Auf seinen Äckern am Ostenberg baut Reinhard Heckmann die Zukunft der Erde an. Der Sohn einer eingesessenen Bauernfamilie legt Wälder an, die dem Klimawandel standhalten und ihm entgegenwirken.

Unna

, 08.01.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für die Klimaschutzbewegung ist der Ostenberg ein Experimentierfeld. Auch die ersten Windkraftanlagen Unnas drehten und drehen sich auf dem Höhenzug bei Billmerich. Die Bäumchen im „Forst Reinheck“ ragen nicht ganz so weit in den Himmel – zumindest jetzt noch nicht. Denn was einmal zwei ganz besondere Wälder werden sollen, war vor ein paar Wochen noch Ackerfläche.

Grundeigentümer Reinhard Heckmann denkt mit seiner Anpflanzung in die Zukunft. Es ist eine Zukunft, die viel schneller auf die Erde und ihre Bewohner zukommt, als Bäume wachsen können. Umso wichtiger ist es, dass sein Beispiel Schule macht. Der Jurist, Land- und nun auch Forstwirt baut auf dem Land seiner Familie an einem Wald, der auch dem Klimawandel standhalten soll und damit nachhaltig dazu beitragen kann, ihm entgegenzuwirken.

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23.000 Pflanzen auf insgesamt sechs Hektar Fläche hat Heckmann im Oktober und November gepflanzt. Die kühlen und feuchten Monate sind für die Bäumchen und Sträucher die Chance, Wurzeln zu schlagen. Zäune halten die beiden Teilflächen von Wild frei, das die Jungpflanzen abfressen könnte. Greifvogelstangen und die Aussaat von Gras unterdrückendem Weißklee sollen die Bestände von Mäusen gering halten, die die Wurzeln schädigen könnten. Kleine Informationstafeln erklären dem Spaziergänger, was auf den beiden Feldern vonstatten geht.

Aus einem Acker bei Billmerich wird der Wald der Zukunft

Informationsblätter erklären Spaziergängern, was es mit der Umzäunung am Ostenberg auf sich hat. © Sebastian Smulka

Wenn Reinhard Heckmann sein Projekt erläutert, wird sehr schnell klar: Der Mann hat einen Plan, der ausgeklügelt und auf sehr lange Sicht angelegt ist. Manchen Gewächsen darin ist nur ein Zeitvertrag zugestanden. Hainbuchen etwa haben als „dienende Bäume“ die Aufgabe, die Stämme der drei Eichenarten abzuschatten, auf dass ihre Krone nicht zu tief am Stamm beginnt. Hintergrund: Wenn irgendwann in einer sehr fernen Zeit einmal einige der Hauptgewächse gefällt werden, soll das Holz für Konstruktionszwecke und nicht als Brennholz verwendet werden. Denn beim Verbrennen würde das über Jahrzehnte eingesammelte CO2 wieder freigesetzt.

Wichtigstes Ziel: Treibhausgas binden

Oberstes Ziel des Projektes am Ostenberg ist es, einen Wald anzulegen, der über lange Zeit klimaschädliches Kohlendioxid aus der Luft filtert und dann einbehält. Aber er soll auch ein Lebensraum für Tiere sein. Sträucher, kleinere Bäume und auch die anfängliche Schicht Weißklee werden Vögeln und Insekten dienen. Bodenbewohner erhalten in etwa zehn Jahren Zutritt. Dann ist der Wald so weit gefestigt, dass die Zäune verschwinden können.

Die späte Karriere als Waldbauer hat für den 64-jährigen Unnaer mit einem Zufall begonnen. Reinhard Heckmann ist Sohn einer Familie, der in vierter Generation ein Bauernhof mit entsprechenden Flächen gehört. Er selbst hat in jüngeren Jahren noch in der Landwirtschaft gearbeitet, aber doch recht früh einen anderen Weg eingeschlagen.

Heckmann studierte Jura, wurde Anwalt und Jurist in einer Behörde. Die Ackerflächen des Hofes waren zuletzt an Nachbarbetriebe verpachtet. Das Interesse am Wald und an der Forstwirtschaft kam, als die öffentliche Hand eine Ausgleichsfläche für den Autobahnbau suchte und ein Feld der Familie Heckmann dafür ins Auge gefasst wurde.

In die Försterschule für ein Privatprojekt

Heckmann suchte den Rat der Forstbehörden. Immer tiefer arbeitete er sich ein in die Materie. In Arnsberg drückte er mit angehenden Forstwirten die Schulbank. „Bei allem, was mein Mann anfasst, möchte er den Dingen so tief wie möglich auf den Grund gehen“, sagt Heckmanns Gattin.

Ergebnis ist ein Projekt, das den gültigen Regeln für Aufforstungen und den kommenden Herausforderungen des Klimawandels gleichermaßen Rechnung trägt. Alle ausgewählten Bäume sind Pfahlwurzler, die sich das Wasser auch aus größerer Tiefe holen und Dürrezeiten überstehen können. Die Eiche als Hauptbaum ist in drei Unterarten vertreten, von denen sich eine vielleicht am besten halten wird.

Die sonst für die Region typischen Rotbuchen sind dagegen gar nicht vertreten, weil sie sich zurzeit als besonders anfällig erweisen. Unter den Beimischungen finden sich auch Bäume, die eigentlich aus wärmeren Regionen stammen wie Esskastanie, Wal- und Schwarznuss. Aber auch Wildkirsche, Bergahorn und Elsbeere machen den Wald bunter.

Wenn die Windkrafträder fallen, bleiben die Bäume

Das Projekt Reinhard Heckmanns ist ökologisch motiviert. Wenn die drei Windkraftanlagen am Ostenberg das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben, sind Neubauten vielleicht nicht möglich, weil Unna inzwischen in einer Schutzzone um den Dortmunder Flughafen liegt. Stattdessen sollen dann die Bäume einen Beitrag zur CO2-Verringerung leisten.

Doch wie es in Bauernfamilien üblich ist, denkt der Jurist Heckmann auch an nachfolgende Generationen. Ein landwirtschaftlicher Betrieb erfordert Betriebsgebäude und Maschinen und bei eigener Bewirtschaftung auch einen besonderen Sachkundenachweis, um vom Finanzamt dauerhaft als Betrieb anerkannt zu bleiben. Ein Wald dagegen ist ein forstwirtschaftlicher Betrieb, weil es ihn gibt – selbst dann, wenn die Ausführung der erforderlichen Forstarbeiten allein durch Fremdfirmen erfolgt. So bleibe der aktuelle Bauernhof in umgewandelter Form seinen Nachfahren erhalten, die selbst ebenfalls ganz andere Berufe ergriffen haben als die des Landwirtes.

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