Unnas Gartenvorstadt geht im Reigen der einzelnen Ortsteile immer ein bisschen unter. Zu Unrecht, wie Karl Thorwarth und Hubertus Luhmann finden. Die beiden haben der Gartenvorstadt jetzt ein Buch gewidmet – eine Frage bleibt aber dennoch unbeantwortet.

von Sebastian Pähler

Unna

, 16.12.2019, 15:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viel ist über Unna und seine einzelnen Stadtteile geschrieben worden. Ein ganz eigenes Siedlungsgebiet war bislang allerdings beinahe ein weißer Fleck auf der literarischen Landkarte. Mit ihrem Buch „Gartenvorstadt gestern und heute“ haben Hubertus Luhmann und Karl Thorwarth dies nun geändert und legen die erste Chronik der Südstadt vor.

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Bewegter Stadtteil

Bewegt und eigentümlich ist die Geschichte der Südstadt und ganz besonders der sogenannten Gartenvorstadt. „Die gesamte Gartenvorstadt bestand zunächst aus drei Bauernhöfen“, berichtete Karl Thorwarth, der seit 1972 selbst hier lebt. Von diesen Höfen existiert heute noch der Bauernhof Rusche an der Feldstraße.

Die Besiedlung begann 1936 an der Ackerstraße. Bergleute und Angestellte von Post, Eisenbahn und Stromag waren die ersten Siedler.

Großbauprojekt und Vorzeigesiedlung

So wie man sie heute kennt entstand die Siedlung dann in den 60er Jahren mit einem Großbauprojekt. „Es war eine Vorzeigesiedlung für die junge Bundesrepublik“, erinnerte Luhmann, der als Stadtteilpolizist die Gartenvorstadt genau kennt. eben den reinen Fakten haben Thorwarth und Luhmann aber auch Interessantes, Skurriles und fast schon Vergessenes über die Südstadt aufgestöbert.

Britischer Bomber stürzte im Zweiten Weltkrieg ab

So schildern sie etwa den Absturz eines britischen Bombers im Zweiten Weltkrieg. Oder sie erinnern an die Entstehung des Brockhausplatzes, den Bau des Jona-Hauses oder die Dreharbeiten zu Peter Thorwarths „Unna-Trilogie“. Auch berichten sie über die Zeche, die es hier einmal gab, den verschwundenen Minigolfplatz oder den Teich an der Falkstraße, der zur Bewässerung der Ziegelei existierte.

Von wegen „weißer Fleck“ auf Unnas Stadtplan: Über die Gartenvorstadt gibt es jetzt ein Buch

Zahlreiche Fotos erlauben einen Blick in die Vergangenheit, wie etwa hier beim Richtfest des Jona-Haus. © Karl Thorwarth

Über zwei Jahre Arbeit

In der Chronik fehlen darf auch nicht die Gründung des „Runden Tisches“, mit dem Bürger, Evangelische Kirche, Stadt und Polizei im Jahr 2000 auf die steigende Kriminalität und soziale Probleme in der Südstadt reagierten. In diesem liegt auch der Ursprung für das neue Buch.

„Es war eine Vorzeigesiedlung für die junge Bundesrepublik.“
Hubertus Luhmann

Seit 2007 bringt der Runde Tisch nämlich eine Stadtteilzeitung heraus, die über Ereignisse und Einrichtungen in der Südstadt informiert. „Es entstand dann die Idee, über die Geschichte der Gartenvorstadt zu berichten“, erklärte Hubertus Luhmann. Als Stadtteilpolizist kannte er viele Anwohner, die gerne ihre Erinnerungen teilten.

Karl Thorwarth lebt in der Gartenvorstadt beinahe seit ihrer Entstehung und hat ihre Entwicklung miterlebt und an vielen Stellen mitgestaltet. Zweieinhalb Jahre lang haben die beiden in der Stadtteilzeitung Artikel über die Geschichte vorgestellt. „Aber so eine Zeitung landet schnell im Müll, darum wollten wir mit dem Buch etwas Bleibendes machen“, stellte Thorwarth fest. Außerdem war während den Gesprächen und der Recherche im Stadtarchiv so viel Material zusammengekommen, das schnell klar war, dass es den Rahmen der Stadtteilzeitung schnell sprengen würde.

Auflage von 200 Exemplaren

Akribisch und mit vielen Fotos, Zeitzeugenberichten und Karten hat das Autorenduo in seiner Freizeit die Geschichte der Gartenvorstadt erstmals komplett nachgezeichnet und so die Stadtgeschichte um ein weiteres Kapitel ergänzt.

„Kein Mensch weiß das.“
Karl Thorwarth über die Frage, woher der Name „Gartenvorstadt“ stammt

In einer Auflage von zunächst 200 Exemplaren ist das „Gartenvorstadt gestern und heute“ über das Stadtteilzentrum Süd im Erlenweg 10 erhältlich.

Bei entsprechender Nachfrage sollen weitere Exemplare nachgedruckt werden. Der Preis von zehn Euro setzt sich zum größten Teil aus den Herstellungskosten zusammen. Der Gewinn ist als Spende für das Heilig Geist Hospiz gedacht.

Nur eine Frage konnten Luhmann und Thorwarth nicht klären, woher eigentlich der Name „Gartenvorstadt“ stammt. „Kein Mensch weiß das“, so Thorwarth. Vermutlich hat der Volksmund ihn hervorgebracht, da zu den ersten Häusern auch ein kleiner Garten zum Bewirtschaften gehörte.

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