Jona Schulze-Borgmühl und Joke Faß machen sich um die Arche verdient. Eines der Bildelemente auf der 21 Meter langen Wand, die beim Graffiti-Workshop verschönert wird. © Christoph Schmidt
Workshop

Ganz coronakonform: So schön kann legales Graffiti sein

21 Meter Wand werden bunt. Die Königstraße in Hemmerde bekommt in einem mehrtägigen Graffiti-Workshop einen neuen Hingucker, dank zwölf Paar fleißiger Hände und Andi „Fez Apple“ Milcke.

Zwölf Kinder und Jugendliche fallen mit Sprühdosen über eine 21 Meter lange Wand her, und das ist eine sehr gute Nachricht. „In der Corona-Zeit ist das eigentlich die perfekte Projektgestaltung. Es ist an der frischen Luft und eine Maske trägt man beim Sprühen ja sowieso“, freut sich Ulrike Faß, dass der Graffiti-Workshop zustande gekommen ist. Sie ist Jugendreferentin der Kirchengemeinde und hatte im Februar die Idee für das Projekt. Dann ging alles recht schnell, so schnell, dass sogar die beantragten Mittel aus dem Kulturrucksack noch gar nicht zugesagt sind. Das Projekt ging aber trotzdem schon los, zu gut fanden alle die Idee.

Workshop läuft seit Dienstag nach Ostern

„Wir haben dann hier an der Wand am Dienstag nach Ostern angefangen mit den Kindern die Ideen zu brainstormen und Skizzen zu gestalten“, sagt Andreas „Fez Aplle“ Milcke. Er leitet den Workshop und ist in Unna schon von anderen Graffiti-Projekten, wie am Jona-Haus oder am Taubenschlag bestens bekannt. Das Thema ist die Arche Noah und auf der langen Wand an der Königstraße sind schon einige Tiere und auch die Arche selbst zu erkennen. „Mach du mal hier unterhalb das Wasser noch etwas dunkler, also dann nach unten immer dunkler werden, da kommt ja auch in echt weniger Licht hin“, ruft er in Richtung Wand. Dort sind Jona Schulze-Borgmühl und Joke Faß gerade dabei, die letzte Schicht Farbe aufzutragen. „Ich interessiere mich selbst sehr für Graffiti und habe auch bei uns im Garten schon mal ein bisschen gesprüht. Im Workshop hier kann ich eine Menge dazulernen“, erzählt der Jugendliche. Für Joke zählt das Gesamtkunstwerk: „Ich freue mich darüber, dass die Wand hinterher viel schöner und bunter aussieht als vorher.“

Andreas “Fez Apple” Milcke zeigt den jungen Workshopteilnehmern, wie man eine Spraydose richtig bedient, dann kommt am Ende auch Kunst dabei raus. © Christoph Schmidt © Christoph Schmidt

Das Wetter forderte eine kleine Unterbrechung

Anfang der vergangenen Woche musste der Workshop für einen Tag aussetzen, das Wetter war so gar nicht geeignet, um im Freien Farbe auf eine Wand anzubringen. Wenn das Kunstwerk fertig ist, ist es aber wetterbeständig. Profi Milcke erklärt: „Das sind ja extra Outdoor-Lacke, die halten das aus.“

Andreas „Fez Apple“ Milcke verleiht der Wand den letzten Schliff

So ganz fertig war die Wand noch nicht, als die Redaktion am vergangenen Freitag zu Besuch im Workshop sein durfte. Den letzten Schliff ans Werk setzt der Künstler dann selbst. „Ich muss mal schauen, wann ich das hier am besten machen kann. Am Wochenende ist wieder Regen angesagt – vielleicht Anfang der Woche.“

Für so eine lange Wand geht reichlich Farbe drauf. © Christoph Schmidt © Christoph Schmidt

Graffiti-Workshops für Kinder und Jugendliche leitet der Künstler schon lange.

Kodex: „Each one teach one“

„Das ist eine schöne Möglichkeit, Jugendlichen zu zeigen, was man mit Sprühdosen machen kann. Dabei kann man auch erklären: ,Stromkasten ist illegal – und so geht es in schön‘.“ Für ihn zählt der Grundsatz „Each one teach one“, also übersetzt: „Jeder unterrichtet einen“ – das sei aber als Kodex in der Community heute nicht mehr so Gang und Gebe. Ein Grund mehr für ihn, sich zu engagieren. Und apropos Community, von der gab es für das aktuelle Projekt in Hemmerde schon reichlich Zuspruch. „Ich habe auf Instagram schon viel positives Feedback bekommen.“

Es geht bei dem Workshop nicht nur darum zu zeigen, wie man richtig sprüht, sondern auch um das Verständnis, wo es geht und wo nicht. © Christoph Schmidt © Christoph Schmidt

Suche nach der nächsten Fläche läuft schon

Wie es nicht so schön geht, sieht man nur einen Steinwurf von der Königstraße entfernt, dort sind nämlich recht hässliche Schmierereien an einem Gebäude der Stadtwerke zu sehen. „Wenn die sich bei uns melden, können wir denen das auch schön machen“, sagt Jugendreferentin Ulrike Faß und lacht. „Dann hätten wir schon etwas für den nächsten Workshop.“

Über den Autor
1982 in Dortmund geboren. Abi in Holzwickede, Journalistik-Studium wieder in Dortmund. Seit 2013 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Freut sich über die spannende Herausforderung, den Wandel eines Traditionsverlags hin zu einem modernen, familiengeführten Multimedia-Unternehmen zu begleiten.
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Christoph Schmidt

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