Das 500. Sozialrad verlässt die Schrauberwerkstatt der Flüchtlingshilfe in Unna

dzSpendenaktion

Von A nach B kommen zu können, ist heute ein Grundbedürfnis. Damit das auch armen Menschen möglich ist, sammelt Unna Fahrräder. Nun ist das 500. Flüchtlings- und Sozialrad in neue Hände gekommen.

Unna

, 25.06.2020, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Syrer Mounier Abousif ist jetzt stolzer Besitzer eines Fahrrades. Es ist ein Fahrzeug mit Geschichte: Der kürzlich verstorbene Peter Möbius hatte es von seinen Parteifreunden zum 50. Geburtstag geschenkt bekommen, es 27 Jahre lang genutzt und gepflegt. Man darf annehmen, dass es in seinem Sinne war, dass sein früherer Besitz auf diese Weise „vererbt“ wird. Mounier Abousifs Rad ist das 500. Sozial- und Flüchtlingsrad, das eine Initiative aus Unna jetzt übergeben hat.

Am Anfang stand die Mobilität für Flüchtlinge

Die Initiative war vor gut vier Jahren im Zusammenhang mit den Fluchtbewegungen entstanden, durch die auch nach Unna verstärkt Menschen kamen, die mit praktisch leeren Händen ein neues Leben beginnen wollten. Weil Mobilität heute als Grundlage dafür gilt, begann ein kleines Team damit, alte und nicht mehr genutzte Fahrräder zu sammeln und aufzubereiten.

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Inzwischen ist es ein harter Kern von etwa zehn Leuten, die die Räder annehmen, aufbereiten und verteilen. Er erfährt Unterstützung von Wohlfahrtsverbänden und vom ADFC. So erhalten die Empfänger mit ihrem neuen Rad auch Kartenmaterial, ein Schloss und ein Informationsblatt über die Verkehrsregeln in Deutschland.

Räder sind Werkzeuge der Integration

Mitorganisator Hermann Strahl sieht in den Rädern Werkzeuge für gelingende Integration in die Gesellschaft. Die Nutzer selbst werden mobil, kommen damit aus ihren Unterkünften zu Deutschkursen, in die Schule, in den Sportverein und inzwischen sogar in einigen Fällen auch zu einer Arbeitsstätte.

Doch zudem steht die Aktion mit ihrem Erfolg auch dafür, was in Unna möglich wird, wenn Menschen zusammenarbeiten. „Die Spender hätten für ihre alten Räder auch bei Ebay ein paar Euros bekommen können, aber sie stifteten ihre Drahtesel, damit finanzschwache Menschen in Bewegung kommen können“, drückt Strahl seinen Dank aus.

600 Räder von 500 Unterstützern

Hinter den 500 übergebenen Rädern stehen in etwa auch 500 Spender aus Unna. Abgegeben worden sind bislang rund 600 Fahrräder, von denen aber einige noch auf eine Aufarbeitung warten, manche als Teile-Spender zerlegt wurden und einige auch an die Radstation weiter gegeben wurden, weil sie mit einer spezielleren Technik aufgebaut waren, für die die ehrenamtlichen Schrauber der Initiative nicht die nötigen Werkzeuge, Ersatzteile oder Kenntnisse hatten.

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