So soll die neue Fußgängerzone einmal aussehen. Betonsteinpflaster in verschiedenen Grau-Nuancen ersetzt die alten Klappersteine. Jetzt nimmt die neue Massener Straße Form an. © Marcel Drawe
Massener Straße

Fußgängerzone nimmt Formen an, erster Teil aber erst im März fertig

Die Arbeiten an der neuen Fußgängerzone laufen auf Hochtouren. Geschäftsleute und Passanten müssen viele Einschränkungen in Kauf nehmen, sehen jetzt aber auch endlich: Am Ende lohnt es sich.

Nach schwierigen und langwierigen Vorarbeiten nimmt der erste Bauabschnitt der neuen Fußgängerzone Form und Farbe an. Wann das Projekt abgeschlossen wird, ist weiterhin ungewiss. Zug um Zug wird jetzt aber erkennbar, dass die Unnaer Innenstadt hier ein ganz neues Gesicht bekommt.

Im März 2022 sollte der erste Teil der neuen Fußgängerzone inklusive der Hertingerstraße nach ursprünglichem Plan fertig sein. „Es ist absehbar, dass es länger dauern wird“, sagt Bernd-Robert Kreienbaum von der Stadt Unna, der Projektleiter. Er erinnert an die Vorarbeiten, die sich länger hingezogen hätten als ursprünglich geplant. Im Altstadt-Untergrund musste viel von Hand geschachtet werden. Versorger wie die Stadtwerke verlegten neue Leitungen und mussten sich mit den Anliegern und Gewerbetreibenden abstimmen. Der Geschäftsbetrieb in diesem Kernbereich der Innenstadt soll nach Möglichkeit immer weiterlaufen.

Massener Straße eventuell im März fertig

Einen aktualisierten Zeitplan gebe es derzeit noch nicht, sagte Kreienbaum bei einem Ortstermin. Offensichtlich können an diesem Wochenende zur Autoschau mit verkaufsoffenem Sonntag keine Autos auf der Massener Straße gezeigt werden. Zum Weihnachtsmarkt soll ein Stück der Straße ab dem Alten Markt fertig sein. Zur Festa Italiana, geplant für Ende Mai 2022, soll die Fußgängerzone möglichst bis zum Lindenplatz fertig sein. Vielleicht früher: Unnas Erster Beigeordneter Jens Toschläger rechnet mit März 2022 als Ende für den Abschnitt Massener Straße.

Projektleiter Bernd-Robert Kreienbaum erläuterte den Fortschritt der Bauarbeiten in der Massener Straße. © Raulf © Raulf

Für diese Großveranstaltungen werde das neue Pflaster bestmögliche Bedingungen liefern. Es werden Fundamente für die Festa-Beleuchtung eingebaut. Möblierungen wie Bänke werden so geplant, dass sie einfach ab- und nachher wieder aufgebaut werden können. Neuartige Lichtkunst wird demnächst Akzente setzen in der neuen Fußgängerzone. An mehreren Stellen werden Lichtbänder in den Boden eingelassen, die von einem Lichtkünstler bespielt werden. Sie sollen „nahezu unzerstörbar“ sein. Die Leuchtstreifen sind im ersten Pflasterabschnitt zwar noch nicht aktiv, aber bereits erkennbar. „Man sieht vielleicht nicht immer viel, aber der Fortschritt ist da“, sagt Projektleiter Kreienbaum.

Zwölf Kubikmeter Erde für jeden Baum

Und Bäume wird es auch geben. Zwölf Amberbäume – ohne riechende Früchte, dafür mit vor allem im Herbst schönem Laub – sollen gepflanzt werden. Auch dahinter steckt Aufwand und Zeit. Immer wieder wird kritisiert, dass bei früheren Bauprojekten in Städten Bäume zu wenig Platz hatten und sie deswegen leiden und frühzeitig sterben. „Dem Baum wird jetzt Raum gegeben“, sagt Kreienbaum. Zwölf Kubikmeter wurzelbaren Untergrund soll jede der neuen Pflanzen bekommen.

Die neue Fußgängerzone soll so weit es geht komfortabel auch für Behinderte sein. Das künftig glatte Pflaster wird vielen den Weg erleichtern. Sehbehinderte können sich an taktilen Elementen im Boden orientieren. Diese Steine sind zusätzlich schwarz, also besser sichtbar für Menschen mit eingeschränktem Sehsinn. Das neue Pflaster an sich ist hellgrau gesprenkelt, in der Mitte der Straße ist der Streifen eine Nuance dunkler.

Die Pflasterarbeiten laufen im Abschnitt direkt am Markt. Weiter in Richtung Lindenplatz rangieren oder stehen Maschinen und Material, Versorgungsleitungen wurden schon umgelegt. © Raulf © Raulf

Die 14 Zentimeter hohen Steine sollen auch den extremen Belastungen von Festen und Lieferdiensten standhalten. Man geht von einer etwa 30-jährigen Lebensdauer aus. Das wäre nicht möglich bei porösen Steinen. Durch solche könnte theoretisch Oberflächenwasser versickern. Dies mag sinnvoll erscheinen bei der riesigen Fläche und mit Blick auf Starkregen, ist aber nicht möglich. Regenwasser soll über Entwässerungsrinnen und Sinkkästen mit berechnetem Fassungsvermögen abfließen.

Daueraufgabe: Abläufe absprechen

Eine Herausforderung bleibt die Planung der Abläufe und die Abstimmung mit allen Beteiligten. Die Verantwortlichen versuchen, dass der Betrieb in der Fußgängerzone so weit wie möglich weiterlaufen kann. So soll beispielsweise ein Cafébetreiber auch direkt an der Baustelle Menschen bei schönem Wetter draußen bewirten können. Die Fläche für die Außengastronomie wird ein Stück verlegt, je nachdem, wo gerade gegraben oder gepflastert wird. Mit den Geschäftsleuten stimme man sich ebenso ab wie mit den Verantwortlichen für den Wochenmarkt. Immer wieder gibt es Fragen oder Anregungen. Kreienbaum: „Die haben alle meine Nummer.“

Noch wichtiger, im Zweifel lebenswichtig, sind Absprachen mit Feuerwehr und Rettungsdienst. So entspricht es einer Auflage, dass das Baufeld jeweils nur 40 Meter lang sein darf. Immer nach Feierabend müssen Hindernisse so weit zur Seite geräumt werden, dass Blaulichtfahrzeuge ungehindert durchkommen.

Fußgänger müssen sich aktuell durch einen „Flaschenhals“ neben der Pflasterfläche quetschen. Sind die aktuellen Arbeiten auf der Südseite der Straße abgeschlossen, wird der jetzige Durchgang an der Nordseite gepflastert. Erst dann soll die Pflasterbaustelle weiter Richtung Lindenplatz wandern.

Bauarbeiten auch in der Wasserstraße

In der anderen Richtung wird auch seit Wochen gebaut. Die Arbeiten in der Wasserstraße sind direkt neben der Großbaustelle Fußgängerzone, haben aber einen etwas anderen Hintergrund. Dort wird das Gehwegpflaster erneuert und in dem Zuge auch die Stadtwerke-Anschlüsse. Fertigstellungstermin ist voraussichtlich Mitte oder Ende Oktober.

Über den Autor
Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf

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