Es war das Thema schlechthin bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen: Günstiger Wohnraum fehlt. Das ist in Unna nicht anders. Pläne der UKBS für einen Neubau stoßen aber auch auf Kritik.

Unna

, 03.11.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es lebt sich gut an der Vinckestraße. Zentral gelegen, genießen die Mieter der Häuser 39 und 41 auch einen Blick ins Grüne. Das aber könnte sich bald ändern, denn die Unnaer Kreis-, Bau- und Siedlungsgesellschaft (UKBS) plant einen Neubau auf eigenem Grund. Damit wird es deutlich enger an der Vinckestraße.

Einer der Mieter übt Kritik an der UKBS, die zugleich sein Vermieter ist. Deswegen möchte er anonym bleiben. Er spricht von einem Einschnitt in die Lebensqualität. Es ärgert ihn, dass die UKBS einen großen Baum fällen will, um ein neues Haus zwischen die beiden vorhandenen Gebäude zu setzen.

Baum und Garagen müssen fallen

Am 25. Oktober stellte die UKBS den Mietern der Häuser Vinckestraße 39 und 41 sowie angrenzenden Anwohnern ihre Pläne vor. Geplant ist demnach ein Haus mit acht Wohnungen. Dafür soll nicht nur der stattliche Baum fallen, auch mehrere Garagen müssen abgerissen werden. Ersatzweise soll es Stellplätze im Freien geben.

UKBS-Geschäftsführer Matthias Fischer erklärt, was hinter den Plänen steckt: „Es gibt immer wieder Forderungen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Wir wollen das tun, aber es ist schwer, dafür in Unna Grundstücke zu finden. Deswegen haben wir im eigenen Bestand geguckt, wo es noch Möglichkeiten gibt.“

„Es war uns klar, dass die Pläne nicht unbedingt auf Begeisterung stoßen.“
UKBS-Geschäftsführer Matthias Fischer

Von den acht Wohnungen, die an der Vinckestraße entstehen sollen, werden sechs öffentlich gefördert. „Das sind kleine Wohnungen mit etwa 60 Quadratmetern, die auch gesucht werden“, sagt Fischer. Die Miete werde 5,55 Euro pro Quadratmeter betragen. „Die Mieten in den Hausnummern 39 und 41 sind noch niedriger“, sagt Fischer. Es darf bezweifelt werden, dass das die Kritik zerstreut. „Es war uns klar, dass die Pläne nicht unbedingt auf Begeisterung stoßen“, sagt Fischer.

Das Beispiel Vinckestraße zeigt, wie schwer es ist, verschiedene Interessen abzuwägen und zu bewerten. Sozialer Wohnungsbau verlangt Opfer – nicht nur in Ballungsgebieten, sondern auch in Unna. Die UKBS ist sich sicher, eine gute Lösung gefunden zu haben. „Der Abstand zwischen den Häusern ist nach dem Neubau nicht kleiner als 7,50 Meter“, sagt Fischer. Der unzufriedene Mieter hat einen anderen Blick auf die Dinge: „Zu sehen, was die Nachbarn auf dem Teller haben, ist dann noch das Harmloseste. Möchten Sie in einer Wohnung wohnen, wo Sie durch jedes Fenster beobachtet werden können?“

Für sozialen Wohnungsbau müssen die Unnaer Opfer bringen

Dieser Baum muss gefällt werden, damit ein neues Haus entsteht. Die UKBS-Mieter in den Hausnummern 39 und 41 sprechen von einem Verlust von Lebensqualität. © UDO HENNES

Die UKBS betont, ihre Pläne seien baurechtlich nicht zu beanstanden. Dennoch nimmt sie die Kritik der Anwohner ernst. „Es gab in der Mieterversammlung den Wunsch nach mehr Stellplätzen. Wir werden versuchen, in diesem Bereich noch etwas herauszuholen“, erklärt Fischer. Schon jetzt sei aber der vorgeschriebene Stellplatzschlüssel erfüllt. Der Baubeginn an der Vinckestraße könnte Mitte des Jahres 2019 erfolgen.

Sozialer Wohnungsbau

Drei weitere Standorte im Blick

Die Vinckestraße ist nicht der einzige Bereich Unnas, den die UKBS mit Blick auf den sozialen Wohnungsbau im Visier hat. Drei weitere Grundstücke, die der UKBS gehören, kommen laut Matthias Fischer für eine Nachverdichtung in Frage. Sobald die Pläne konkret sind, sollen auch dort die betroffenen Anwohner in Versammlungen umfassend informiert werden.

Der verärgerte Mieter sieht seine Bedürfnisse missachtet: „Die UKBS hat betont, dass man sich von anderen Wohnungsbaugesellschaften abheben will. Die Möglichkeit wäre hier zu sagen: Nein, wir können das unseren Mietern und den Anwohnern nicht zumuten. Es wäre ein zu großer Einschnitt in die Lebensqualität.“ Dass gleichzeitig die Bedürfnisse anderer Menschen in Unna, die auf der Suche nach günstigem Wohnraum sind, befriedigt werden, fällt da nicht ins Gewicht.

Diese Garagen zwischen den Häusern Vinckestraße 39 und 41 sollen für einen Neubau der UKBS weichen. Die Wohnungsbaugesellschaft hat dort eine Möglichkeit gefunden, auf eigenem Grund sozialen Wohnungsbau zu betreiben. Dass es auch Kritik gibt, überrascht Geschäftsführer Matthias Fischer nicht.
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