Sylke Schaffrin-Runkel (2.v.r) und Sabine Materna (r.) haben sich für den Wettbewerb Pluspunkt Familie ein Bild von der Familienfreundlichkeit im Hausärzteverband Westfalen-Lippe gemacht. Mit auf dem Foto Claudia Diermann, Bianca Pohle und Julia Heierhoff (v.l.). © Schmidt
Pluspunkt Familie

Feelgood-Manager mit Fell und ganz viel Vertrauen

Im Moment bewerben sich wieder Unternehmen aus dem Kreis Unna um das Siegel für besonders gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dazu gehört auch der Hausärzteverband Westfalen-Lippe in Unna.

Wer die Räumlichkeiten des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe an der Massener Straße betritt hat gute Chancen, von einem der beiden Feelgood-Managern begrüßt zu werden – sehr herzlich und ein wenig haarig. Forrest und Rio heißen die beiden Bürohunde und sind auch Teil der Bewerbung für den Wettbewerb Pluspunkt Familie. Hunde gehören schließlich zur Familie, und wenn ein Arbeitgeber seinen hundehaltenden Mitarbeitern das Leben dadurch erleichtert, dass sie ihr Tier mit zur Arbeit bringen können, ist das schon mal ein Pluspunkt.

Wettbewerb zum sechsten Mal seit 2010

Zum sechsten Mal seit 2010 hatten Unternehmen aus dem Kreis Unna die Möglichkeit, sich in diesem Jahr am Wettbewerb Pluspunkt Familie zu beteiligen. Vergeben wird der Preis vom Bündnis Familie des Kreises Unna an Unternehmen, die sich auf verschiedenen Wegen besonders verdient um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf machen.

Die Möglichkeiten sind hier genauso vielfältig, wie es die teilnehmenden Betriebe sind. Ein Logistikunternehmen mit dreistelligen Mitarbeiterzahlen hat hier anderen Handlungsspielraum, als zum Beispiel der Hausärzteverband Westfalen-Lippe mit 15 Mitarbeitern. Das heißt nicht, dass die kleinen Betriebe weniger Chancen hätten. Ganz im Gegenteil: Während in großen Betrieben Entscheidungen durch viele Köpfe gehen, sind die Wege in der kleinen Firma kürzer.

Wie groß die Vorteile sind, die dadurch erwachsen, erklärt Claudia Diermann. Die Geschäftsführerin des Hausärzteverbands führt aus: „Mit dem ersten Lockdown kam das Thema Homeoffice bei den Eltern sofort auf. Dadurch, dass die Kinder nicht in die Kita und Schule konnten, mussten hier alle Beteiligten umdenken. Das war Neuland und funktioniert nur auf Basis von Vertrauen.“ Wer also morgens mal eine oder zwei Stunden weniger arbeiten kann, weil eben die Kinder Aufmerksamkeit fordern, könne die Zeit einfach nacharbeiten, wenn es später am Tag besser passt.

Arbeitszeit ist Vertrauenssache

Diermann verzichtet hier ganz bewusst auf Arbeitszeiterfassung: „Das ist alles Vertrauenssache“, betont sie, jeder könne sich da so organisieren, wie es am besten funktioniert. „Einzig die Absprache im Team ist hierbei entscheidend, denn es muss für alle funktionieren.“ Und natürlich müsse auch der Bürobetrieb aufrecht gehalten bleiben. „Dass das auch geht, wenn ein Teil im Homeoffice ist, das haben wir in den vergangenen eineinhalb Jahren gelernt. Insofern hat uns Corona schon in die Karten gespielt“, so die Geschäftsführerin und muss bei dieser Formulierung kurz innehalten.

Auch die beiden Vertreterinnen der Jury schauen von ihren Notizen auf. Sylke Schaffrin-Runkel vom Startcenter NRW und Sabine Materna vom Jobcenter Kreis Unna tauschen einen flüchtigen Blick aus und nicken. „Ja, so etwas in der Art hören wir öfter“, bestätigen sie. Es sei so ein wenig wie ein betrieblicher Reset-Knopf, der durch die Pandemie gedrückt worden ist. Viele eingefahrene Routinen mussten hinterfragt werden, das bietet auch Chancen für eine modernere und sicher auch familienfreundlichere Gestaltung des Arbeitsalltages.

Große Veränderungen durch Corona – aber auch Chancen

Einige Dinge hat die Pandemie natürlich erschwert. Die große Jahresveranstaltung des Hausärzteverbandes konnte nicht in Präsenz abgehalten werden, doch innerhalb einer Woche hatte man ein virtuelles Konzept erarbeitet. Normalerweise wird im Betrieb einmal in der Woche gemeinsam gefrühstückt, mit gesunden und regionalen Produkten. Das geht natürlich auch nicht per Videochat, doch selbst die Firmenevents konnten in der Coronazeit stattfinden – natürlich den Hygiene- und Distanzregeln entsprechend. Apropos: Masken, Desinfektionsspray und sogar Toilettenpapier bekommen Mitarbeiter für ihre ganze Familie kostenlos.

Mit Fortbildungen und Kursen, wie zur Burnout-Prophylaxe oder für mehr Achtsamkeit untereinander, wird der geistigen Gesundheit Rechnung getragen. Zudem bemüht sich die Geschäftsführerin mit anonymen Befragungen, etwaige Sorgen und Wünsche ihrer Mitarbeiter besser zu verstehen. Ob und wie das Konzept durch die Jury gutiert wird, zeigt sich am 13. Dezember, dann werden die Pluspunkt-Gewinner bekannt gegeben.

Über den Autor
1982 in Dortmund geboren. Abi in Holzwickede, Journalistik-Studium wieder in Dortmund. Seit 2013 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Freut sich über die spannende Herausforderung, den Wandel eines Traditionsverlags hin zu einem modernen, familiengeführten Multimedia-Unternehmen zu begleiten.
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Christoph Schmidt

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