Beleuchtungsgebühr für die Außenwände des Turrell-Bauwerks bleibt unerklärlich

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Für seinen Rückzug aus Unna wird Stadtlichter-Initiator Wolfgang Flammersfeld Verständnis entgegengebracht. Warum das Lichtkunstzentrum an der Aktion mitverdienen will, wirft Fragen auf.

Unna

, 11.09.2019, 14:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Aus für die Stadtlichter ist unumstößlich. Das hatte Lichtkünstler Wolfgang Flammersfeld bereits am Montag betont, als er bekannt gab, dass die Lichterschau in diesem Jahr die letzte dieser Art in Unna sein werde. Flammersfelds Entscheidung hat in Unna großes Bedauern ausgelöst. Doch für seine Begründung wird ihm Verständnis entgegengebracht. Mit diesem Verständnis verbunden ist oft die Kritik am Umgang Unnas mit den Künstlern der Stadt.

„Den hässlichsten und teuersten Betonklotz der Stadt verschönert“

Der frühere FDP-Ratsherr Sigurd Senkel geht so weit, aus Flammersfelds Frust eine grundlegend falsche Weichenstellung der Kulturpolitik in Unna abzuleiten. Einerseits werde der Stadt von der Gemeindeprüfungsanstalt vorgeworfen, zu viel Geld in die Kulturarbeit zu stecken. Andererseits „erschwert und verbietet man dem heimischen Lichtkünstler Wolfgang Flammersfeld, den hässlichsten und teuersten Betonklotz der Stadt für wenige Abende mit bewegten bunten Bildern zu verschönern“, schrieb Senkel an die Redaktion.

Dabei arbeite Flammersfeld auf eigene Rechnung und eigenes Risiko. Erst beim Stadtfest habe Flammersfeld, der auch Musiker ist, mit seiner Jazzband mit eigener Ausrüstung und Technik zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen.

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Tatsächlich sind die Stadtlichter ein Beitrag zum kulturellen Angebot Unna, das für die Kommune ziemlich günstig ist. Versuche Flammersfelds, öffentliche Fördermittel für die Aktion zu bekommen, sind nach Auskünften aus dem Rathaus nicht intensiv begleitet worden, weil ihre Erfolgsaussichten als gering eingeschätzt wurden. Begründung: Flammersfeld sei kein Lichtkünstler, sondern ein Lichtdesigner. So zumindest wird seine Arbeit nach einer Definition eingestuft, die zu den Grundlagen der Arbeit im Zentrum für Internationale Lichtkunst gehört.

Die Rolle des Lichtkunstzentrums in der Zusammenarbeit der Stadt mit Wolfgang Flammersfeld wirft einige Fragen auf. In früheren Jahren hatten die Stadtlichter auch den Platz der Kulturen in Szene gesetzt und dabei die Außenwände des Turrell-Bauwerkes als Projektionsfläche genutzt. Das äußerlich schmucklose Lichtkunstbauwerk („Camera Obscura“) wurde dadurch zur Sehenswürdigkeit. Eines Tages aber habe das Lichtkunstzentrum Geld für diese Nutzung verlangt. Zwei Jahre lang zahlte Flammersfeld. Dann sah er es nicht mehr ein.

Liegenschaft gehört der Stadt, nicht dem Lichtkunstzentrum

Was die Forderung einer solchen Zahlung sachlich rechtfertigt, ist nicht bekannt. Unklar ist auch, was dem Lichtkunstzentrum überhaupt eine Berechtigung gibt, bei Flammersfelds Firma „World of Lights“ die Hand aufzuhalten. Eigentümerin des Grundstücks und damit auch aller darauf befindlichen Gebäude ist die Stadt. Grundsätzlich denkbar wäre es, die Schau als „Sondernutzung“ einzustufen und dann auch Gebühren dafür zu verlangen. Dann allerdings wäre das Ordnungsamt der Partner.

Die Stadt verweist in dieser Frage an das Lichtkunstzentrum selbst, das jedoch Anfragen diesbezüglich unbeantwortet lässt. Flammersfelds Vertragspartner für die Stadtlichter ist ansonsten das Stadtmarketing. Doch auch dort kann man sich die Zahlungen an das Lichtkunstzentrum nicht erklären. „Wir kassieren nichts“, stellt Sprecherin Daniela Guidara klar. Und sie ergänzt: „Für uns war Wolfgang Flammersfeld immer ein zuverlässiger Partner. Dass er die Stadtlichter einstellen will, bedauern wir.“

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