Das ist wohl der Preis der Freiheit: Damit die Unnaer weiterhin ungezwungen Innenstadtfeste feiern können, sollen Zufahrten mit versenkbaren Pollern vor Attacken mit Fahrzeugen geschützt werden.

Unna

, 09.11.2018, 18:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein tonnenschwerer Lastwagen rast die Hertingerstraße hinunter, am Fässchen und dem Schnückel-Gebäude vorbei, mitten in eine Menschenmenge ... Dieses Szenario möchte sich niemand vorstellen. Die für Sicherheit Verantwortlichen im Unnaer Rathaus haben es sich aber vorgestellt. Denn seit dem Terroranschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin 2016 hat sich die Einschätzung, wie sicher Innenstädte sind, verändert.

Mehr Polizeipräsenz als üblich war 2016 schon eine erste Reaktion, die auf dem Unnaer Weihnachtsmarkt sichtbar war. Danach wurden 1000-Liter-Wassertanks eingeführt. Sie gehören inzwischen zum gewohnten Bild bei Großveranstaltungen wie Stadtfest, Festa Italiana oder Weihnachtsmarkt. Die jeweils eine Tonne schweren Bassins sollen im Fall der Fälle verhindern, dass ein großes Fahrzeug in die Menschenmenge rast.

Für eine halbe Million Euro: Unna will Innenstadt mit Pollern gegen Terror schützen

An den rot markierten Stellen in der Innenstadt sollen versenkbare Poller zum Schutz vor Terrorattacken mit Fahrzeugen installiert werden: Zufahrt zur Fußgängerzone Massener Straße, Zufahrten zum Markt über Hertinger-, Gerhart-Hauptmann- und Wasserstraße, Zufahrten an der Bahnhofstraße (Nordring und unterhalb des Rathauses).

Tanks sind nur eine Übergangslösung

Diese Tanks aber sollten nur eine Übergangslösung sein. Für die Dauerlösung stellt die Stadtverwaltung nun ein Grobkonzept vor. Aufgrund von Erfahrungen, die bei zurückliegenden Veranstaltungen gesammelt wurden, sei der Plan entstanden, Poller zu installieren, die elektrisch versenkbar sind. Das teilt die Verwaltung in einem Papier mit, das nun in der Politik beraten wird. Vorgesehen sind die Sperrpfosten an sechs Standorten (siehe Karte). Die geschätzten Kosten liegen bei insgesamt 490.000 Euro. Hinzu kommen laut Kalkulation der Stadt Wartungskosten von 1000 Euro jährlich, also insgesamt 8000 Euro.

Die Baukosten variieren laut Stadt je nach Ausstattung, örtlicher Gegebenheit und der Verfügbarkeit eines Stromanschlusses. Die teuerste Variante würde 84.000 Euro kosten. Enthalten sind Kosten für Montage, Stromzuführung und Entwässerung für den Pollerschacht.

Für eine halbe Million Euro: Unna will Innenstadt mit Pollern gegen Terror schützen

Schwere Wassertanks gehören inzwischen zum gewohnten Bild bei Innenstadtveranstaltungen wie Stadtfest oder Weihnachtsmarkt. Versenkbare Poller sollen diese Anlagen künftig ersetzen. © Dirk Becker

Poller sollen nur bei Großveranstaltungen ausgefahren werden

Konzept

Keine Sperre gegen alltäglichen Abkürzungsverkehr

Das Konzept für die „Antiterror-Poller“ könne nicht um Standorte erweitert werden mit dem Zweck, Lieferverkehr und sonstigen Individualverkehr an Durchfahrten zu hindern, heißt es in der Drucksache aus dem Rathaus. Dafür müssten die Poller dauerhaft außerhalb der Lieferzeiten für die Fußgängerzone hochgefahren sein. Insbesondere am Lindenplatz sei das nicht möglich, da darüber viele erlaubte Fahrten erfolgen. Gemeint sind unter anderem Busse und Einsatzfahrzeuge, etwa von der Feuerwehr. Laut Zählung führen pro Stunde acht nicht autorisierte Fahrzeuge über den Lindenplatz. Diese nicht erlaubten Fahrten könnten „auf andere Art und Weise eingeschränkt werden“, schreibt die Verwaltung. Auf Nachfrage erklärt sie, dass beispielsweise Polizeikontrollen gemeint seien.

Auch Elektronik für die Bedienung rechnet die Stadt mit ein. Die Poller sollen grundsätzlich abgesenkt im Boden ruhen. Nur bei Großveranstaltungen sollen sie ausgefahren werden. In diesem Zustand muss sichergestellt sein, dass „autorisierte Fahrzeuge“ wie Rettungsfahrzeuge, Linienbusse oder die Müllabfuhr ungehindert durchfahren können. Denkbar seien Kontaktschleifen und Bedienelemente, auch eine „Lichtsignalanlage“. Diese Anlage könnte laut Stadtsprecher Christoph Ueberfeld aus Reflektoren oder am Poller angebrachten Leuchten bestehen, die verhindern, dass die Pfosten übersehen werden. Möglich seien auch Ampeln, die mit farbigen Lichtern signalisieren, ob die Säule aktiv ist oder versenkt. Diese und andere Details müssten noch geklärt werden.

Die Installation der Geräte kann laut Ueberfeld frühestens ab 2020 erfolgen. Es ist angedacht, dass die Poller im Zusammenhang mit dem Neubau der Fußgängerzone geplant, also auch Zug um Zug aufgestellt werden. Die Stadt will daher mit den Pollern beginnen, die die Massener Straße beziehungsweise deren Zufahrten schützen. Ein positives Votum der Politik vorausgesetzt, sollen Fördergelder für die Schutzanlagen beantragt werden.

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