Das Höhenfeuerwerk gehört zur Katharinenkirmes in Unna dazu. Von der nötigen Technik auf dem Rathausdach und den Sicherheitsvorkehrungen haben allerdings die Wenigsten eine Vorstellung.

von Sebastian Pähler

Unna

, 03.11.2018, 19:58 Uhr / Lesedauer: 4 min

Alles beginnt mit Dunkelheit, oder – um genau zu sein – mit einem großen Knall, gefolgt von Dunkelheit. Nein, es geht nicht um das Universum und den Urknall, sondern um das große Feuerwerk, mit dem seit vielen Jahren die Katharinenkirmes eingeleitet wird. Denn bevor das leuchtende Spektakel losgeht, sind die Schausteller und Verkäufer dazu aufgefordert, die Lichter an ihren Ständen abzuschalten, damit die Lichter am Himmel besser zur Geltung kommen. Als Signal dazu dient ein Probeschuss, den Denny Seck vom Dach des Rathauses aus abgibt, um das bevorstehende Feuerwerk anzukündigen.

Der Feuerwerker aus Dortmund kümmert sich seit vier Jahren um das Kirmesfeuerwerk in Unna und er war auch am Freitag mit seinem Mitarbeiter Carsten Koschel im Einsatz, um weit und breit auf das Fest in der Innenstadt aufmerksam zu machen.

Vorbereitung auf Spektakel nimmt Zeit in Anspruch

Vor dem Spektakel steht aber einiges an Vorbereitung und Planung: „Wenn man bei Null anfängt, sucht man erst mal im Internet nach Referenzen“, erläuterte Michael Nicolaiciuc. Der Veranstaltungsorganisator vom Stadtmarketing war auch für die Organisation des Feuerwerks zuständig. „Wenn man dann eine grobe Vorahnung hat, was man haben möchte, bespricht man das mit dem Feuerwerker. Denny Seck kümmert sich dann auch um die Genehmigungen“, so Nicolaiciuc. „Wir horchen dann nur noch mal beim Ordnungsamt nach“.

Für Feuerwerker Seck gehört der Behördengang genauso zum Service wie die Planung und das eigentliche Abfeuern. Denn in Deutschland gibt es einiges zu beachten, was der Kunde nicht immer wissen kann. So muss ein Feuerwerk mindestens 14 Tage vorher angezeigt, je nach Standort und Größe sogar von den Behörden genehmigt werden. In der Nähe von Wasserstraßen und Flughäfen sind es sogar vier Wochen. Bei der Unnaer Kirmes ist beispielsweise zu beachten, dass das Rathaus in der Einflugschneise des Flughafens Dortmund liegt. Generell ist das relativ kleine Höhenfeuerwerk von Piloten zwar gar nicht zu sehen, aus Sicherheitsgründen spricht sich Seck aber dennoch mit der Flugsicherung ab.

Feuerwerker auf der Katharinenkirmes lassen hinter die Kulissen blicken

Das Feuerwerk auf der Katharinenkirmes wird von Carsten Koschel vorbereitet und kommt ohne Raketen aus. © UDO HENNES

Sind die Formalitäten erledigt, geht es an die Planung. „Das ist aufgebaut wie ein Theaterstück“, berichtetet Denny Seck. Das heißt, das Feuerwerk baut sich langsam auf, mit immer größer werdenden Effekten, erreicht einen Höhepunkt und endet in einem möglichst beeindruckenden Finale.

Keine Raketen werden über der Kirmes in Unna abgeschossen

Raketen kommen in Unna dabei nicht zum Einsatz. Die sind ohnehin unüblich geworden, außer bei ganz großen Feuerwerken, da diese wegen der schweren Holzstäbe einen Sicherheitsabstand zum Publikum von 200 Metern benötigen. Bei Wind sogar mehr. Stattdessen greift der Feuerwerker hier auf sogenannte „Torten“ zurück. Also vorbereitete Feuerwerksbatterien, die jenen, die viele Leute zu Silvester abfeuern, nicht unähnlich sind, nur größer und mit mehr Inhalt. Diese feuern sogenannte Bombetten ab, von denen wenig mehr übrig bleibt als Asche und einige Körner.

Acht Meter Sicherheitsabstand sind für die in Unna verwendeten Feuerwerkskörper vorgesehen. Für alle Fälle rechnet der Feuerwerker aber mit 20. Für die eigene Sicherheit greifen Seck und Koschel gerne auf ausgemusterte Feuerwehrausrüstung zurück. Die ist schwer entflammbar und „da ist der Nacken auch geschützt, darum sind die Feuerwehrhelme bei uns gerne gesehen“, berichtet Kuschel. Denn gelegentliche Verletzungen durch Funkenflug oder Querschläger kommen schon mal vor. Die sind zwar nicht so schlimm, tun aber weh, darum steht Sicherheit an erster Stelle.

Ein ganzer Tag Planung und Vorbereitung geht in das Unnaer Feuerwerk. Kurz vor Beginn auf dem Dach des Rathauses brauchen die Feuerwerker dann noch mal rund eine Stunde bis alles steht. Das ist ziemlich schnell, denn eine aufwendige Verkabelung entfällt bei dem relativ kleinen Feuerwerk. Stattdessen werden die Batterien in der geplanten Reihenfolge der Effekte aufgestellt und dann nacheinander von Hand mit kleinen Magnesiumfackeln angezündet.

„Das mag ich am liebsten“, berichtet Carsten Koschel, „denn es heißt ja auch Feuerwerk und nicht Elektrowerk“. Natürlich ist mit elektronischen Auslösern noch viel mehr möglich, beispielsweise das Feuerwerk mit Musik zu synchronisieren, aber am Ende ist es auch ein Kostenfaktor, der hier nicht nötig ist. „Und ich liebe den Geruch von abgebranntem Schwarzpulver“, so Koschel lachend. Gegen halb Acht war es am Samstag dann so weit und der Signalschuss bereitete die Schausteller und Kirmesbesucher auf das Feuerwerk vor. Goldener Regen, Blumenkohleffekte und leuchtende Spiralen ließen die Betrachter staunen. „Bei einer Kirmes ist es wichtig, dass es schön bunt ist. Und laut. Denn der Ursprung des Feuerwerks war die Absicht, damit die bösen Geister zu vertreiben. Darum muss es laut sein“, erklärte Denny Seck zufrieden lächelnd.

Video
Feuerwerk Katharinenkirmes

Wie wird man Feuerwerker?

Feuerwerk hat man im Blut, berichteten Denny Seck und Carsten Koschel vom Unternehmen Feuerbändiger, das auch bei der Katharinenkirmes für das Höhenfeuerwerk gesorgt hat. Seck selbst ist schon in der dritten Generation Feuerwerker und daher mit dem Thema aufgewachsen.

In Deutschland ist es aber nicht jedem gestattet, außerhalb von Silvester Feuerwerk abzufeuern. Nötig ist eine Erlaubnis gemäß §7 des Sprengstoffgesetzes. Um die zu erlangen, muss der angehende Feuerwerker nicht nur technische, sondern auch gesetzliche Kenntnisse, etwa über Sicherheitsabstände und Anmeldepflichten, nachweisen. Den Anfang macht man am besten als Mitarbeiter eines Feuerwerkbetriebes, um sich mit den Grundlagen vertraut zu machen. „Das ist kein Ausbildungsberuf“, berichtet Seck, aber man könne ihn erlernen. Nachdem man sich in die Materie eingearbeitet hat, kann man sich zum Erwerb der Erlaubnis nach §7 allerdings an einer Sprengschule fortbilden. Davon gibt es in Deutschland nur eine Handvoll, etwa in Berlin und Dresden. Die nächstgelegene hat ihren Sitz in Siegen.

Einmal erworben gilt die Erlaubnis aber nicht für immer. Alle fünf Jahre läuft sie ab. Das hat einen guten Grund, denn gesetzliche Regelungen ändern sich und auch die Technik ändert sich fortwährend.

Kein Problem für die Feuerbändiger

Für Feuerbändiger stellt das aber kein Problem dar. Jedes Jahr gibt es einen neuen Mitarbeiter, der selbst Feuerwerker werden möchte, und Seck steht in engem Kontakt mit der Schule in Siegen, sodass er immer auf dem aktuellen Stand ist. Das gilt nicht nur für gesetzliche Verordnungen, sondern auch für neue Produkte, mit denen er bei Silvesterfeiern, Stadtfesten, Hochzeiten und vielen anderen Gelegenheiten die Zuschauer zum Staunen bringt.

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