Greta Thunberg ist das Gesicht von „Fridays for Future“. Doch auch in Unna engagiert sich eine Schülerin mit viel Herzblut für das Klima. Redakteur Dirk Becker sprach mit Eva-Lotta Vogt.

Unna

, 19.07.2019, 12:27 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Reden von Eva-Lotta Vogt im Kreistag und im Umweltausschuss der Stadt Unna haben für Aufsehen gesorgt. Der Kreis Unna hat inzwischen den Klimanotstand ausgerufen, die Stadt Unna zögert noch. Mittlerweile zeichnet sich aber auch dort eine Mehrheit ab.

Im Interview mit unserem Redakteur Dirk Becker spricht Eva-Lotta Vogt (16) von der Bewegung „Fridays for Future“ darüber, wie ihre Mitschüler und Lehrer am Ernst-Barlach-Gymnasium auf die Schulstreiks reagieren und warum sie an eine Ausweitung der Demonstrationen glaubt.

Deine Reden im Kreistag und im Umweltausschuss der Stadt Unna haben für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Wie bist du denn überhaupt auf das Thema Klimaschutz gekommen, warum bewegt es dich so sehr?

Eva-Lotta Vogt: An das Klimaschutz-Thema bin ich über die Grüne Jugend gekommen, deren Sprecherin ich inzwischen auch bin. Vor drei Jahren bin ich dazu gekommen. Die Grünen sind ja eine Umweltpartei und kommt man am Thema Klimaschutz nicht vorbei. Hinzu kamen dann die „Fridays for Future“-Demonstrationen. Ich war bei den ersten in Dortmund dabei, in Unna gab es dann ja auch eine. Ich wurde aber auch entsprechend erzogen. Meine Mama hat viel damit zu tun, dass ich alles kritisch hinterfrage.

Und jetzt streikst du für das Klima…

Ich finde es eigentlich ziemlich schockierend, dass ich die Schule schwänzen muss, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

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Wie ist denn das Echo von Lehrern, Mitschülern und Freunden?

Wie an anderen Schulen ist das auch bei mir gespalten. Der Großteil der Lehrer unterstützt das oder hat zumindest Verständnis. Aber natürlich trifft es bei anderen Lehrern auch auf Unverständnis, das spüre ich. Viele Schüler finden es gut, was ich mache. Andere reagieren mit Unverständnis und sagen: „Es ist doch jetzt Unterricht.“ Ich glaube, dass sich diese Schüler einfach noch nicht mit dem Thema befasst haben.

Glaubst du denn, dass ihr mit „Fridays for Future“ schon etwas erreicht habt?

Auf jeden Fall haben wir die Aufmerksamkeit auf das Thema Klimaschutz gelenkt. Da kommt niemand mehr drum herum. Es freut mich natürlich, dass viele Menschen merken, wie wichtig es ist, sich mit dem Thema Klimaschutz auseinanderzusetzen. Das mit dem Klimanotstand in Unna ist so eine Sache…

„Fridays for Future“: Eine Schülerin aus Unna erntet Applaus und Kritik

Die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg gilt als die Symbolfigur der „Fridays for Future“-Bewegung. Am Freitag sprach sie bei einer Demonstration in Berlin. Wie Thunberg erfährt auch Eva-Lotta Vogt aus Unna sowohl Ablehnung wie Anerkennung. © picture alliance/dpa

Du hast zuletzt im Kreistag und im Umweltausschuss der Stadt Unna gesprochen. Der Kreis hat den Klimanotstand ausgerufen, in Unna gab es Applaus, es wurde aber nicht über den Klimanotstand beraten. Wie fühlt sich das für dich an?

Über den Applaus habe ich mich natürlich gefreut. Dass dann nicht beraten wurde, enttäuscht mich. Wenn ich in meiner Rede eines rüberbringen wollte, dann, dass wir keine Zeit mehr haben. Das Zeichen der Politiker war aber eher: Wir haben noch Zeit, wir können da erst noch mal drüber reden. Das hat sich für mich angefühlt, als ob ich ignoriert werde. Ich bin mir sicher, dass das vor allem politische Taktik war.

In Unna bist du spätestens jetzt das Gesicht von „Fridays for Future“. Weltweit konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf Greta Thunberg. Wie findest du es, dass trotz viel Rückhalt auch bei „Fridays for Future“ Einzelpersonen so sehr im Fokus sind? Die bekommen ja auch sämtliche Kritik ab…

Schwierig. Vor einigen Monaten war ich schon mal im Kreistag, allerdings im Ausschuss für Natur um Umwelt. Bis zuletzt war gar nicht klar, dass ich da sprechen sollte, denn wir waren mit mehreren Schülern aus dem ganzen Kreisgebiet da. Ich überlege mir sehr gut, was ich in solchen Situationen sage. Ich bin ja nie zu einer Sprecherin von „Fridays for Future“ gewählt worden. Wenn ich dann von „uns“ spreche, muss sich da auch jeder wiederfinden können.

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Wie gehst du denn mit der Kritik um, dass ihr ja auch in Flugzeuge steigt und Müll produziert? Diese Vorwürfe sind ja zum Teil auch sehr persönlich.

Mir war von Anfang an klar, dass es immer auch Kritiker gibt. Damit muss ich umgehen. In manchen Fällen lohnen sich aber auch Gespräche nicht, mit manchen kann man einfach nicht reden. Ich möchte einfach helfen, dass irgendwann jedem bewusst ist, wie wichtig das Thema ist.

Was kann denn der Einzelne tun? Und sind nicht vor allem Politik und Wirtschaft gefragt?

Es ist schon viel wert, sich mit dem Thema Klimaschutz auseinanderzusetzen. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht die Probleme überall. Viele beginnen damit, weniger Auto zu fahren oder Plastiktüten zu vermeiden. Es ist aber mehr: Ich muss mich fragen, welche Kleidung ich kaufe und wie die produziert wird. Inzwischen muss ich mir ja sogar überlegen, bei welcher Bank ich mein Geld anlege. Das alles sind Themen, mit denen auch ich mich früher nicht beschäftigt habe. Die großen Schritte muss die Politik machen, aber da passiert wenig. Die Menschen müssen von unten Druck machen und sie zum Handeln bewegen.

Glaubst du, dass es die „Fridays for Future“-Demonstrationen noch lange gibt oder werden die vielleicht durch andere Aktionen abgelöst?

Ich vermute, dass es nicht bei den Demonstrationen am Freitag bleiben wird. Vielleicht werden wir ganze Wochen streiken müssen. Andere Aktionen können sicher dazu kommen. Aber die Freitagsdemonstrationen wird es ganz sicher so lange geben, bis wirklich etwas passiert.

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