Friedhofsgärtner haben eine besonders heiße Phase

dzVöllige Dürre

Die Friedhofsgärtner haben derzeit viel zu tun: Sie müssen gießen, gießen und nochmals gießen. Sind sie hinten fertig, können sie vorne wieder anfangen. Für die Kunden wird es daher teurer.

Unna

, 26.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein Grab soll gut aussehen und schön bepflanzt sein? Dann ist das Gießen im Sommer Pflicht. Viele Angehörige haben jedoch nicht mehr die Möglichkeit, sich selbst um eine Grabstelle zu kümmern, und beauftragen daher Friedhofsgärtner mit der Bepflanzung und Pflege. Dazu gehört auch das Gießen.

Nur das Unkraut wächst

„Wir kommen derzeit zu nichts anderem mehr“, sagt Gärtnermeister Martin Asbeck. „Wir können keine Aufträge erledigen. Wenn wir schneiden, verbrennt alles. Und wir kommen mit dem Gießen nicht mehr nach.“ 12.000 Liter am Tag braucht alleine Firma Asbeck und auch die Friedhofsgärtnerei Wagner ist im bewässernden Dauereinsatz: „Wir haben alle Mitarbeiter zum Gießen abgezogen“, sagt Sven Wagner. Vier Tage braucht er mit seinen Mitarbeitern, um all seine Gräber zweimal pro Woche gießen zu können. Frei bleibe der Mittwoch - „das ist der Tag für alles andere. Denn auch wenn es trocken ist, das Unkraut wächst komischerweise weiter“, sagt Wagner nicht ohne Galgenhumor.

Tankfahrzeug erspart das Wasserschleppen

Beide Firmen gießen die ganze Woche durch, um alle zu pflegenden Gräber mindestens einmal, im besten Falle zweimal wässern zu können. Immerhin haben die Friedhofsgärtner einen Vorteil: Im Gegensatz zum privaten Gießer haben sie ein rund 1000 Liter fassendes Tankfahrzeug, mit dem sie über den Friedhof fahren dürfen – und was die lästige Wasserschlepperei erspart. „Das wäre sonst gar nicht zu leisten“, sagt Asbeck. Dankenswerterweise stelle die Stadt Unna zum Wiederbefüllen des Tanks eine stabile, schnelle Leitung zur Verfügung: „Sonst würden wir ja auch noch 20 Minuten eine Zapfstelle auf dem Friedhof blockieren“, erklärt Asbeck, und das zehn bis zwölf mal am Tag, denn so oft muss das Fass in diesen Tagen wieder gefüllt werden. „In Fröndenberg ist das anders. Da nehmen wir unser eigenes Wasser von unserem Hof mit. Sonst ist die Arbeitszeit teurer als das Wasser“, erklärt Asbeck.

Preise für die Kunden werden steigen müssen

Die Kosten müssen Asbeck und Wagner ohnehin im Blick haben: 2018 war schon ein Jahr, wo sie viel gießen mussten, in diesem Jahr gibt es wieder extreme Trockenheit. „Wir haben das natürlich in unsere Preise mit einkalkuliert“, sagt Sven Wagner. „Aber jetzt im Sommer ist das Geld dafür schon aufgebraucht, weil wir auch im Frühjahr soviel gießen mussten. Wir zahlen jetzt drauf.“ Das Problem kennt auch Asbeck: „Ich hoffe, dass die Kunden verstehen, dass wir diesen Kostendruck umlegen müssen.“

Neue Wege gehen und Trends setzen

Damit die Kosten nicht ausarten, setzen die Friedhofsgärtner dank ihrer langjährigen Erfahrung auf Pflanzen, die genügsam sind. Eisbegonien zum Beispiel mögen es lieber trocken als nass, sonst werden die Triebe zu lang und sehen nicht mehr gut aus. Stark im Kommen sind auch Dipladenia (Mandeville). „Damit setzen wir Trends“, sagt Asbeck, außerdem werde experimentiert mit Substraten und Zusatzstoffen, die dafür sorgen, dass der Boden Wasser schneller und besser aufnehmen könne.

Auch Dauerpflanzen brauchen Wasser

Was bei diesem Wetter jedoch am meisten leide, seien Blumenschalen. „Die vertrocknen viel schneller. Da gucken wir schon genauer hin.“ Aber auch die Rahmengepflanzung wird nicht vergessen, denn auch Immergrün und andere Dauerpflanzen wollen regelmäßig Feuchtigkeit.

„Die Trockenheit ist ein Problem für die Bäume“, sagt Ina Semleit. Die Neupflanzungen werden gewässert, bei den Altbäumen helfe das aber nicht. Mit einigem Totholz in den Bäumen müsse daher gerechnet werden.

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