Friseur Mikeleit: 50 Jahre im Beruf, und jetzt kommt es: Kassenbon-Pflicht - „Wo sind wir?“

dzKassenbelege beim Friseur

Friseur Wolfgang Mikeleit ist seit 50 Jahren im Beruf, hat Modetrends und Lohndiskussionen souverän plaudernd mitgemacht. Aber jetzt kann er nur noch den Kopf schütteln: Wofür brauchen Friseurkunden einen Kassenbon?

Unna

, 30.11.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ab Januar haben wir hier einen Eimer neben der Kasse, da kommt das ganze Papier rein“, sagt Wolfgang Mikeleit. Der Friseurmeister muss wie die meisten seiner Berufskollegen ab dem 1. Januar einen Kassenbon ausdrucken - für jeden Kunden. Das Bundesfinanzministerium schreibt ab dem Jahreswechsel die Ausgabe von Kassenbelegen vor, für mehr Transparenz und gegen Steuerbetrug. Diese neuesten Auswüchse der Bürokratie sind für den Betriebsinhaber schon jetzt mit Kosten verbunden: Allein eine neue Kassensoftware ist so teuer, dass Mikeleit umgerechnet 63 Männern die Haare schneiden muss, um diese Rechnung zu bezahlen.

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Rund 900 Kassenbons im Monat

Ab dem Jahreswechsel gilt eine Belegausgabepflicht für viele Betriebe, die bisher keine Bons ausstellen mussten und es in aller Regel auch nie brauchten. Verkauft ein Bäcker ein Brötchen, muss er dem Kunden einen Kassenzettel in die Hand drücken. Und auch Friseure, die eine elektronische Kasse haben, müssen diese umrüsten und Zettel ausdrucken. „Die Kunden wollen diesen Zettel überhaupt nicht haben“, sagt Mikeleit. Er schätzt, dass 800 bis 900 Kassenbons alleine in seinem Laden monatlich anfallen werden. Alternativ dürfte der Friseur dem Kunden den Beleg übrigens auch per E-Mail zukommen lassen. Der Finanzminister gewährt diese umweltfreundlichere Möglichkeit. Praktikabel? Mikeleit schüttelt nur den Kopf.

Friseur Mikeleit: 50 Jahre im Beruf, und jetzt kommt es: Kassenbon-Pflicht - „Wo sind wir?“

Wolfgang Mikeleit fühlt sich wohl mit seinem Team: Sabine Koslowski (l.), Tina Sobral und Dagmar Kollmann (M. und r.) sind bei ihm angestellt. Anja Zobel (2. v. l.) frisiert auf gemieteten Stühlen auf eigene Rechnung. © Borys Sarad

Im Beruf seit 50 Jahren

In 50 Berufsjahren hat der Friseur einiges erlebt. 1969 begann er seine Lehre bei Innungsobermeister Fritz Witte an der Morgenstraße. Kurz nach der Meisterprüfung im März 1979 machte sich der gebürtige Hemmerder mit 24 Jahren in seinem Heimatdorf selbstständig. Am 1. Dezember vor 40 Jahren eröffnete Mikeleit seinen ersten Laden an der Hemmerder Dorfstraße. 1996 zog er um in die Innenstadt, erst zum Königsborner Tor, vor zehn Jahren dann zur Schäferstraße.

An der Friseurmeile

„Das ist die Friseurmeile hier“, sagt der Handwerksmeister. Mit seinem eigenen zählt er zehn Friseurbetriebe an der Schäferstraße auf. Einen davon führt sein Sohn. „Er hat vor allem junge Kunden. Er macht das gut, da bin ich auch stolz drauf.“ Eigentlich sind es sogar elf Friseure: Meisterin Anja Zobel schneidet bei Wolfgang Mikeleit im Laden Haare, aber auf eigene Rechnung. Sie hat zwei Friseurstühle von Mikeleit gemietet.

Mit seinen Mitbewerbern habe er ein gutes Verhältnis, sagt Wolfgang Mikeleit. „Jeder hat seine Kunden.“ Und wenn ein Kollege mal Hilfe braucht, bekommt er sie. „Wenn einem mal die Farbe ausgeht oder so, dann sagen wir untereinander ,Hier nimm mit, bring‘s irgendwann wieder.‘ Ist doch klar.“

Qualität hat ihren Preis

Auch von einem Preiskampf hielten die meisten Berufskollegen so wenig wie er. Haareschneiden für 13 Euro, wer das anbietet, der halte sich meist nicht lange. „Man muss schon vernünftige Preise nehmen für eine gute Leistung. Die Mitarbeiter müssen ja auch vernünftig bezahlt werden“, sagt Mikeleit. Er war bis zu diesem Jahr 15 Jahre lang Obermeister der Friseurinnung, ist inzwischen Ehrenobermeister, kennt also auch die ganze Mindestlohndebatte.

Und die Kosten für die Papierberge demnächst, die müssen auch irgendwo bleiben. „Es wird alles schwieriger. Diese ganze Bürokratie, die Dokumentation - wo sind wir? Wir wollen Haare machen.“ Ans Aufhören denkt Wolfgang Mikeleit kurz vor der 65 aber trotzdem noch nicht. Dafür hat er zu viel Freude am Umgang mit Kunden und Mitarbeiterinnen. „Das Menschliche, das macht Spaß.“

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