So grün, so grau, so braun ist es auf den Flächen im Stadtgebiet von Unna

dzStatistik

Dass die Böden in Unna stärker zugebaut sind als bislang angenommen, ist eine Überraschung und ein Problem. Andererseits passt der Befund zu einer Kreisstadt, in der nur wenig Land ungenutzt ist.

Unna

, 28.11.2019, 14:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Durch Unnas Kanalrohre strömt am Donnerstag dieser Woche eine Menge Regenwasser, mit der das Schwimmbecken im Bornekamp über hundert Mal aufgefüllt werden könnte.

4,9 Liter Regen pro Quadratmeter hatte der Wetterdienst vorausgesagt. Und seit Mittwoch ist bekannt, dass es viel mehr Quadratmeter sind, die diesen Regen ins Kanalnetz umleiten, statt ihn in die Erde durchzulassen.

Der Unterschied zwischen der bisherigen und der neuen Annahme darüber, wie viel von Unna zugebaut ist, machen auch in dieser Hinsicht einen Unterschied aus. Der neue Wert liegt um 1,5 Millionen Quadratmeter höher. Gemessen an besagter Regenprognose bedeutet dies 7.500 Kubikmeter (oder fast 19 Freibadbecken) mehr.

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Für die Stadt ist dieser Befund eine Überraschung und ein Problem zugleich. Kanäle, die bislang als ausreichend dimensioniert galten, sind es vielleicht gar nicht. Wer in der Flächenversiegelung eine der Ursachen für sinkendes Grundwasser und kranke Bäume sieht, den wird die Datenkorrektur traurig stimmen. Gemessen an der Gesamtfläche der Stadt ist ihr Anteil der neu „entdeckten“ Dach-, Pflaster und Asphaltflächen aber überschaubar.

Gut 8,3 Millionen Quadratmeter (oder 837 Hektar) beträgt nach der Neuerhebung der Stadtbetriebe die versiegelte Fläche in Unna. Sie macht nun 9,5 Prozent des Stadtgebietes von Unna aus. Vor der Korrektur lag der scheinbare Anteil bei 7,7 Prozent.

Unna hat sehr viele Äcker und Weiden, aber sehr wenig Wald

Wer die ökologische Wertigkeit der Flächen in Unna erfassen will, stößt in der Betrachtung der Statistiken aber auf andere Probleme. Sie hängen damit zusammen, dass die meisten Flächen in Unna in irgendeiner Weise genutzt werden – hauptsächlich für die Landwirtschaft.

Acker- und Weideland sind nach Daten des Landesbetriebs für Statistik (IT.NRW) die dominante Flächennutzung in Unna. 64 Prozent des Stadtgebietes dienen der Ernährung von Tier und Mensch. Damit ist die Kreisstadt in der Randzone des Ruhrgebietes bäuerlicher als der Landesdurchschnitt, in dem die Großstädte an Rhein und Ruhr, die Felder des Münsterlandes und die Waldgebiete der Mittelgebirge rechnerisch zusammengerührt werden. Landesweit liegt der Anteil landwirtschaftlicher Flächen bei nur 48 Prozent.

Dafür ist NRW im Mittel wesentlich waldreicher als Unna. Liegt der Waldanteil im Landesmittel bei 26 Prozent, beträgt er in Unna nur fünf. 442 Hektar des Stadtgebietes sind mit Bäumen besetzt. Das bedeutet: Auf jeden Quadratmeter Waldboden kommen fast zwei Quadratmeter an versiegelter Fläche, die ihm das Wasser nehmen.

Der Siedlungsanteil in Unna liegt eher leicht über dem Durchschnitt

Dabei liegen die tatsächlichen Anteile besiedelter Flächen in Unna gar nicht so weit weg vom Landesmittel. Der Verkehrsflächenanteil etwa liegt in der Stadt bei 9, im Land bei 7 Prozent. Wohn- und Betriebsgrundstücke machen – einschließlich ihrer unversiegelten Anteile wie Rasenflächen oder Beeten – in Unna 18, im Land 13 Prozent aus.

Statistisch gesehen ist Unna also tatsächlich etwas stärker bebaut als die rechnerische Durchschnittskommune des Landes. Das schlechte Verhältnis zwischen versiegelten und durchwurzelten Flächen liegt aber weniger an einem Zuviel an Häusern und Oberflächenbefestigungen. Hauptsächlich liegt es an einem Zuwenig an Wald.

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