Die mit Spannung erwartete Auswertung des Verkehrsversuchs am Kreishauskreisel in Unna liegt jetzt vor: Der Ampelversuch soll zu einer Dauerlösung werden. Ein Gutachter bescheinigt eine Abnahme der Extremstaus.

Unna

, 14.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Versuchsweise hatte die Stadt auf Empfehlung eines Verkehrsgutachters die Verkehrsführung für Fußgänger und Radfahrer an der Viktoriastraße verändern lassen. Der ursprüngliche Überweg ist abgesperrt, eine Fußgängerampel regelt das Überqueren der Straße. Und so soll es bleiben. Die Stadt Unna hat die Ergebnisse eines Verkehrsgutachtens veröffentlicht und empfiehlt nun die dauerhafte Einrichtung einer Ampel.

90 Prozent weniger Staus bis zum Ostring

Im Januar 2019 hatte die Stadt den Zebrastreifen, der direkt neben dem Kreisel über die Viktoriastraße führt, absperren lassen. Fußgänger und Radfahrer werden seitdem umgeleitet über eine neue Querung 30 Meter in Richtung des Netto-Markts. Dort müssen sie eine Ampel betätigen, die sie dann bei Grün über die Straße lässt. Nur noch „im Pulk“ statt wie vorher in losen Gruppen gehen nun Fußgänger über die Viktoriastraße.

Das von der Stadt beauftragte Gutachterbüro hat ermittelt, dass mit der Ampelregelung die extrem langen Rückstaus, die über die Kantstraße bis durch den Ringtunnel reichten, um 90 Prozent zurückgegangen seien. Besonders zur Mittagszeit reichten Staus vor dem Verkehrsversuch mitunter bis zurück auf den Ostring. Dies geschah besonders zu den Zeiten, wenn an der Viktoriastraße besonders viele Fußgänger „ungesteuert“ die Straße überquerten und den Verkehr aufhielten. Mit der Fußgängerampel verlagert sich das Stauende tendenziell in den Tunnel. Dass sich Autos bis in den Tunnel oder bis in den Bereich Poststiege/Tunnelausgang stauen, passiert jetzt um 41 Prozent häufiger als vor dem Ampelversuch.

Weniger Extremstaus: Fußgängerampel an der Viktoriastraße soll dauerhaft Verkehr regeln

Staus gibt es immer noch von der Kantstraße zurück. Es sind sogar mehr als vor dem Ampelversuch, aber sie sind nicht mehr so extrem lang. © Smulka

Besserer Kreisel zieht mehr Verkehr an

Die Zahl der Rückstaus, die über den Knotenpunkt Kantstraße/Poststiege hinausreichen, sei insgesamt um zehn Prozent angestiegen. Der Gutachter führt dies auf eine Zunahme der Verkehrsstärken zurück. Durch die Fußgängerampel sei der Kreisverkehr in seiner Leistungsfähigkeit für den Kfz-Verkehr verbessert worden. Stadtverwaltung und Gutachter gehen davon aus, dass Autofahrer dass im Lauf der Wochen festgestellt haben und viele deswegen ihre Routenwahl verändert haben. Sprich: Mancher, der zuvor den Kreisel gemieden hat, fährt jetzt wieder hindurch. Auf der Kantstraße wurden nach Einrichtung der Ampel nachmittags acht Prozent mehr Autos festgestellt als vorher.

Fazit: Mühlencenter besser mit Viktoria-Ampel zu erschließen

Hintergrund des Verkehrsversuchs und eines Vergleichs von Vorher- und Nachher-Zählungen war die geplante Ansiedlung eines neuen Einkaufszentrums auf dem Gelände der Mühle Bremme.

Weniger Extremstaus: Fußgängerampel an der Viktoriastraße soll dauerhaft Verkehr regeln

So könnte das neue „Mühlencenter“ einmal von der Bahnhofstraße aus aussehen. Das Architekturbüro Deterding zeigte diesen Entwurf im März 2018. © Architekturbüro Deterding

Vor allem nachmittags werde das „Mühlencenter“ zu einer Zunahme des Verkehrs führen, so wurde es bereits prognostiziert. Grundsätzliche verkehrliche Einwände gegen diese Ansiedlung auch ohne eine Ampel an der Viktoriastraße seien auch in einem Gutachten von Oktober 2016 nicht genannt worden. Aber die Regelung am problematischsten der Fußgängerüberwege am Kreisel sollte zu einer Verbesserung beitragen. Im Ergebnis treten nun etwas mehr Staus auf, dafür sind sie kürzer. Fazit von Stadt und Gutachter: Insgesamt habe sich nun bestätigt, „dass die Signalisierung tatsächlich zur Steigerung der Leistungsfähigkeit des Kreisverkehrs führt“, heißt es in einer Zusammenfassung des Gutachtens für den Stadtrat.

Weniger Extremstaus: Fußgängerampel an der Viktoriastraße soll dauerhaft Verkehr regeln

Die Querungshilfe für Fußgänger und Radfahrer an der Viktoriastraße ist abgesperrt, eine Ampel regelt den Verkehr. So soll es dauerhaft bleiben. © Planungsbüro Blanke/Ambrosius


Provisorium bleibt noch bestimmt ein Jahr

Der Rat soll nun die dauerhafte Einrichtung einer Ampel beschließen. Damit einher gehen Umbaumaßnahmen: Fuß- und Radwege sollen am bisherigen Zebrastreifen vorbei und zur neuen Querung hin verlegt werden. Diese wiederum soll künftig barrierefrei sein. Sollte der Rat das befürworten, werde die Umsetzung voraussichtlich ein Jahr dauern, so die Einschätzung von Volker Kahlert, Bereichsleiter Straßenverkehr im Rathaus. Die weiteren Planungen hängen vor allem auch von Gesprächen mit dem Bremme-Investor ab. Wie die verkehrlichen Umbaumaßnahmen bezahlt werden, werde mit dem Vorhabenträger verhandelt, heißt es in dem Ratspapier.

Weniger Extremstaus: Fußgängerampel an der Viktoriastraße soll dauerhaft Verkehr regeln

Das Provisorium soll erhalten bleiben, bis die Dauerlösung umgesetzt ist. © Marcel Drawe

Fest steht hingegen, dass die Baustellenampel und die rot-weißen Absperrungen am Kreishauskreisel erst einmal Teil des Stadtbilds bleiben. Das Provisorium soll erhalten bleiben, bis die Dauerlösung umgesetzt ist.

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