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Bedürftige Menschen in Massen sorgen sich um ihre Lebensmittelversorgung. Die Schließung der Tafel-Ausgabestelle reißt eine Lücke. Der Weg nach Königsborn ist für die meisten zu weit.

Massen

, 08.01.2019 / Lesedauer: 3 min

„Es ist furchtbar. Wir sind doch so froh, dass wir die Tafel haben in Massen.“ Bestürzung herrscht unter den regelmäßigen Kunden der Tafel-Ausgabestelle in Massen. Nachdem die Tafel im Kreis Unna bekannt gegeben hatte, mangels Mitarbeitern aus dem ausgelaufenen Beschäftigungsprogramm „Soziale Teilhabe“ Ausgabestellen zu schließen, konnten Kunden am Montag im Massener Melanchthon-Haus ein letztes Mal Lebensmittel abholen.

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Die nächstgelegene Lebensmittelausgabe für Massener wäre nun in Königsborn. „Ab und zu kann ich da hinkommen, aber sicher nicht jede Woche“, sagt eine Massenerin, die ihren Namen nicht öffentlich machen möchte. Ein Auto stehe ihr nur gelegentlich zur Verfügung. „Und Busfahren kostet einen Haufen Geld.“ Zu Fuß bis nach Königsborn? Das kostet Zeit und Kraft. Je nach Wohnlage ist die Strecke aus Massen zwischen drei und sieben Kilometern weit. „Ich muss auch passend zu Hause sein, wenn mein Kind aus der Schule kommt“, sagt die Massenerin. Sie ist alleinerziehend seit dem Tod ihres Mannes. Seitdem sei sie auf die Tafel angewiesen. Die kleine Witwenrente reiche eben nicht zum Leben. Und sie weiß, anderen geht es genauso, manchen sogar schlechter als ihr selbst. Eine Bekannte, die immer mit ihr in der Schlange steht, habe kaputte Knie. „Soll die mit dem Fahrrad fahren?“

Lebenslotse

Sprechstunde für Menschen in Notlagen bleibt

Das Beratungsprojekt Lebenslotse ist immer montags von 11 bis 13 Uhr im Melanchthon-Haus an der Massener Friedenskirche. Die Beratungszeit ist bewusst angedockt an die Ausgabezeit der Tafel. Von der Schließung der Lebensmittelausgabe ist der Lebenslotse aber nicht betroffen.

Es waren Restbestände haltbarer Lebensmittel, die die Ehrenamtlichen der Massener Ausgabestelle am Montag an ihre Kunden verteilten. Rund 100 Menschen versorgen Uwe Schlüter und seine Mitstreiter sonst regelmäßig mit günstigen Grundnahrungsmitteln. Jedes vierte Mitglied aus diesem Kundenstamm ist minderjährig. 100 Menschen, die sich nun umorientieren müssen. „Nächste Woche gibt es hier definitiv nichts“, sagt Schlüter. Weitere Lebensmittel seien nicht vorrätig, und die Ehrenamtlichen könnten nichts von Geschäften abholen. „Wir können und wollen keine Parallelstrukturen zur Tafel aufbauen“, sagt Schlüter. Er hofft, bis Ende Februar oder Anfang März von der Tafel-Zentrale zu erfahren, ob und wie es weitergeht. Wie die anderen zwölf Ehrenamtlichen in Massen will er die Tafel-Kunden eigentlich nicht im Regen stehen lassen. Wer alleinstehend ist, wer wie viele Kinder hat oder krank ist – „das wissen wir von unseren Leuten“, sagt Schlüter. Man kennt sich eben in Massen.

„Mama, kann ich einen Joghurt haben?“ Diese Frage hört die verwitwete Mutter ab und zu von ihren Kindern. Und vermutlich muss sie nun öfter nein sagen.

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