonnen richtig rauszustellen. Die neue Seitenladetechnik verlangt nun etwas Weiterbildung. Jeder Zweite macht es falsch.

Unna

, 24.01.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer Martin Mahler und seinen Kollegen Beine machen will, darf die Lektüre dieses Textes jetzt beenden. Der Fahrer eines Müllfahrzeuges müsste den Job der Ladehelfer künftig mit erledigen, dazu alle paar Meter seinen Lastwagen stoppen, herausklettern, eine Gelbe Tonne an den Haken hängen, wieder ins Fahrzeug klettern, weiterfahren und diesen Ablauf erneut beginnen. Und dann noch einmal. Und noch einmal.

Bei 18.000 Gelben Tonnen in der Stadt Unna wäre es eine Herkulesarbeit. Dass Mahler in Kürze tatsächlich allein auf Tour gehen soll, macht ein mechanischer Kollege möglich. Seit Jahresbeginn fährt die GWA auch in Unna mit Seitenladerfahrzeugen. Sie funktionieren erstaunlich gut – allerdings nur, wenn der Bürger mithilft.

Der Hinweis im Abfallkalender kam offenbar nicht überall an

Die meisten Unnaer scheinen derzeit nicht einmal zu wissen, dass ihre Hilfe nötig ist. Im Abfallkalender, der vor einigen Wochen verteilt wurde, steht es zwar. Aber wer liest ihn schon? Der Anlauf der neuen Technik geschieht jedenfalls mit viel Rumpeln. Mehr als jede zweite Gelbe Tonne in Unna wird nicht so an die Straße gestellt, wie es für den Einsatz des Seitenladers nötig wäre, erklärt Thomas Baader, Prokurist bei GWA Kommunal.

Achtung, Seitenlader: Jeder zweite Unnaer stellt seine Gelbe Tonne falsch heraus

Thomas Baader von GWA Kommunal zeigt, warum es wichtig ist, dass die Tonne richtig herum steht: So kann der Arm die Tonne nicht greifen. © Marcel Drawe

In anderen Städten und Gemeinden ist die Technik schon etabliert

Die Unnaer sind nicht nachlässiger als die Bürger aus den Nachbarstädten. Aber: Sie stehen jetzt vor einer Aufgabe, die für sie völlig neu ist. In anderen Kommunen nämlich kennen die Bürger die mit nur einem Mann besetzten Müllfahrzeuge schon von ihren örtlichen Müllabfuhren. In Unna aber setzen die Stadtbetriebe bei der Abholung von Restmüll, Biomüll und Altpapier noch auf die klassischen Hecklader mit menschlichem Bediener. Die kreiseigene GWA ist in Unna die erste Abfallgesellschaft, deren Autos sich die Tonneninhalte seitwärts einwerfen.

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Probleme bei der Einführung der Technik hat es andernorts auch schon gegeben, wenn sie dort erstmals zum Einsatz kam. Dementsprechend hat sich die GWA Kommunal auf die Anlaufprobleme in Unna eingestellt. In der ersten Zeit werden die Einhandsammler noch regulär von menschlichen Helfern begleitet. Sie stellen die Tonnen so auf, wie sie stehen sollten, und hängen den Bürgern bei Bedarf noch einen „Denkzettel“ mit einer Anleitung an die Tonne.

Achtung, Seitenlader: Jeder zweite Unnaer stellt seine Gelbe Tonne falsch heraus

Mit dieser Grafik fasst die GWA zusammen, wie es richtig funktioniert. © GWA

Wie es ideal läuft, erklärt Thomas Baader auch gegenüber unserer Redaktion: Gelbe Tonnen sollten mit den Tonnengriffen zur Hauswand und mit den Deckelgriffen zur Straße stehen, nicht mehr als einen Meter von der Bordsteinkante entfernt in Reih‘ und Glied, dabei aber zu Pärchen gruppiert. Je zwei Tonnen stehen auf Stoß aneinander. Zum nächsten Paar aber sollten mindestens 20 Zentimeter Abstand sein. Die Größe der nebeneinander stehenden Tonnen aber darf sich durchaus unterscheiden.

Weniger Personal bei der Abfuhr, aber keine Kündigungen

So aufgestellt können die Gelben Tonnen künftig leicht von einem einzelnen Menschen in einer großen Maschine entleert werden. Arbeitsplatzabbau bedeute dies nicht, stellt Thomas Baader klar. „Niemand wird gekündigt. Wir brauchen die Kollegen für andere Aufgaben.“

Achtung, Seitenlader: Jeder zweite Unnaer stellt seine Gelbe Tonne falsch heraus

Fahrer Martin Mahler bedient das Fahrzeug ganz allein. Die sogenannte Ladegabel bedient er mit dem Joystick. © Marcel Drawe

Gänzlich wird die Abfuhr der Gelben Tonne übrigens nicht mit dem Seitenlader funktionieren. In einigen Quartieren der Stadt seien die örtlichen Gegebenheiten dafür ungünstig.

Fahrer Martin Mahler indes ist zuversichtlich, dass auch für die Unnaer die neuen Regeln des Tonnenrausstellens bald zur Gewohnheit werden. Zuletzt steuerte er sein Seitenladerfahrzeug durch Kamen. Auch dort muss er bisweilen aussteigen, um eine falsch aufgestellte Tonne richtig auszurichten. Aber nur zweimal am Tag in etwa.

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