Ganz Lünern hilft bei der Suche nach dem genetischen Zwilling von Annette Mattick

dzTypisierung

Die Hilfsbereitschaft war überwältigend: Scheinbar das ganze Dorf Lünern war am Samstag auf den Beinen, um sich für die DKMS als Knochenmarkspender typisieren zu lassen. Doch der Weg ist noch weit.

von Dominik Pieper

Lünern

, 15.12.2019, 12:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Winfried Mattick bekam vor lauter Staunen den Mund kaum zu. Schon in der ersten Stunde der Typisierungsaktion der DKMS im Ludwig-Polscher-Haus kamen am Samstag mehr als 100 Freiwillige. Im Laufe des Nachmittags stieg diese Zahl weiter rasch an, so dass am Ende insgesamt 277 Menschen ihre genetischen Daten durch einen kleinen Wangenabstrich hinterließen. Der Erlös aus der Typisierungsaktion in Lünern betrug 3.649,65 Euro.

Große Solidarität der Menschen in Lünern

Für Winfried Mattick und seine beiden Töchter Sarah und Annika war die Hilfsbereitschaft der Menschen im Dorf schlichtweg überwältigend. Dass so viele Menschen kamen, zeige die Solidarität und den Zusammenhalt im kleinen Lünern. Augenscheinlich das ganze Dorf war unterwegs, ließ sich typisieren oder half bei der Organisation des Tages mit. Aber auch viele Bekannte und Interessierte aus umliegenden Orten kamen nach Lünern - die Parksituation um das Polscher-Haus jedenfalls war im besten Wortsinn angespannt.

Annette Mattick dankte persönlich allen Freiwilligen

Sie alle hoffen, dass sie vielleicht der berühmte genetische Zwilling von Annette Mattick sind, um der Frau aus Lünern helfen zu können. Lymphdrüsenkrebs lautet die Diagnose für die 52-Jährige, die es sich trotz erst kürzlich ausgestandener Lungenentzündung nicht nehmen ließ, bei der Typisierung dabei zu sein. Gerne hätte Annette Mattick jeden einzelnen in den Arm genommen - wegen der Ansteckungsgefahr mit für sie leider oftmals nicht harmlosen Viren und Bakterien blieb sie aber auf Distanz, um aus einiger Entfernung heraus alle Freiwilligen nicht minder herzlich zu begrüßen.

Die Typisierung dauert nur zehn Minuten

Mit Unterstützung der DKMS, bekannt als Deutsche Knochenmarkspenderdatei, organisierten die Matticks mit Freunden zusammen die Typisierung im Ludwig-Polscher-Haus. Dass mit vergleichsweise geringem Aufwand solch ein tolles Ergebnis heraus kommt, ist für Pamela Kölbl von der DKMS keineswegs selbstverständlich. Gerade in Dörfern sei der Zusammenhalt groß, daher ist die Zahl der Typisierungen hier meist besonders hoch. „In Städten müssen sie meist erst viele Anträge stellen, bis sie überhaupt irgendwo einen Raum bekommen“, weiß Kölbl. Das dörfliche Leben habe hier schon viele Vorteile. Zumal die eigentliche Typisierung nicht schmerzhaft sei. Zehn Minuten dauert es von der Aufnahme der Daten bis zum fertigen Wangenabstrich. Fertig.

Dass aus der Aktion am Samstag in Lünern tatsächlich ein Knochenmarkspender für Annette Mattick hervor geht, ist sehr unwahrscheinlich. Doch aus jeder Typisierungsaktion wird meist mindestens ein Freiwilliger irgendwann auch zum Spender. Die DKMS registriert auch, wann und wo sich jemand typisieren ließ und meldet an die Organisatoren dann auch gern zurück, dass dank ihrer Aktion einem anderen krebskranken Menschen geholfen werden konnte.

Familie kämpft weiter gegen den Krebs

Winfried Mattick und seine Familie und Freunde hoffen natürlich, dass auch für Annette bald ein Spender gefunden wird. Derzeit laufen die Tests, ob aus Reihen der Familie jemand in Frage kommt. Bald soll es nach überstandener Infektion mit der Behandlung an der Uniklinik in Münster weitergehen. Die Typisierung vom Samstag gebe Hoffnung und Mut zugleich, den Kampf gegen den tückischen Krebs aufzunehmen. Lünern jedenfalls hat ordentlich mitgeholfen - wenn vielleicht auch nicht für Annette Mattick, dann für einen anderen kranken Menschen.

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