„Finanzielle Entlastung“: Medizinstudent aus Unna erhält 500 Euro pro Monat vom Kreis Unna

dzMaßnahme gegen Ärztemangel

Um drohendem Ärztemangel vorzubeugen, hat der Kreis Unna zwei Stipendien für Medizinstudenten vergeben. Einer von den Geförderten ist der Unnaer Matthias Schlösser. Dies sind die Vor- und Nachteile.

Unna

, 21.12.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Kreis Unna will dem drohenden Ärztemangel vorbeugen – dafür hat er zum Wintersemester 2019/20 zwei Stipendien vergeben, die Medizinstudenten mit monatlich 500 Euro fördern. Im Gegenzug verpflichten sich die angehenden Ärzte dazu, nach dem Studium für fünf Jahre im Kreis Unna zu arbeiten oder dort eine Weiterbildung zum Facharzt zu absolvieren. Einer der Stipendiaten ist Matthias Schlösser aus Unna.

Der 34-Jährige befindet sich im letzten Jahr seines Medizinstudiums an der Universität Essen und ist dankbar, dass er für diese Zeit von der finanziellen Förderung des Kreises Unna profitieren kann. In der Zeitung hatte von dem Programm gelesen, sich beworben – und die Zusage erhalten. „Zum Glück hat es direkt geklappt“, sagt er. Denn die 500 Euro, die er jetzt ein Jahr lang jeden Monat erhält, bedeuten eine enorme finanzielle Entlastung für ihn: „Sich während des Vollzeitstudiums noch mit einem Nebenjob über Wasser zu halten, ist schwierig“, sagt er.

Für fünf Jahre im Kreis verpflichtet

Und dennoch war das bis zuletzt sein Alltag: An zwei Wochenenden im Monat hat der gelernte Krankenpfleger zusätzlich im Katharinen-Hospital Unna gearbeitet – bis es ihm aufgrund des hohen Lernpensums nicht mehr möglich war: „Gerade, wenn zum Ende des Studiums die Abschlussprüfungen anstehen, brauche ich die Wochenenden zum Lernen.“

„Finanzielle Entlastung“: Medizinstudent aus Unna erhält 500 Euro pro Monat vom Kreis Unna

Stipendiat Matthias Schlösser lernt in jeder freien Minute für seine Abschlussprüfung. © Marcel Drawe

Umso besser sei es für ihn, dass er zum Leben nicht ausschließlich auf Rücklagen und die Unterstützung seiner Eltern zurückgreifen muss, sondern die finanzielle Förderung erhält. Die damit verknüpfte Bedingung, sich anschließend für fünf Jahre im Kreis Unna niederzulassen, sei für ihn kein Nachteil: „Ich bin hier verwurzelt, mein Kind geht hier in den Kindergarten und auch meine Frau ist hier berufstätig“, sagt er. Also bleibe Schlösser auch zukünftig gerne im Kreis Unna tätig.

„Sich während des Vollzeitstudiums noch mit einem Nebenjob über Wasser zu halten, ist schwierig“
Matthias Schlösser, Medizinstudent

Bezug zum Kreis Unna ist Voraussetzung für Stipendium

Das gelte aber nicht für alle Anwärter eines Stipendiums, wie Thekla Pante vom Kreis Unna bestätigt. Erfahrungen aus Nachbarkreisen zeigten, dass Stipendiaten, die keinen Bezug zum jeweiligen Kreis hatten, sich am Ende ihrer Ausbildung aus dem Vertrag freikauften. Das möchte der Kreis Unna vermeiden. Deshalb sei eine weitere Voraussetzung für die Förderung ein Bezug zum Kreis. „Das heißt aber nicht, dass man hier zwingend aufgewachsen sein muss“, sagt Pante. „Wer etwa bereits ein Praktikum hier absolviert und sich heimisch fühlt oder aufgrund einer bestehenden Partnerschaft zuziehen möchte, ist ebenfalls geeignet.“ Ziel sei nur, dass die Stipendiaten nach ihrem Studium tatsächlich im Kreis bleiben, damit die Maßnahme gegen den drohenden Ärztemangel auch greift.

Stipendium des Kreises Unna


Voraussetzungen und Fristen

  • Da es derzeit noch genügend Mediziner gibt, werden im ersten Förderjahr zwei Studenten mit monatlich 500 Euro gefördert. Im zweiten Förderjahr sollen sechs Studierende, im dritten neun und im vierten zwölf die finanzielle Förderung erhalten.
  • Voraussetzung ist ein Bezug zum Kreis Unna sowie das bestandene Physikum, also der erste theoretische Teil der ärztlichen Ausbildung.
  • Angehende Mediziner, die sich um ein Stipendium bewerben, müssen neben dem Antragsformular auch einen Lebenslauf, eine beglaubigte Kopie vom Physikum-Zeugnis (falls noch nicht vorhanden: Anmeldebescheinigung zur Prüfung) und eine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung an den Kreis Unna, Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz, Platanenallee 16 in Unna schicken. Ansprechpartnerin ist Thekla Pante. Sie nimmt die Bewerbungen per E-Mail an thekla.pante@kreis-unna.de entgegen.

Ärztliche Versorgung im Kreis derzeit stabil

Zwar sei die haus- und fachärztliche Versorgung im Kreis Unna derzeit statistisch gesehen stabil, wie die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe mitteilt, jedoch kann sich dieser Zustand schnell ändern: „Der Altersdurchschnitt der Ärzte im Kreis ist hoch. Wenn diese in den Ruhestand gehen, sind wir auf Nachfolger angewiesen“, sagt Pante. Das sei auch der Grund, warum bereits zum jetzigen Wintersemester Stipendien verteilt worden sind: „Die Studenten, die wir jetzt fördern, brauchen ja noch ein paar Jahre, bis sie fertige Ärzte sind.“

So auch Matthias Schlösser. In einem Jahr hat er voraussichtlich sein Studium abgeschlossen. Danach möchte er die Weiterbildung zum Facharzt für innere Medizin machen – im Katharinen-Hospital in Unna. Dazu hat er sich verpflichtet.

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