Gefängnisstrafen für Bande von Autodieben – zwei von 30 Autos in Unna gestohlen

dzAutodiebstahl

Für eine ganze Reihe von Autodiebstählen schickt das Landgericht Bielefeld jetzt eine vierköpfige Bande hinter Gitter. Die Polen hatten auch in Unna zwei Fahrzeuge erbeutet.

von Ulrich Pfaff

Unna

, 23.08.2019, 09:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Diebe hatten es auf Autos mit neuester Technik abgesehen –­ weil sie einfacher zu stehlen sind. Neudeutsch nennt man es „Keyless-Go“: Fahrzeugbesitzer können ihr Auto ganz bequem per Funkschlüssel öffnen und starten. Ebenso bequem können Autodiebe die Funksignale mittels spezieller Geräte auffangen und verlängern, sodass sie ohne den richtigen Schlüssel trotzdem mit dem Wagen wegfahren können.

30 Wagen für fast eine Million Euro

Fast eine Million Euro wert waren die 30 Autos, die der Bande von August bis Dezember vergangenen Jahres vorwiegend im Sauerland und Ostwestfalen in die Hände fielen und die sie schließlich auf die Anklagebank im Landgericht Bielefeld brachten. Die Staatsanwaltschaft geht von einer noch höheren Zahl von Taten aus, die jedoch nicht zur Anklage gebracht wurden. Die Pkws landeten fast alle in Polen, wurden dort entweder zerlegt und in Einzelteilen zu Geld gemacht oder weiterverkauft.

Toyota und Mitsubishi in Unna gestohlen

Als zentraler „Umschlagplatz“ diente ein Parkplatz am Möhnesee: Dorthin wurden die Fahrzeuge direkt nach dem Diebstahl gefahren, spätestens dort mit fremden Kennzeichen versehen, und nach Polen weiter verschoben – mit stets laufenden Motoren, die sich nämlich ohne den zum Fahrzeug gehörenden Schlüssel nicht mehr starten lassen. Diesen Weg gingen auch zwei Autos, die am 18. August in Unna gestohlen worden waren: ein Toyota und ein Mitsubishi, beide jeweils im Wert von 25.000 Euro.

Zugriff im Sauerland

Seit Mitte Juni mussten sich die vier Männer im Alter von 30 bis 39 Jahren, zwei von ihnen mit Wohnsitz in Arnsberg und Hamburg, vor der 21. Großen Strafkammer des Landgerichts Bielefeld verantworten – wegen schweren Bandendiebstahls. Die Polizei hatte sie kurz vor Weihnachten nach längeren Ermittlungen „eingekreist“ und im Sauerland auf frischer Tat gestellt.

Strafnachlass für Geständnis

In dem fünftägigen Prozess machten alle vier von der Gelegenheit Gebrauch, bei einem Geständnis einen Strafnachlass zu bekommen: ein Entgegenkommen des Gerichts, weil sich so die Verfahrensdauer erheblich abkürzen ließ. Verurteilte Täter müssen der Justiz einen Betrag in Höhe des Beutewerts abliefern, aber aus „prozessökonomischen Gründen“ verzichtete die Strafkammer auch auf die übliche Einziehung von so genanntem Wertersatz: Der sei nämlich „nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand genau zu ermitteln“, betonte der Richter. Zumal es sich bei den Beutefahrzeugen keineswegs ausschließlich um hochpreisige handelte. Geklaut wurden sowohl Sportwagen wie Mittelklasse-Pkws und SUVs.

Geld für neues Kosmetikstudio

Wo die über 14.000 Euro gelandet waren, die er aus den Diebstählen erlöst hatte, erklärte der in Hamburg lebende Angeklagte: Er hatte seiner Frau den Aufbau eines Kosmetikstudios und eines Kebab-Imbisses in seiner polnischen Heimatstadt finanziert. Nachdem er geschnappt worden war und weitere „Finanzspritzen“ nicht mehr hatte leisten können, sei seine Ehe in die Brüche gegangen.

Bis zu vier Jahre Gefängnis

Die ausgeurteilten Haftstrafen liegen je nach Anzahl der einzelnen zugeordneten Tathäufigkeiten zwischen vier Jahren bzw. drei Jahren und neun Monaten für die beiden Haupttäter sowie dreieinhalb Jahren und 27 Monaten für die beiden aus Polen eingereisten Bandenmitglieder.

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